Klinikum und Knappschaftskrankenhaus: Asbest: Verdacht bei weiteren Krebskranken

Von Ulrike Böhm-Heffels am 05. Juli 2011 18:30

DORTMUND. Der Asbest-Fall im Klinikum wird immer mysteriöser. Und es sieht so aus, dass auch andere Dortmunder Krankenhäuser mit Altlasten zu kämpfen hatten. Ehemalige Mitarbeiter des Knappschaftskrankenhauses sollen ungewöhnlich häufig an Krebs erkrankt sein.

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Fotos aus dem Klinikkeller. Die Asbestummmantellung der Rohre und deren Beschädigungen sind zu erkennen.

Am Dienstag meldete sich eine frühere Mitarbeiterin des Knappschaftskrankenhauses bei den Ruhr Nachrichten. Ihr sei die ungewöhnliche Häufung von Krebsfällen ehemaliger Kollegen aufgefallen, die in den Werkstätten gearbeitet hätten. Tatsächlich war vor etwa zehn Jahren der letze Asbest-Fund im Brackeler Krankenhaus aufgetaucht.

Von einer Häufung von Krebsfällen, die möglicherweise auf den Umgang mit Asbest hindeuten, wollen aber weder der Verwaltungschef, noch der technische Leiter, die Personalabteilung oder der frühere Ärztliche Direktor am Knappschaftskrankenhaus etwas wissen. „Sonst hätten wir auch Unterlagen der Berufsgenossenschaft vorliegen“, so Krankenhaus-Sprecher Wolfgang Skorvanek.

Anonym zugespielt

Im Klinikum lädt Donnerstag der Arbeitsdirektor Kollegen aus dem technischen Bereich zum Gespräch ein. Die Geschäftsführung des Klinikums sah sich alle von uns veröffentlichten Fotos genauer an. Sie zeigen Asbest-Warnaufkleber, u. a. neben geborstenen Leitungen in Kriechkellern, und sollen im April 2010 aufgenommen worden sein.



So die Auskunft des früheren Mitarbeiters, der an Krebs erkrankt ist und gegen die Berufsgenossenschaft klagt. Ihm selber habe man die Fotos anonym zugespielt, gab er an.

Fotos aus früheren Jahren

„Die Bilder können nicht von April 2010 sein, da sie den Gang im Bereich des heutigen Zopfs zeigen (Neubau zum Zentral-OP, Anm. d. Red.) und diese Gänge Ende 2007/Anfang 2008 abgerissen worden sind“, so Klinikum-Sprecher Jörg Kühn.

Gleichwohl zeigen sie offenbar stark ramponierte Leitungen, von denen möglicherweise in der Vergangenheit viele Asbestfasern in die Raumluft gelangen konnten. Bei der Recherche im eigenen Haus, ob Mitarbeiter früher tatsächlich wissentlich ungeschützt in kontaminierte Bereiche geschickt worden sind, kam Kühn nicht weiter.

Dichtungen betroffen

Auch am Knappschaftskrankenhaus hatte es einen Asbest-Fund gegeben, vor einer der letzten Kernsanierungen Anfang der 2000er Jahre. „Beim Auseinanderbauen eines alten Heizkessels fand man Dichtungsstopfen, die Asbest enthielten. Aber bei den Zuleitungen hatten wir Glück. Die Rohre waren nicht mit Asbest ummantelt“, so Marc Pieczka aus der Öffentlichkeitsabteilung des Brackeler Krankenhauses.

„Die Handwerker, die im Kesselhaus gearbeitet haben, sind an Asbestose und anderer Krebserkrankungen gestorben“, will eine frühere Mitarbeiterin erfahren haben. Von den Hinterbliebenen. „Von den drei verstorbenen Werkstatt-Mitarbeitern hatte keiner Asbestose oder Lungenkrebs“, antwortet Sprecher Wolfgang Skorvanek.

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