Alisa (3) mit ihrer Liebelingspuppe. Das Mädchen hat eine sehr aggressive Form der Leukämie. Sie hat gerade eine Chemotherapie hinter sich, und deshalb Schatten unter den Augen. Foto: Heinz Sünder
Bis sich das kleine Mädchen in der Küche in den Finger schnitt, als es der Mama beim Kochen helfen wollte. Bei der Behandlung stellten die Ärzte Unregelmäßigkeiten im Blutbild fest – Leukämie. Sehr schnell war klar, dass der Kleinen in Chisinau wohl nicht zu helfen war.
Dann trat ein „guter Freund“ an sie heran, bei dem sich Gier mit Halbwissen paarte: „Ihr müsst ein zweites Kind machen, mit dem Blut von dessen Nabelschnur kann Alisa gerettet werden. Aber nur in Deutschland.“ Der gute Freund wollte alles erledigen, Kostenpunkt 30.000 Dollar.
Alles das ist in Chisinau nicht machbar. Aber verzweifelte Eltern, die ihr Kind nicht sterben lassen wollen, sind zu allem bereit. Mutter Violetta wurde wieder schwanger, brachte Maria zur Welt. Die Nabelschnur wurde eingefroren und nach Rumänien gebracht, dort eingelagert. Aber da war noch das Problem mit den 30.000 Dollar. Eine völlig abwegige Summe in der moldawischen Wirklichkeit, in der Menschen wie Alisas Vater Yuri um die 150 Euro im Monat verdienen.
Yuri ist ein einfacher Mann, kräftig und sehr liebevoll. Sorgenkind Alisa wird von ihm vergöttert. Er hat einfach angefangen zu schuften. Als wir die Familie besuchten, hatte er vier Jobs: Helfer im Gemüsemarkt, Schichtarbeiter beim Sicherheitsdienst, Automechaniker und Chauffeur. Seine tägliche Arbeitszeit: Minimum 14 Stunden, manchmal bis zu 18. Er schafft es, so zwischen 400 und 450 Euro nach Hause zu bringen.
Den Chauffeurjob ist er im Moment los. Er fuhr Transporte in die Ukraine, bezahlte einem Grenzer kein Bestechungsgeld – schon war die Erlaubnis für drei Monate weg. Ob er es jemals schafft, die 30 000 Dollar zusammen zu bringen? Da ist er optimistisch: „Wir verkaufen das Auto und die Wohnung, das klappt schon. Außerdem hilft die Familie.“ Ihm ist klar, dass er sich für den Rest seines Lebens verschulden muss. Und es bleibt die große Frage: Ist das wirklich die Rettung für Alisa, sein „Engelchen“?
Dr. Irina Plaschevici kennt den Fall. Sie ist skeptisch: „Es ist illegal. Nun gut, Eltern tun für ihre Kinder alles. Aber die Vorgehensweise ist unsinnig. Ich denke, da ist Betrug mit im Spiel. Wir behandeln das Kind, es ist in der Chemotherapie. Da muss man erst einmal abwarten.“
Aber genau da liegt das Problem: Wie viel Zeit bleibt Alisa noch, wie lange kann man abwarten? Und wo kann ihr dann geholfen werden? Und von wem? Weil die Möglichkeiten einer komplizierten und modernen Behandlung nicht bestehen, weil es große Mängel gibt – für die die Ärzte keine Schuld tragen –, haben sich Grauzonen gebildet, in denen Scharlatane und Betrüger verzweifelte Eltern gnadenlos abzocken.
Der Kampf um Alisas Leben ist jetzt in einem entscheidenden Stadium. Als wir das Kind besuchten, stand sie kurz vor einer weitere Chemotherapie. Wie diese ausgegangen ist, ob sie geholfen hat – das wissen wir nicht. Was wir aber wissen, ist: Den Ärzten und Schwestern in der Kinderkrebsstation von Chisinau muss geholfen werden. Sie brauchen Geräte und Medikamente, damit sie Kindern wie Alisa besser helfen können. Für diese Menschen bitte wir Sie, liebe Leser, um Unterstützung für unsere diesjährige Weihnachtsaktion.


