Redakteure zu Besuch: "Ist mein Taschengeld noch sicher?"

Von Alexander Spieß am 18. November 2011 10:54

RECKLINGHAUSEN. Einmal im Jahr darf sich der Projektredakteur des Zeitungstreffs ein bisschen wie ein Lehrer fühlen. Dann besucht er die teilnehmenden Klassen und berichtet über seine Arbeit. Gar kein einfaches Unterfangen.

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Der Redakteursbesuch ist fester Bestandteil des Zeitungstreffs. Unser stellvertretender Chefredakteur Bernd Overwien besuchte jetzt die Klasse 8d des Gymnasium Petrinum mit Lehrerin Gisela Erler-Krämer. Foto: Thomas Nowaczyk

Rund 30 Augenpaare sind es jedes Mal, die sich neugierig auf den Redakteur, das unbekannte Wesen, heften, wenn er das Klassenzimmer betritt. Das gelegentliche Tuscheln und Gibbeln einiger (weniger) aufgedrehter Schüler überhört und übersieht der Zeitungsmensch großzügig. Er ist ja nicht zum Spaß hier. Er hat einen Auftrag. Einen pädagogischen noch dazu.Rasch skizziert der Redakteur zum Auftakt seinen Arbeitstag. Von der langschläferfreundlichen 10-Uhr-Konferenz mit den Kollegen über das Wahrnehmen der unterschiedlichsten Termine (Ratssitzung, Verkehrsunfall, Bürgermeister-Empfang) bis zum Schreiben der Artikel in der Redaktion.

„Macht Ihnen Ihr Beruf eigentlich Spaß?“, wollte eine Schülerin wissen. Der Redakteur bejahte rasch, was ihm auch gar nicht schwerfiel. Ist doch ein abwechslungsreicher Job, den er da ausüben darf. Einer, in dem er viele Menschen kennenlernt. Manche Schüler scheinen sich um das Wohlergehen des Gastes zu sorgen. „Haben Sie auch mal Freizeit?“, heißt es dann. Auch diese Frage kann der Redakteur guten Gewissens bejahen. Wäre ja auch schlimm, wenn nicht.Es ist erstaunlich, wie differenziert sich die Schüler mit der Zeitung beschäftigen. Da tauchen Fragen nach dem Recht am eigenen Bild auf („Darf man mich eigentlich fotografieren, ohne mich zu fragen?“ Antwort: „Als einzelne Person nicht.“). Oder Fragen nach dem Unterschied zwischen einer Nachricht und einem Kommentar.

45 Minuten sind schnell rum

Ein Mädchen aus der 8.1 der Bonhoeffer-Realschule stellte viele Fragen zu einem ebenso globalen wie komplizierten Thema: „Gibt es bald eine Inflation, und ist mein Taschengeld noch sicher?“ Die Berichterstattung über die Euro-Krise scheint die Schüler zu beunruhigen. Noch so eine Frage: Wie kann es sein, dass die Turnhalle des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums nicht repariert werden kann, weil kein Geld da ist, aber gleichzeitig zig Milliarden für marode Staaten herübergeschoben werden können?Das will dem Lokalredakteur auch nicht restlos einleuchten. Am Ende seines Besuchs ist der Reporter immer wieder überrascht, wie schnell doch 45 Minuten vergehen.

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