Tobias Trevisan sprach als Ehrengast beim Kramermahl.
Denn in einer Demokratie genüge es nicht, alle paar Jahre ein Kreuz zu machen. Es müsse „die Pflicht eines jeden Einzelnen sein“, sich zu informieren. „Das System basiert letztlich auf der Wahrnehmung von Verantwortung, nicht nur durch die Politiker in einem Lande, sondern auch durch seinen mündigen Bürger“, sagt Trevisan.
Regierungen türmten Schulden auf
Wohin zu großes Vertrauen in Politiker führe, habe die Eurokrise gezeigt. Regierungen türmten Schulden auf, „Günstlingswirtschaft und Korruption in südlichen Gefilden“ wurden hingenommen, Brüssel reagierte nicht. Trevisan bezweifelt, dass allein die Politiker Schuld sind an dem Crash. Wohl auch die Bürger, die ihre Bürgerpflicht nicht ausreichend wahrgenommen haben.
Während Radio und Fernsehen laut Trevisan jedoch keine nachrichtliche Tiefe liefern können, Online-Medien nur dem „schnellen Überblick“ dienen, bleibe allein die Zeitung – gedruckt oder digital –, die vernetztes Wissen anbiete und es Menschen erlaube, über den Tellerrand zu schauen. Der Nachwuchs brauche ein „breites Wissen“. Das liefere eben nicht „Google“, sondern die Zeitung.
Trevisan kritisiert Öffentlich-Rechtliche
Trevisan forderte von der Politik Rahmenbedingungen, die es Zeitungen erlaube, auch in Zukunft Markt-Erlöse zu erzielen, vor allem im Digital-Geschäft. Die Kritik der Verleger an den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ist in Fachkreisen zurzeit allgegenwärtig.
Auch Trevisan monierte, dass die Sender „mit sieben Milliarden Euro an Gebührengeldern“ digitale Angebote entwickeln und diese kostenlos an Bürger abgeben, zum Beispiel die „Tagesschau-App“ für das iPhone. Die Verlage dagegen müssen entsprechende Angebote verkaufen. Die Politiker würden kaum helfen, „da sie ein großes Interesse haben, sich in den öffentlich-rechtlichen Sendern darzustellen.“


