Weist der Rat doch keine Zonen aus?: Gutachter erwarten keinen "Windrad-Wildwuchs"

MARL Die Politiker sollen nun doch keine Vorrangzonen ausweisen, die den Bau von Windrädern nur an bestimmten Orten zulassen. Genau das wollten SPD und CDU im Rat eigentlich, nachdem Bürgerproteste lauter wurden.

  • windrad

Das Bürgermeisteramt schlägt aber nun vor, dass die Politik in der Ratssitzung am Donnerstag (ab 15 Uhr im großen Saal des Rathauses) förmlich beschließt, auf Vorrangzonen zu verzichten.

Nach einem Ratsbeschluss im November 2016 beauftragte die Stadt das Büro Bosch & Partner aus Herne mit einer Potenzialflächen-Analyse für ganz Marl. Ziel war es, Windräder in wenigen „unempfindlichen“ Bereichen zu konzentrieren. So soll „Wildwuchs“ verhindert werden. Bekanntlich kämpft in Polsum bereits die Bürgerinitiative Gegenwind gegen drei Windräder.

Die Stadt darf Windenergie aber nur so weit beschränken, dass ihr „noch genügend Raum gegeben wird“, zitiert das Bürgermeisteramt ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts in einem Halterner Fall. Um rechtssicher vorzugehen, hat sich die Marler Stadtverwaltung mit einer Anwaltskanzlei abgestimmt.

Arenbergischer Forst als einzige Fläche

Nach der Analyse des Herner Büros bleibt der Arenbergische Forst mit rund 24 Hektar die einzige mögliche Fläche für eine Vorrangzone mit drei bis fünf Windrädern. Er ist größtenteils im Besitz der Stadt. Damit würden 4,75 Prozent des Stadtgebietes für eine Konzentrationszone zur Verfügung stehen. Dieser Flächenanteil genügt nach Einschätzung des Bürgermeisteramts „kaum den Anforderungen der Rechtsprechung“.

Würden die Abstände zu Wohngebieten verringert, könnte man die Konzentrationszone auf 50 Hektar (= zehn Prozent der Stadtfläche) vergrößern. Dann würde Marl zwar die rechtlichen Vorgaben erfüllen, im Landschaftsschutzgebiet aber ökologische Konflikte riskieren. Eine Umweltprüfung hätte ein unsicheres Ergebnis, so das Bürgermeisteramt.

Mögliche Standorte im Westen und Nordwesten

Nach Auffassung der Gutachter ist auch ohne Konzentrationszonen kein ungesteuerter Wildwuchs von zusätzlichen Windrädern in Marl zu erwarten. Diese Auskunft hatten die Politiker vor Jahren schon einmal von Experten bekommen – und deshalb Vorrangzonen aufgehoben, um keine Windenergie zu blockieren. Dann regte sich der Widerstand der Bürger.

Den Gutachtern zufolge gibt es nur noch „im Westen und Nordwesten Marls“ wenige zulässige Standorte für einzelne Windräder. Wo genau sie liegen, war gestern auf Nachfrage nicht zu erfahren.
2 KOMMENTARE
15.02.17 13:11

Die Ratsmitglieder

von marl

haben doch heutzutage kein "Arsch" in der Hose. Die sind sich doch auch selbst am nächsten... Warscheinlich warten die drauf das HSK das auch noch mitmacht....

15.02.17 12:36

Gutachter

von Genau

Wieso müssen Gutachter über das Wohl und Wehe der Bürger entscheiden?
Können das nicht die gewählten Vertreter der Bürger selbst?
Gutachter können bei Fehlentscheidungen nicht zur Rechenschaft gezogen werden.
Ratsmitglieder schon.
Das ist wohl der "casus knacktus";-)

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