Karte zum Download: Der Bergbau machte aus dem dörflichen Marl eine Stadt

Von Gabriele Figge am 04. Februar 2012 15:46

MARL. Das Papier ist fest, leicht vergilbt, es riecht ein bisschen modrig. Wer sich für Heimatgeschichte interessiert, für den ist der immerhin ein mal ein Meter große Straßenplan des Amtes Marl aus dem Jahr 1937 ein echter Schatz.

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So sah Marl vor dem Zweiten Weltkrieg aus.

Ein Leser der Marler Zeitung hat den alten Stadtplan beim Aufräumen gefunden und in der Redaktion vorbeigebracht. Wir haben ihn in unserer Printausgabe veröffentlicht und daraus einen Beitrag zur Stadtgeschichte gemacht. Das Interesse vieler Leserinnen und Leser an dem alten Plan hat uns gefreut. Und deshalb wollen wir dem Wunsch einiger Leser nachkommen und den Stadtplan als Datei zum Download zur Verfügung stellen. Und zwar in zwei unterschiedlichen Auflösungen.
 

 
Das Erstaunliche: Der Großteil des heutigen Straßennetzes ist 1937 schon vorhanden. Mit dem Beginn des Bergbaus in Marl um die Jahrhundertwende haben sich um die Doppelschachtanlagen der Zeche Brassert und der Auguste Victoria in Hüls (Foto) in rasantem Tempo Siedlungsschwerpunkte entwickelt, die miteinander verbunden werden mussten.

Ansonsten besteht das Stadtgebiet Marls aus Feldern, Wiesen und Wald und bunt zusammengewürfelten Einzelhäusern und Gehöften. An der Halterner Straße steht mitten in der Haard seit 1928 das Haardheim, damals eine Heilstätte für Knochen- und Gelenktuberkulose.

In Alt-Marl gibt es schon den Volkspark, einen Sportplatz und die Badeanstalt. Badeanstalten waren offenbar vor dem zweiten Weltkrieg ein Beleg für den „Erholungswert“ einer Gemeinde. Auf der Karte von 1937 gab es in Marl weitere Badeanstalten an der Loemühle, am Sinsener Silvertbach und eine „Flussbadeanstalt“ zwischen Lippe und Kanal in der Nähe des AV-Hafens.

Wie aus dem Plan ersichtlich gibt es in der jungen Stadt Marl zudem Tennis- und Sportplätze, katholische Kirchen und Friedhöfe, ein Amtshaus, ein Postamt, ein Elektrizitätswerk, einige Schulgebäude und natürlich auch schon Feuerwehrhäuser.

Die heutige Bergstraße zwischen Alt-Marl und Hüls heißt 1937 Adolf-Hitler-Straße. Nach einem Mitbegründer der NSDAP, Dietrich Eckart, der als Ideengeber Hitlers gilt, ist eine Straße benannt, deren Linienführung der heutigen Rappaportstraße entspricht. Die Bonifatiusstraße heißt Straße der SA. Die heutige Kaspar-Grove-Straße trägt den Namen Wilhelm Gustloff.

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