„Er selbst bemerkt sein Fehlverhalten in solchen Situationen nicht“, so die Sachverständige vor Gericht. „Leider wurde seine Erkrankung von Betreuern und Ärzten nie ernst genug genommen.“ Dabei hatte es in der Vergangenheit bereits andere Vorfälle gegeben, der letzte Ausraster sei nur „das Ende der Kette“ gewesen.
Vorgeschichte
Vorangegangen waren dem nächtlichen Angriff „einfache Nachbarschaftsstreitigkeiten“, so Richter Dr. Michael Rottkemper. „Laute Musik oder mal ein Klopfen an die Decke.“ Doch der Beschuldigte fühlte sich durch solcherlei Lärm persönlich drangsaliert, glaubte seine Nachbarn wollten ihm Schaden zufügen.
„Das gehört zum Krankheitsbild“, so die Psychiaterin. In ihrer Einschätzung schloss sie selbst Mordabsichten gegenüber den Nachbarn nicht aus. Deshalb wird der Wattenscheider nun auf unbestimmte Zeit in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Dort soll vor allem an seiner Medikation gearbeitet werden, die derzeit nicht zu wirken scheint.
Spätestens nach zwei Jahren soll überprüft werden, ob sich der Zustand des 30-Jährigen gebessert hat. Dann könnte er in eine betreute Wohngruppe ziehen. Tragisch: Die Erkrankung könnte durch gelegentlichen Cannabis-Konsum als Teenager ausgelöst worden sein. Heilbar ist sie nicht.


