Wohnungsbau

Abriss des Deilmann-Hauses steht kurz bevor

Die Dattelner müssen sich auf eine größere Baustelle in der Dattelner Innenstadt einstellen. Denn in Kürze beginnt der Abriss der Buchhandlung Deilmann am Roten Platz.
Einige Reiseführer sind noch übrig geblieben. Annette Lamprecht steht in ihrer geräumten ehemaligen Buchhandlung Deilmann. In Kürze erfolgt der Abriss. © Martin Pyplatz

Das bestätigen die Eigentümer der Immobilie, Annette und Harald Lamprecht, auf Anfrage unserer Redaktion. Die Straßenlaternen vor dem Geschäft an der Heibeckstraße sind bereits abgebaut worden. Vor hier aus soll der Abriss des Hauses erfolgen.

Am 31. März hat die Buchhandlung geschlossen

Annette Lamprecht hatte die beliebte Buchhandlung am 31. März geschlossen. Grund dafür war aber nicht Corona oder die immer stärker werdende Online-Konkurrenz. „Mit 66 Jahren fängt das Leben an“, sagte die Unternehmerin augenzwinkernd. Sprich: Es geht in den Ruhestand. Der Einkaufsstandort hat damit ein weiteres unternehmergeführtes Fachgeschäft verloren, was viele Kunden sehr bedauern.

Ladenpassage mit 500 Quadratmetern entsteht

Aber es soll dort neben neuem Wohnraum auch wieder Einzelhandel angesiedelt werden, so der Wunsch der Lamprechts. Der Plan sieht vor, eine Ladenpassage mit mehreren kleinen Geschäften zu etablieren. Der hintere Teil der früheren Buchhandlung – ca. 70 Quadratmeter – bleibt bestehen. Annette Lamprecht könnte sich vorstellen, hier eine kleine Gastronomie unterzubringen, die dann auch den heute noch geschotterten Bereich zur Heibeckstraße als Außengastronomie nutzen könnte. In den übrigen Ladenlokalen (zusammen rund 500 Quadratmeter Fläche) wird sich Familie Lamprecht nach eigenen Angaben bemühen, Geschäfte anzusiedeln, die in Datteln noch fehlen. Annette Lamprecht könnte sich zum Beispiel einen Teeladen vorstellen. Am Herzen liegt ihr verständlicherweise als Buchhändlerin auch, wieder eine kleine Buchhandlung unterzubringen. „Es soll auf jeden Fall etwas Interessantes für Datteln sein“, sagt sie.

Wie Harald Lamprecht erklärt, werden jetzt die Versorger die Gas- und Stromleitungen für das Haus kappen. Das Abrissunternehmen Prümer stehe Gewehr bei Fuß. Lamprecht hält es für gut möglich, dass in 14 Tagen mit den Arbeiten begonnen werden kann. Die Baustelle wird nach seinen Angaben sehr gut abgesichert und eingezäunt sein, um möglichem Vandalismus vorzubeugen.

Das Gebäude mit dem rund 150 bis 200 Jahre alten, angrenzenden Fachwerkhaus an der Ecke Hohe Straße/Heibeckstraße wird von der Rückseite her abgetragen. Familie Lamprecht musste im Vorfeld für den Abriss ein Gutachten erstellen lassen, welche Bestandteile und Materialien sich im Haus befinden. Diese werden dann vor Ort für die Entsorgung sortiert.

Der Abriss erfolgt in zwei Abschnitten. Zunächst wird das Gebäude ebenerdig beseitigt. „Dann muss geprüft werden, ob und welche Sicherungsmaßnahmen zur Absicherung des Nachbargebäudes erforderlich sind“, erklärt der Bauherr. Dann geht es sprichwörtlich in die Tiefe. Denn das neue Wohn- und Geschäftshaus bekommt eine Tiefgarage.

Rund 1,5 Mio. Euro werden investiert

Der Neubau wird viergeschossig errichtet. Während im Erdgeschoss Ladenlokale für Einzelhandel errichtet werden, entstehen in den beiden ersten Obergeschossen neue Mietwohnungen, obendrauf entsteht ein 120 Quadratmeter großes Penthaus. Dort wollen Annette und Harald Lamprecht auch selber einziehen. Insgesamt werden sieben Mietwohnungen entstehen. Alle sind nach Angaben von Harald Lamprecht barrierefrei, entsprechend wird es auch einen Fahrstuhl geben. Die Wohnungen sind um die 80 Quadratmeter groß. Welchen Quadratmeterpreis die Lamprechts aufrufen, steht noch nicht fest. Aber man wolle sich dabei an den ortsüblichen Mieten in Datteln orientieren.

Die Abrissarbeiten sollen rund sieben Wochen dauern, der eigentliche Baustart ist für Herbst vorgesehen. Mit der Fertigstellung rechnet Familie Lamprecht Ende 2022, Anfang 2023. Insgesamt werden in den Neubau des Wohn- und Geschäftshauses laut Harald Lamprecht rund 1,5 Mio. Euro investiert.

Eine lange Tradition

Die Buchhandlung Deilmann kann auf eine lange Tradition in Datteln zurückblicken. 1914 startete Opa Josef Deilmann mit sogenannten Feldpostschachteln, Boxen, die an die Soldaten an der Front geschickt wurden. Bald danach wechselten er und Ehefrau Elisabeth an den jetzigen Standort und erweiterten das Angebot um Zigarren, Zeitschriften, Bücher, Geschenkartikel und Schmuck. Später stieg die zweite Generation, Aloysia und Alfons Deilmann, mit dem Schwerpunkt Buchbinden ein. Vor 26 Jahren übernahm Annette Lamprecht offiziell die Geschäftsleitung.

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