Unverständnis bei Trägern: Ministerium hinterfragt Kita-Übernachtungen

Waltrop Für viele angehende i-Männchen stellt sie den Höhepunkt ihrer Kindergartenzeit dar: die Übernachtung in der Einrichtung – ganz ohne Eltern, endlich ist man richtig groß! Doch mit dem Spaß könnte es bald vorbei sein. Schuld ist ein Erlass des NRW-Kommunalministeriums, demzufolge das Schlummern im Hort eine genehmigungspflichtige Nutzungsänderung darstellt.

  • Zahnbürsten in einer Kita

    Die Zahnbürsten von Kindern in einer Kita. Foto: Christian Charisius/Archiv


Jede Kita müsse prüfen, ob eine solche Genehmigung (insbesondere mit Blick auf Brandschutzmaßnahmen) vorliege und falls nicht, eine Nutzungsänderung bei der Unteren Bauaufsicht der Kommune beantragen. In den 13 Waltroper Kitas ist die Botschaft erst teilweise angekommen: „Ich kann dazu gar nichts sagen“, erklärte etwa Silke Snelting, seit April Verbundleiterin der fünf katholischen Kindergärten auf Anfrage unserer Redaktion. Gleiches verlautete aus dem evangelischen „Blauen Haus“.

Unverständnis bei der Lebenshilfe

Relativ gelassen sieht den Erlass Christoph Haßel-Puhl von der Lebenshilfe, die drei Einrichtungen unterhält und dort sogar mehrmals im Jahr das „Kinderhotel“ mit Übernachtungen anbietet, um gestresste Eltern zu entlasten: „Was soll das? Es finden doch regelmäßig Begehungen u.a. mit der Feuerwehr statt. Wenn es etwas zu beanstanden gäbe, wäre das längst behoben.“

"Wir machen die Übernachtung aber trotzdem"

Höchst ungern auf das kleine Abenteuer vor Schulstart verzichten würde Sabine Adrian, Leiterin der AWO-Kita „Hand in Hand“: „Ich kenne den Erlass, wir machen die Übernachtung aber trotzdem – es sei denn, der Träger untersagt es ausdrücklich.“ Für die Vorschüler sei gerade diese Veranstaltung (inklusive Nachtwanderung) ein Meilenstein auf dem Weg zur Selbstständigkeit, ein Riesenspaß und von großer Bedeutung, „das merke ich auch, wenn Ehemalige als Praktikanten zurückkehren und noch immer davon schwärmen.“

Für Kollegin Kathrin Althaus (AWO-Kita Am Park) stellt sich das Problem ohnehin nicht: Man habe mit den Übernachtungen gar nicht erst angefangen, weil man gefürchtet habe, der Gesetzgeber könne irgendwann in eine dann lieb gewonnene Tradition reingrätschen. „Wir machen alternativ einen schönen Ausflug mit den Kindern und Eltern und grillen anschließend gemütlich.“
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