„Ebbe“ am Haus Vogelsang

„Extrem spannend“ – Ökologen beobachten ausgetrocknete Fischteiche in Datteln

Hohe Temperaturen und die lang anhaltende Trockenheit hinterlassen Spuren, die allgegenwärtig sind. Auch die Fischteiche am Haus Vogelsang in Datteln führen derzeit kaum Wasser. Viele Anwohner sind besorgt.
Geoökologe Tobias Kraft (r.) und Diplom-Landschaftsökologe Niels Ribbrock stehen am Rand von Fischteichen und halten Ferngläser in ihren Händen.
Der niedrige Wasserstand in den Fischteichen am Haus Vogelsang in Datteln-Ahsen bereitet viele Anwohnern Sorgen. Geoökologe Tobias Kraft (r.) und Diplom-Landschaftsökologe Niels Ribbrock geben Entwarnung. © Meike Holz

Es vergeht aktuell kein Tag, an dem nicht über niedrige Pegelstände an Seen und Flüssen berichtet wird. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Schifffahrt, sondern auch auf Flora und Fauna. Auch an stehenden Gewässern in Datteln sind Folgen der Hitze und ausbleibender Niederschläge unübersehbar.

Der Wasserstand der beiden Fischteiche am Haus Vogelsang in Ahsen ist in den vergangenen Wochen beträchtlich gesunken, weshalb Geoökologe Tobias Kraft und seine Kollegen bereits einige Anrufe besorgter Anwohner erhalten haben.

Wer aktuell am ehemaligen Adelssitz südlich der Lippe spazieren geht oder dort entlang radelt, dem fällt sicherlich die Pflanzenvielfalt sofort ins Auge. Zwischen Sträuchern am Wegesrand ist eine Blumenwiese mit violett blühenden Pflanzen

zu erkennen. Doch der Schein trügt. Die Blumenwiese – „das ist eigentlich einer der beiden Teiche“, klärt Kraft auf. „Er ist schon seit längerer Zeit ausgetrocknet.“ Wenige Meter weiter, hinter dem Damm, liegt der zweite Teich, der noch etwas Wasser führt.

Blick auf eine Blumenwiese mit violett blühenden Pflanzen.
Durch die Büsche am Wegesrand scheint man einen Blick auf eine Blumenwiese erhaschen können. Tatsächlich handelt es sich um einen ausgetrockneten Teich. © Meike Holz

„Die Teiche sind kein natürliches Gewässer“, sagt der Geoökologe. Da sie auch keinen natürlichen Zulauf haben, „müssen wir aktiv handeln“, führt Kraft fort. Und das machen die Mitarbeiter der dort beheimateten Landschaftsagentur. Der Dattelner Mühlenbach wird etwas aufgestaut, um dem Teich Wasser zuführen zu können.

Im Winter werden die Teiche wieder aufgefüllt

Das allerdings nicht in dieser Jahreszeit. „Wir starten damit im Winter, damit wir im Sommer einen Puffer haben“, berichtet der Geoökologe. „Das gelingt mal mehr, mal weniger.“ Je nachdem, wie viel Regen in der wärmeren Jahreszeit falle. Zumal Tobias Kraft und seine Kollegen auch den Wasserpegel in der Gräfte rund um das Haus Vogelsang im Blick haben müssen.

Blick auf einen fast ausgetrockneten Fischteich mit  sieben Graureihern, die im Morast stehen.
Spaziergänger können aktuell einige Graureiher an den Fischteichen beobachten. © Meike Holz

Da die Teiche schon einige Male Niedrigwasser hatten, „ist der Fischbestand nicht der Rede wert“, sagt Niels Ribbrock, stellvertretender Geschäftsführer der Biologischen Station im Kreis Recklinghausen. Zumal das Gewässer ohnehin flach und über die Jahre hinweg verschlammt sei, ergänzt Kraft. Verschiedene Möglichkeiten, das zu ändern, mussten verworfen werden. „Die Optionen sind an Auflagen gescheitert“, so Kraft weiter.

Den schlammigen Uferbereich beobachte er aktuell sehr genau. „Für mich als Ornithologe ist das sehr spannend“, sagt Kraft. Neben einigen Graureihern, Bachstelzen oder Enten nimmt er Limikolen mit einem Fernglas ins Visier. Letztgenannte Watvögel machen derzeit in Datteln Halt auf dem Weg in ihr Winterquartier im Süden.

Natürliche Dynamik am Gewässer

Auch dem Schilfbestand kommt das Niedrigwasser zugute, da er sich am Ufer ausbreiten kann, erklärt Ribbrock. „Es ist kein Schönreden, dass wir zurechtkommen. Dynamik gehört zu jedem Gewässerlebensraum dazu“, so der Diplom-Landschaftsökologe weiter. Zumal Mitte August Vögel nicht mehr brüten und auch die Laichzeit der heimischen Amphibien vorbei sei.

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