Prof. Dr. Helmut Gadner
Initiator dieser Hilfe ist der langjährige Leiter dieser Wiener Kinderkrebsklinik, der weltweit anerkannte Spezialist Prof. Dr. Helmut Gadner. Er kennt die Situation in Moldawien, er war in der Kinderklinik von Chisinau, und er hat die dortige Stationschefin Dr. Irina Plaschevici zur Ausbildung am St. Anna Kinderspital in Wien gehabt. Er wird unsere diesjährige Weihnachtsaktion fachlich-medizinisch begleiten. Mit ihm haben wir über die Situation in Moldawien.
Wo muss die Hilfe ansetzen?
Dringend benötigt werden hygienische Hilfsmittel, Einmalmaterial, Medikamente, technisches Equipment. In einzelnen Fällen sind auch Um- bzw. Neubauten der Kinderkrebsstationen nötig. Aber das ist nicht das Wichtigste …
Was ist denn das Wichtigste?
Das Wichtigste ist die Schulung von Ärzten und Krankenschwestern nach unseren Standards. Es hat ja keinen Zweck, wenn wir neueste Medikamente und hochwertige Transplantationstechnik nach Moldawien liefern und dort kann man damit nicht umgehen. Der erste Schritt muss immer die Ausbildung sein.
Machen Sie das schon?
Das machen wir schon seit Jahren so. Wir haben immer Ärzte und Schwestern aus den von uns betreuten Krebskliniken zur Ausbildung in Wien.
Wie läuft das?
Wir wählen die Leute aus, wobei bisherige Qualifikation und Ausbildung schon eine große Rolle spielen. Wir zahlen die Reise, es stehen freie Wohnungen bereit, die Ärzte und Schwestern bekommen ein Taschengeld und sie werden im St. Anna Kinderspital verpflegt.
Über welchen Zeitraum läuft so eine Ausbildung?
Das Minimum sind sechs Monate, wir hatten aber auch schon Ärzte bis zu zwei Jahre hier. Es ist ja eine hochkomplizierte Materie, in die sich die Kollegen da einarbeiten müssen.
Wie wird das finanziert?
Rein privat über eine Stiftung und Spender. Deshalb begrüßen wir natürlich eine Aktion wie die der UNESCO zusammen mit den Lesern Ihrer Zeitung mit großer Freude.
Wie viele Ärzte und Schwestern aus dem ehemaligen Ostblock waren denn schon in Wien?
Das sind inzwischen über dreihundert. Und wir haben da tolle Fortschritte erzielt. Wir zeigen denen alles: Wie man die Basisversorgung sichert, wie man die Nachsorge für krebskranke Kinder organisiert. Jetzt gehen wir an die Transplantationen ran. Die Kollegen lernen schnell, die Chancen der Kinder, nach einer Krebsbehandlung zu überleben, steigen rapide.
Nun waren wir ja in Chisinau und auf dem Land, haben krebskranke Kinder aufgesucht. Da liegt aber noch Vieles im Argen. Was ist vordringlich?
Wir wissen das, deshalb forcieren wir ja auch Moldawien. Wir müssen dort die Basisversorgung verbessern, wir müssen Sterilräume im Hospital schaffen, wir müssen die Einbindung der Eltern in die Nachsorge verbessern. Ich weiß, das zum Beispiel dort das Thema „Sterben und Tod“ immer noch tabuisiert wird, dass man die Kinder und auch teilweise die Eltern im Unklaren lässt. Das geht natürlich nicht. Diese Aufklärung gehört ja auch mit zur Therapie. Aber das dauert, das kann man nicht übers Knie brechen.
Ist Ihre Arbeit bisher erfolgreich?
Ja unbedingt. Wir erzielen sehr gute Ergebnisse. Es hat auch keinen Sinn, auf die Unterstützung von Seiten der Regierung zu warten. Wenn wir es nicht tun, wenn wir nicht helfen, wer soll es dann tun? Deswegen finde ich auch solche Aktionen wie die Ihrer Zeitung so gut: Wir geben den Menschen die Chance, sich selbst zu helfen. Wir zeigen Ihnen, wie es geht, unterstützen sie – und dann sollen sie selber machen.


