Trent Reznor und Atticus Ross beim Tüfteln. Foto: Mute
Die äußerst druckvolle Coverversion leitet den megalomanen Soundtrack von Trent Reznor (Nine Inch Nails) und Atticus Ross zu David Finchers Film «Verblendung» («The Girl With The Dragon Tattoo») ein, dem Remake nach dem Mega-Bestseller von Stieg Larsson. Das passt.
«Wir haben gelacht und geweint und beinahe den Verstand verloren und heraus kam die schönste und verstörendste Musik die wir je gemacht haben», ließ Reznor über die 14 Monate harte Arbeit verlauten. Das Resultat: «The Girl With The Dragon Tattoo» ist ein 3-Stunden-Opus geworden, das dem Hörer einiges abverlangt. Verstörend? Ja. Aber schön? Klingen die Sounds der Oscar-Preisträger Reznor und Ross («The Social Network») doch wie über schmutzigen Asphalt gezogen.
Außer «Immigrant Song» haben die Soundtüftler und Geräuschemacher keine weiteren Songs im Pop-Format im Gepäck. Ihnen geht es um Atmosphäre - eine düstere noch dazu. Soundscapes für die morbiden Momente im Leben. Ein unablässiger Malstrom der Düsternis, der hämmernd, bohrend, sägend, schneidend und kreischend fließt. Ein bedrückender Abstieg in die finsteren Ecken der Seele, wie es zuletzt David Lynch so treffend gelang.
Entziehen kann man sich den brutalen Industrial-Sounds der beiden kaum. Einmal in Gang geworfen entfalten die 39! Soundcollagen eine unglaubliche Sogwirkung. Ähnlich sind sie sich alle - mit feinsten Nuancen ausgestattet aber erwecken sie permanent die Lust auf Entdeckung.
Dunkel und träge zieht sich der Sound dahin, darüber «tänzelt» mal ein Piano oder glockenspielartige Klänge, die sich aber von der Erdenschwere nur schwer zu lösen vermögen. Hier wurde alles mit einer Form gegossen.
Nein, schön ist das vielleicht im herkömmlichen Sinn nicht. Verstörend schon - und wahnsinnig aufregend. Und das alles auch noch mit ein bisschen Hollywood-Glamour überzogen, was dem Soundtrack ein herrlich sonderbares Gepräge gibt.
