Zwischen Hoffen und Verzweifeln: Dr. Plaschevici und ihr großes Herz

Von Heinz Sünder am 12. Dezember 2011 11:51

CHISINAU/MOLDAWIEN. Arbeiten auf einer Kinderkrebsstation, das ist eine Arbeit sehr hart an der Grenze des Erträglichen. Und auf der Krebsstation der Kinder in Moldawiens Hauptstadt Chisinau wird diese Grenze oft überschritten. Heute stellen wir Ihnen, liebe Leser, die verantwortliche Ärztin des Förderprojektes unserer Weihnachts-Spendenaktion 2011 vor.

links
1/1
rechts

Dieses Foto ist das Erkennungszeichen unserer diesjährigen Weihnachts-Spendenaktion, weil es Symbolkraft hat. Dr. Irina Plaschevici leitet die Kinderkrebsstation des Krankenhauses in der moldawischen Hauptstadt Chisinau. Sie und die anderen Ärzte sind immer für ihre kleinen Patienten da, manchmal auch als Spielkameraden. Foto: Heinz Sünder

Wenn ein Kind stirbt, wenn ein Bett neu bezogen wird – das sind dann die Tage und vor allem die Nächte, an denen Dr. Irina Plaschevici verzweifeln möchte: An sich, an der Situation auf der Station und an ihrer Arbeit. „Aber dann denke ich wieder an meine Kinder und wie sehr sie mich brauchen. Und dann geht es halt irgendwie weiter.“
 
Für Dr. Irina Plaschevici geht es seit 21 Jahren irgendwie immer weiter. So lange arbeitet sie als Krebsärztin für Kinder in der Onkologie des Hospitals von Chisinau. Sie ist jeden Tag auf ihrer Station, und ihr Arbeitstag dauert von 7.30 Uhr morgens bis 20, meistens 21 Uhr. Wenn ein Kind Probleme hat, wenn es zu einer Krise kommt, dann bleibt sie auch über Nacht im Krankenhaus. Ihr Gehalt beträgt umgerechnet knapp 400 Euro im Monat. Das lässt ein Mitglied der moldawischen Regierung für ein Abendessen in einem angesagten In-Lokal liegen. Davon gibt es zwei in der Hauptstadt, sie sind immer gut besucht.
 
Aber das ist nicht das Problem der Ärztin. Sie hat ganz andere Probleme. Dass es zum Beispiel für die Kinderkrebsstation kein eigenes Budget gibt. Dass sie um jeden Lei (die moldawische Währung) kämpfen muss, dass sie nie weiß, wieviel Geld sie zur Verfügung hat. Dass die Verteilung kostenfreier Medikamente willkürlich geschieht.
Eines aber weiß sie ganz genau: Der Etat des gesamten Instituts für Onkologie am Hospital von Chisinau wäre gerade ausreichend, um nur ihre zwei Kinderkrebsabteilungen (die einzigen in ganz Moldawien) adäquat zu führen. Er muss aber für alles ausreichen, was am Hospital mit Krebs zu tun hat: Für Erwachsene, für Kinder, für alle Arten von Krebsbehandlungen.
 
Es gibt für die Kinderabteilung keine Labors, es fehlt ständig an Material und es gibt keine Möglichkeit einer Knochenmarktransplantation. Und das ist ein Todesurteil für viele Kinder.
 
Dr. Irina Plaschevici war zur Ausbildung am St. Anna Kinderspital in Wien. Dort hat sie Deutsch gelernt. Sie weiß genau, wie eine Kinderkrebsstation ausgestattet sein muss, deshalb weiß sie auch genau, was ihr fehlt. Um diesen Mangel mit zu bekämpfen, widmen wir in diesem Jahr die Weihnachts-Spendenaktion den krebskranken Kindern von Moldawien. Denn hier kann die Hilfe nur von außen kommen. Die Regierung hat kein Geld, jedenfalls nicht für krebskranke Kinder.
 
Und Dr. Plaschevici hat noch ein großes Problem: Es kommen Kinder, deren Krankheit man zu spät entdeckt hat, denen mit den vorhandenen Mitteln einfach nicht mehr zu helfen ist. Diese Kinder sterben im Krankenhaus. Aber sie sterben nicht einsam. Dr. Irina Plaschevici und ihre zwei jungen Kolleginnen sind bei ihnen, wenn es in die letzten Stunden geht. Und sie sind es, die dann die Eltern, die Geschwister und die anderen Kinder auf der Station trösten müssen. Es gibt keinen einzigen Psychologen, der ihnen diese Arbeit abnehmen würde. Sie haben es mit den weinenden Angehörigen und mit den Kindern zu tun. Sie müssen Trost spenden, wo sie doch selbst welchen brauchen würden.
Das ist schwer, aber wenn sich das Leid verteilt, dann kann man es leichter ertragen. Viel schlimmer ist es, wenn die Kinder nach der Behandlung zuhause sterben. Dr. Irina Plaschevici: „Da gibt es überhaupt keine seelische Hilfe. Die Menschen müssen alleine mit dem Tod fertig werden. Manchmal erfahren wir es, dann führen wir noch Gespräche mit den Eltern. Aber sehr oft hören wir nichts mehr. Bekommen dann nach Monaten mitgeteilt, dass unser kleiner Patient tot ist. Das ist dann sehr traurig.“
 
Dr. Irina Plaschevici ist ein Frau von großer Kraft. Sie ist behindert, geht seit ihrer Kindheit am Stock. Und sie hat ein unendlich großes Herz für Kinder. „Es ist ja nicht nur trostlos hier. Wir können ja vielen Kindern helfen, sie gesund nach Hause schicken. Es ist nur schwer zu verstehen, dass wegen ein paar fehlender Lei Kinder sterben müssen. Ich habe Tag und Nacht nur einen ganz großen Wunsch: Ich möchte hier ungefähr so arbeiten können, wie im St. Anna Kinderspital in Wien.“
 
Mit unserer Weihnachtsaktion wollen wir helfen, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht. Darum bitten wir Sie um Ihre Spende.

Bildergalerien aus der Region

Schalke gegen Haltern

Die Schalker feierten mit einem 4:2 im Freundschaftsspiel gegen TuS Haltern den Abschied von Raúl.

Oberliga-Aufstieg Spvgg. Erkenschwick

Erkenschwick siegt 6:2 in Wickede und feiert den Oberliga-Aufstieg.

Premiere der Ruhrfestspiele 2012

Die Ruhrfestspiele starteten in diesem Jahr mit einer Inszenierung von Festivalchef Frank Hoffmann.

Mayday 2012

Mayday 2012

Unter dem Motto "Made In Germany" tanzten bei der Mayday in Dortmund rund 25.000 Besucher in den Mai.

Grüner Hügel

Auftakt der 66. Ruhrfestspiele

Prächtiges Wetter und zufriedene Besucher: Der Auftakt zu den 66. Ruhrfestspielen in Recklinghausen war ein voller Erfolg.

Ihre Zeitung bei Facebook

Unsere Serien im Überblick

Sie haben den Teil einer Serie aus unserer Zeitung verpasst? Kein Problem! In unserem Online-Archiv finden Sie alle aktuellen und bisherigen Artikel aus unseren Themen-Serien.

Flohmärkte

Flohmarkt

Wir zeigen Schnäppchenjägern und Sammlern den richtigen Weg. Hier finden Sie einen Überblick zu den Floh- und Trödelmärkten in der Region

Karriere

Logo Lehrstellenaktion

Aktion Lehrstelle

Ein gemeinsames Projekt des Medienhauses Bauer und der Arbeitsagentur RE