Für Thomas Godoj symbolisiert die Halde auch ein Stück Heimat. Der Bergbau ernährte die Familie, als Thomas’ Vater noch als Steiger unter Tage seine Schichten schob. Er gab dem heranwachsenden Sohn eine Perspektive, als er nach der Realschule seine Ausbildung als technischer Zeichner durchlief. Im Recklinghäuser Ingenieurbüro Hachmann und Partner kamen die meisten Aufträge aus dem Bergbau. Thomas Godoj wollte noch tiefer in die Materie einsteigen, studierte acht Semester an der Fachhochschule Bochum. Unter anderem weil er sein Studium auch mit Jobs selbst finanzieren musste, schaffte er es nicht in der Regelstudienzeit.
Es begann ein unglückliches Kapitel seines Lebens – ohne den Bergbau. Um über die Runden zu kommen, musste Godoj sich bei den Hartz-IV-Empfängern einreihen. An das Gefühl erinnert sich der 32-Jährige nur zu gut: „Schon dieses Gebäude betreten zu müssen, war einfach nur ätzend.“
Musikalisch war der talentierte Recklinghäuser da längst auf einem erfolgreichen Kurs – wenn auch viel weniger prominent, als es später die Fernsehwelt in Bohlens Show miterleben sollte. Mit der Gruppe „Cure of Souls“ hatte Godoj 2003 das Newcomer Festival in Recklinghausen gewonnen. Mit der Nachfolgeband Wink stand er kurz vor dem ersten Plattenvertrag.
Dass ihn sein musikalischer Weg aufs Podest als Deutschlands Superstar führen würde, ahnte er da noch nicht. Er bewarb sich, weil ihn andere drängten. „Natürlich hat mich die Arbeitslosigkeit getreten – und meine Freundin Jenni – und meine Mutter.“ Vom engen Korsett des DSDS-Talents hat er sich längst befreit. „DSDS ist ein Sprungbrett, aber dann musst du selber paddeln“, sagt Deutschlands Superstar 2008. Musikalisch geht er seinen eigenen Weg. Seit dem vergangenen Jahr kümmert er sich auch wieder selbst ums Management– mit Unterstützung eines Rechtsanwalts, einer Booking-Agentur und eines Finanzberaters aus der eigenen Familie.
„Jetzt musst du doch nach Berlin ziehen“, haben ihm viele nach dem DSDS-Gewinn und den ersten musikalischen Erfolgen gesagt. Aber er bleibt Recklinghausen treu. „Ganz einfach, weil das meine Heimat ist. Ich bin nicht anders geworden, nur weil ich mal im Fernsehen war“, sagt er.
Die Halde sieht er als ein Stück Industriekultur und als Verbindung zur Bergbautradition. „Ist doch toll, was daraus geworden ist. Viel Zeit für solche Ausflüge hat er nicht. Die Richtung G-Tour geht weiter. Und im Juni werden Thomas Godoj und Freundin Jenni zum zweiten Mal Eltern. „Und diesmal wird’s ein Junge.“


