Billig-Implantate: Dortmunderin von Silikon-Skandal betroffen

von Ulrike Böhm-Heffels am 04. Februar 2012 05:58

DORTMUND. Farina S. hat eines der billigen Brustimplantate der Firma PIP in ihrem Körper. Das Implantat wird Ende des Monats entfernt. Die Junge Frau hat Angst und macht ihrem Erst-Operateur schwere Vorwürfe.

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Um eines solcher PIP-Implantate geht es auch im Fall Farina S. Bei den Implantaten kann es zu Hüllenrissen kommen.

Ende Februar wird ihr der Fremdkörper aus der Brust operiert, der ihr so viel Angst macht: Das billige Industrie-Silikon der Firma PIP. Farina S. fürchtet sich vor erneuten Schmerzen und vor der Hilflosigkeit, denn nach der OP kommt sie nur mit fremder Hilfe aus dem Bett.

Als sie kurz vor Weihnachten aus Hamburg zurückkehrte, wo die 21-Jährige einen Kursus als Studiumvorbereitung absolviert hatte, erfuhr sie in den Nachrichten von dem PIP-Skandal in Frankreich. Es traf sie der Schlag vor dem Fernseher.

Großes Verbrechen
 
Farina S. war Patientin bei Dr. Jochen Münzberg, der 40 Frauen mit PIP-Implantaten versorgte. „Da ist von der Firma ein großes Verbrechen begangen worden“, sagte der Plastische Chirurg gegenüber unserer Redaktion.

Er sieht sich genauso getäuscht wie seine Patienten. Farina S. hingegen fühlt sich „schlecht aufgeklärt“ durch ihn und wechselt für die erneute Operation zum Plastischen Chirurgen Dr. Martin Reifenrath.
 
Zwei Eingriffe
 
In ihrem Fall zahlt(e) die Krankenkasse beide Eingriffe: Die linke Brust ist zwei Körbchen-Größen kleiner gewachsen als die rechte. Seit ihrem 15. Lebensjahr fühlte sie sich deshalb „ständig beobachtet, auch wenn man eigentlich nichts sah, nicht mal im Schwimmbad.“

Farina S. konnte die Asymmetrie optisch geschickt kaschieren, aber nicht in ihrem Bewusstsein.
 
Große Narbe
 
Ihre damalige Frauenärztin riet zur Brustanpassung und empfahl Dr. Münzberg. Der setzte bei der damals 18-jährigen Dortmunderin 2009 das PIP-Implantat ein, aber mit dem Ergebnis war Farina S. nie zufrieden. „Ich bekam ein rundes Implantat, kein tropfenförmiges, das zum rechten Busen gepasst hätte“, klagt sie.
Trotz Narbensalbe entwickelte sich die große OP-Narbe nicht zurück, und wenn sie sich an die Schmerzen erinnert, rät sie jeder Frau: „Wegen einer Körbchen-Größe Doppel-D sollte sich keine operieren lassen.“

Ultraschalluntersuchung
 
Ihre Mutter rief Ende des Jahres Dr. Münzberg an. Der Chirurg riet zur Ultraschalluntersuchung. Inzwischen hatte Tochter Farina die Frauenärztin gewechselt. Die Sonographie ergab nichts, aber Dr. Reifenrath sagte ihr, man sehe nicht alles im Ultraschall.   

Farina S. beunruhigt neben der Gewissheit, Industrie-Silikon in der Brust zu tragen, ein Verdacht: Ihr neuer Operateur Dr. Martin Reifenrath vermutet eine Kapsel-Fibrose, die sich rund ums PIP-Implantat in ihrer linken Brust gebildet haben könnte.

„Das fühlt sich alles auch sehr hart an“, sagt die junge Frau.

Untersuchung beim Medizinischen Dienst

Vor drei Jahren erhielt sie das Implantat der Skandal-Firma PIP. Ihr linker Busen war extrem kleiner gewachsen als der rechte. Dass die Implantate reißen könnten, ahnten damals weder Operateur noch Patientin.

Ihre Krankenkasse zahlte den Eingriff, nachdem sich Farina S. einer Untersuchung beim Medizinischen Dienst unterzogen hatte. „Sie wollten feststellen, ob ich sportlich bin, und ich musste ein psychologisches Gespräch führen.“ Auch den Austausch des Industrie-Silikons in der Brust zahlt die Kasse.

Furcht vor Schmerzen

„Dr. Reifenrath wird die alte Narbe öffnen und näht dann eine komplett neue, dünne. Ich bekomme auch eine andere Implantatform.“ Farina S. fürchtet die neuen Schmerzen, hofft aber auf ein besseres Ergebnis mit einem unbedenklichen Brustpolster.

Ihrem Erst-Operateur Dr. Jochen Münzberg wirft sie vor, er habe sie nie angeschrieben.
 
Termine bis in den Mai hinein

Stimmt dies? Der Plastische Chirurg antwortet: „Dass da jemand durchgegangen ist, ist ungewöhnlich. Aus den Implantat-Pässen wusste ich ja, welche Frauen zwischen 2006 und 2009 mit PIP versorgt worden waren. Ich habe alle 40 Patientinnen, die ich gefunden habe, direkt angeschrieben, bis auf höchstens zwei, wo die Adressen nicht mehr stimmten, weil die Frauen verzogen sind.“

Dagegen hätten sich in seiner Praxis schon drei Frauen gemeldet, die in Essen operiert, aber von dort nicht angeschrieben worden seien, so Dr. Münzberg. Er habe einen guten Rücklauf, bis in den Mai hinein reichten die Termine für Nachoperationen.

Ultraschall-Kontrolle

Grundsätzlich rate er jeder brustimplantierten Frau einmal jährlich zur Ultraschall-Kontrolle.
 
Seit Ende 2010 sei bekannt gewesen, dass es zu Hüllenrissen bei PIP-Implantaten kommen könnte. Er selbst habe bei den schon nachoperierten Frauen keine gesehen.  

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