„Woche des Hörens“

Hörprobleme bei Kindern: „Eine besondere Herausforderung“

Bei vielen Kindern ist Hörakustiker Fereydoon Nasserani (62) nur noch als „Herr Goldohr“ bekannt. Für die Entwicklung im jungen Alter ist einwandfreies Hören dabei besonders wichtig.
Lisa Lucke (li./32) unterstützt seit knapp einem Jahr das Team von "Goldohr". An Ruhestand denken Fereydoon Nasserani und seine Frau Mozhgan noch lange nicht. © Hollenhorst

Im Jahr 2018, im Alter von 59 Jahren, hatte sich der gebürtig aus dem Iran stammende Fereydoon Nasserani mit seinem Hörakustik-Zentrum an der Hohen Straße selbstständig gemacht. Auf den prägnanten Namen „Goldohr“ kam er während eines Urlaubs in Griechenland. Besonders bei den Kindern kommt dieser gut an. Seit seiner Eröffnung legt Nasserani viel Wert darauf, über das Gehör und das Hören zu informieren. So veranstaltete er in einem größeren Raum, den er in seinem Ladenlokal extra für solche Gelegenheiten eingerichtet hat, mehrere Workshops und lud zu Vorträgen ein. In Corona-Zeiten war das nicht möglich und auch aktuell verzichtet er weiterhin auf das Angebot. Denn aufgrund der geltenden Auflagen könnte er nur wenige Gäste empfangen. Sonst hätte es wohl bestimmt eine Aktion im Rahmen der „Woche des Hörens“, die von der Fördergemeinschaft „Gutes Hören“ ausgerufen wurde und vom 20. bis 25. September läuft, gegeben.

Der Hör-Sinn ist der differenzierteste menschliche Sinn, schon vor der Geburt ist dieser so ausgebildet, dass ein Embryo Stimmen wahrnehmen kann. Im weiteren Verlauf legt das Hören die Grundlage für eine spätere Kommunikation. Aber auch Hören will gelernt werden. Und hier lassen sich schon früh bestimmte Schwächen feststellen. So sollten fünf oder sechs Monate alte Kinder zum Beispiel in der Lage sein, Geräusche lokalisieren zu können und ihren Kopf in die dementsprechende Richtung zu bewegen. Die Gehör-Funktionen werden bei den üblichen Untersuchungen beim Arzt getestet. Falls dort aber Auffälligkeiten entstehen, geht es meist zu weiteren audiologischen Untersuchungen bei einem Ohrenarzt oder eben zu einem Hörgeräteakustiker wie Fereydoon Nasserani.

800 Kunden in drei Jahren – und kein Ende in Sicht

Mit Audiologie kennt sich der 62-Jährige bestens aus. Er hat erfolgreich ein Studium im Iran in diesem Fachbereich absolviert, was ihm in Deutschland aber nicht anerkannt wurde. Also war er unter anderem an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik, aber auch an anderen Krankenhäusern, angestellt, ehe er 2018 den Entschluss zur Selbstständigkeit fasste. Dieses Unterfangen in einer anderen Stadt als Datteln anzugehen, stand derweil nicht zur Debatte. Denn hier ist Familie Nasserani seit 1997 Zuhause.

Und seit 2018 hat Nasserani bereits 800 Menschen aus der Umgebung erfolgreich bei ihrer Hörgeräte-Suche sowie weiteren Problemlösungen rund ums Hören beraten. 40 Prozent davon seien Stammkunden, sagt er. Besonders wichtig war es dem Hörgeräteakustiker auch gleichzeitig Kinder-Hörzentrum zu sein. Denn immer öfter würden frühzeitig Hörprobleme festgestellt werden, die es zu beheben gilt, weil sonst Auswirkungen auf die Entwicklung entstehen können. „Das ist aber auch eine besondere Herausforderung“, sagt Nasserani, „Kinder haben nur fünf bis zehn Minuten Konzentration und müssen sich wohlfühlen, damit ein valides Ergebnis herauskommt.“ Und deswegen gibt es im Hörakustikzentrum eine Kinder-Ecke sowie eine Schatzkiste und vor allem große Räume, die nicht erdrückend wirken und wo Eltern und Kinder gemeinsam Platz finden.

Neue Unterstützung in Corona-Zeiten

Bei den Kindern komme das gut an, sagt Nasserani. Aufgrund des Namens seines Unternehmens ist er bei den Kindern nur noch als „Herr Goldohr“ bekannt. Und das nimmt schon mal einen großen Teil der Ängste. Hinzu kommt, dass seine Frau Mozhgan Nasserani einen besonderen Bezug zu Eltern und jungen Kindern hat: Sie hat zuvor als Hebamme gearbeitet und kommt am Empfang schnell mit ihren jungen Kunden und den Eltern ins Gespräch.

Von der Corona-Pandemie blieb „Goldohr“ weitestgehend verschont. Mit telefonischer Beratung, Hausbesuchen und Terminen konnten die Dienstleistungen trotz Geschäftsschließung weiter angeboten werden. Und es läuft im dritten Jahr so gut, dass mit Lisa Lucke (32) eine weitere Fachkraft eingestellt werden konnte, um den Andrang an Kunden zu bewältigen.

Die enge Zusammenarbeit mit den Kliniken, die ihre Patienten an einen Hörgeräteakustiker weiterleiten, sei besonders wichtig in dem Beruf. Hier können schon erste Informationen ausgetauscht werden. Vor Ort arbeitetet Nasserani bei Kindern dann gerne mit einer Trommel, einem Xylofon oder auch Geräuschen in verschiedenen Lautstärken, die über den Computer abgespielt werden. „Von 40 Jahren in dem Beruf arbeite ich seit 25 Jahren mit Kindern“, sagt er. Mittlerweile könne er vom Verhalten beim Eintritt in sein Geschäft schon auf die wirksamste Behandlung schließen – auch wenn es um die Beratung der Eltern gehe, wenn diese zum Beispiel zunächst skeptisch sind.

Geistesblitz im Urlaub: „Goldohr“-Idee kommt beim Blick aufs Meer

Über seinen Ruhestand macht sich Fereydoon Nasserani aktuell noch keine Gedanken. Zehn Jahre will er auf jeden Fall noch weiter machen, sagt er. Sein Goldohr-Logo hat er sich übrigens patentieren lassen. Darauf gekommen ist er, als er im Urlaub auf das Meer geblickt hat, während ein Boot eine Wellte in Form eines Ohres im Wasser entstehen ließ. Gepaart mit der Sonneneinstrahlung funkelte diese Welle dann in leicht goldener Farbe. Seitdem wird er auch in der Hörakustiker-Szene immer wieder auf seine kreative Namensidee angesprochen.

Fortschritt der Hörgeräte-Technik

Mit dem Fortschritt der Technik ist es heutzutage möglich, ein Hörgerät zu finden, dass die Bedürfnisse des Trägers abdeckt. Bei älteren Menschen sei das oft im Bereich des Fernsehens. Hier kann die Audioausgabe mittlerweile direkt auf das Hörgerät übertragen werden, um weiterhin bei Zimmerlautstärke vor dem Bildschirm zu sitzen und gleichzeitig andere Geräusche wahrzunehmen. Hörgeräte können via Bluetooth mit den verschiedensten Geräten gekoppelt werden, um sie einwandfrei zu nutzen. Sogar einen integrierten Sturzmelder gibt es bei einigen Geräten. Wenn es einen Sturz registriert und daraufhin 15 Minuten keine Bewegung feststellt, werden automatisch vom Benutzer hinterlegte Notfallnummern angerufen.

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