Selbsthilfegruppe: Neuer Lebensmut für Krebskranke

Von Ingrid Wolff am 05. März 2010 09:17

WALTROP. Vor sechs Jahren ist bei Birte Schröder Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert worden. Von einem Tag auf den anderen war nichts mehr so wie vorher. „Die medizinische Versorgung war gut, aber psychologisch hat mich niemand betreut“, sagt die 42-Jährige. Rückhalt und neuen Lebensmut fand sie in der Simonton-Selbsthilfgruppe.

Dort hat die Waltroperin unter anderem gelernt, ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen. „Nur wenn es mir gut geht, kann‘s auch meiner Umgebung gut gehen“, sagt die verheiratete Mutter zweier neun und elf Jahre alter Söhne. In der Selbsthilfegruppe kann sie Kraft tanken. Besonders die Entspannungsübungen helfen ihr dabei.
Mit der Simonton-Therapie hat sich Birte Schröder schon 2004 beschäftigt. Als 2007 die Selbsthilfegruppe in Datteln gegründet wurde, ging sie zu einem Treffen – als ehemals Betroffene. Kurz darauf erkrankte Schröder erneut an Krebs. Jetzt geht es ihr wieder gut. Trotzdem weiß sie: „Mit der Krankheit ist man nie fertig, man hat das immer im Kopf.“
Das gilt auch für viele andere Erkrankungen. „Die Ängste und Sorgen sind ähnlich“, sagt Ulrike Klink. Die 43-Jährige ist zertifizierte Simonton-Beraterin und begleitet die Gruppe ehrenamtlich. Sie möchte den Betroffenen Mut machen, ihnen Hoffnung geben, ihre Selbstheilungskräfte stärken. Gesundes Denken nennt sie das. „Das hat nichts mit positivem Denken zu tun. Wir reden die Dinge nicht schön, sondern setzen uns mit Tatsachen auseinander“, sagt Ulrike Klink. Und so sagt sie den Betroffenen: „Es ist möglich, dass ihr gesund werdet, aber ihr müsst auch damit leben, wenn es nicht so ist.“
Der Gruppe möchte sie vermitteln, wie man trotz der schweren Krankheit eine gewisse Lebensqualität erreichen kann. „Dazu muss man die eigenen Bedürfnisse ernst nehmen.“
Das hat Birte Schröder getan. Die leidenschaftliche Motorradfahrerin hat sich nach der ersten Erkrankung eine neue Maschine gekauft. Auch viele Urlaubswünsche, die die Reisekauffrau hegt, schiebt sich nicht mehr vor sich her. Eine Kreuzfahrt möchte sie machen. Im Hier und Jetzt leben, die Krankheit für kurze Zeit vergessen, das gibt ihr Kraft. „Ich genieße kleine Dinge, die mir sonst egal waren“, sagt sie. Zum Beispiel einen schönen Sonnenuntergang.

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