Einkaufsstandort Datteln

Mit 500.000 Euro den Leerstand reduzieren

Die Stadt Datteln will unter die Ladenvermieter gehen, um die Zahl der Leerstände in der Innenstadt zu verringern. Dabei soll ein Förderprogramm des Landes helfen.
18 Leerstände gibt es aktuell in der Dattelner Innenstadt. Dazu gehört auch die ehemalige Parfümerie Pieper. Hier ist eine Outlet-Verkaufsfläche für Dattelner Händler geplant. © Martin Pyplatz

Das Bauministerium in Düsseldorf hat ein Sofortprogramm zur Stärkung der Innenstädte und Zentren aufgelegt. Die Landesregierung stellt 70 Mio. Euro zur Verfügung, um von Leerstand und Schließungen im Handel und Gastronomie betroffene Städte unterstützen zu können. Ein Baustein ist der sogenannte „Verfügungsfonds Anmietung“. Und diesen Baustein will die Wirtschaftsförderung und das Quartiersmanagement nutzen.

Datteln steuert 50.000 Euro bei

Über einen Zeitraum von drei Jahren hat die Wirtschaftsförderung eine Fördersumme von knapp 440.000 Euro beantragt. Hinzu kommen Eigenmittel in Höhe von rund 50.000 Euro. Mit diesem Geld will die Stadt leer stehende Ladenlokale anmieten. Die Miete darf maximal 70 Prozent der Altmiete betragen. Die Stadt vermietet dann die Geschäfte an Interessierte weiter und kann die Altmiete um 80 Prozent reduzieren, um die Anmietung für Geschäftsleute attraktiv zu machen. Die Ladenlokale dürfen maximal 300 Quadratmeter groß sein.

Aufenthaltsqualität und Verweildauer erhöhen

Die beiden aktuellen Aufgaben der beiden Traditionsgeschäfte Deilmann und Schemann zeigen, wie wichtig die Initiative der Wirtschaftsförderung ist. Derzeit zähl die Stadt 18 Leerstände im Innenstadtbereich. Davon sollen sechs bis sieben Leerstände nachhaltig entwickelt werden. „Ziel der Maßnahme ist es, die Attraktivität des Einkaufsstandortes zu erhöhen bzw. zu erhalten und die Aufenthaltsqualität und damit die Verweildauer in der Innenstadt zu erhöhen“, erklärt Wirtschaftsförderer Stefan Huxel im Gespräch mit unserer Redaktion.

Negativ-Trend abfangen

Zwar ist Datteln laut IHK mit einer Zentralitätskennziffer von 107 in der Region ein beliebter Einkaufsstandort für Gäste aus den Nachbarstädten. Durch die anhaltende Konkurrenz durch den Online-Handel und nicht zuletzt durch die Corona-Krise verzeichnen Händler aber sinkende Umsatzzahlen. „Diesen Negativ-Trend gilt es abzufangen“, sagt Stefan Huxel.

Er möchte mit dem Förderprogramm spezialisierte und möglichst von Inhabern oder karitativen Institutionen betriebene Ladenlokale öffnen, zum Beispiel Einzelhandels-Startups. Schwerpunkte sollen Nachhaltigkeit und Regionalität sein. Einige der Ideen:

Lieferservice mit E-Lastfahrrädern

1. Am Leerstand Castroper Straße 33 könnte eine karitative Institution (z.B. Awo oder Diakonie) ein Ladenlokal betreiben und bietet Menschen mit Handicap einen Weg zurück in den ersten Arbeitsmarkt. Angeboten werden dort Fahrräder und spezielle E-Lastfahrräder zum Verleihen sowie zunächst an den Markttagen ein Lieferservice mittels E-Lastfahrrädern. Darüber hinaus könnte eine Fahrradgarage betrieben werden, in der Servicedienstleistungen wie Kleinreparaturen oder Fahrradwäschen angeboten werden.

Regionale Produkte und Kochevents

2. Am Leerstand Castroper Straße 29 wäre ein Geschäft mit landwirtschaftlichen Produkten aus der Region denkbar. „Datteln verfügt über acht Unternehmen, die landwirtschaftliche Produkte in unterschiedlicher Form vertreiben. In dem Geschäft sollen auch Kochevents stattfinden, um den Erlebnischarakter hervorzuheben“, beschreibt Stefan Huxel. Neben den regulären Öffnungszeiten sollen Automaten die Bürger mit frischen, saisonalen Produkten versorgen. Huxel: „Erste vielversprechende Gespräche mit Interessenten haben bereits stattgefunden.“ Alternativ könnte dort auch ein Unverpackt-Laden entstehen. Letzteres ist ein klassisches Beispiel für einen Pop-up-Store.

Handcraft-Bierbrauer mit stilvoller Außengastronomie

3. An der Hohen Straße 46 könnte sich ein Handcraft-Bierbrauer ansiedeln, der an Sonnentagen vor dem Ladenlokal eine stilvolle Außengastronomie anbietet und die Brauware nicht nur ausschenkt, sondern auch in verschiedenen Gebinden verkauft. Als besonderes Erlebnis könnten auch Bierbrau-Kurse angeboten werden.

Outlet-Fläche für Dattelner Händler

4. In der ehemaligen Pieper-Filiale soll eine Outlet-Verkaufsfläche für Dattelner Händler entstehen. Stefan Huxel: „In der Corona-Krise haben die Bürger laut Medienberichten 1250 Euro weniger pro Kopf ausgegeben. Speziell Kleidung und Schuhe wurden zu Ladenhütern.“ Um den örtlichen Geschäften die Möglichkeit zu geben, das Lager für die neue Saisonware zu leeren, soll in dem Ladenlokal eine Verkaufsfläche entstehen, die entweder kooperativ von verschiedenen Händlern betrieben wird, oder die in festgelegten Zeiten mietbar ist. „Ein Schuhgeschäft zeigt sich interessiert und würde bei entsprechend günstigen Konditionen den Auftakt machen“, erläutert der Wirtschaftsförderer weiter.

Stefan Huxel rechnet in den Sommermonaten mit einer Entscheidung, ob Datteln einen Förderzuschlag bekommt. Neben den bereits vorliegenden Konzeptideen können sich interessierte Start-ups und Gründer mit ihren Konzepten an die Dattelner Wirtschaftsförderung wenden: wirtschaftsförderung@stadt-datteln.de.

ZUR sacheWochenmarkt soll aufgewertet werden

Neben der Beseitigung von Leerständen hat die Wirtschaftsförderung auch ein Konzept zur Aufwertung des Dattelner Wochenmarktes erarbeitet. Der Markt mit seinem breit aufgestellten Sortiment und Frischwarenangebot aus größtenteils regionalen Produkten ist ein wichtiger Faktor, dass Kunden aus den umliegenden Städten in der Innenstadt einkaufen. Allerdings ist nach Angaben des Ordnungsamtes insgesamt eine rückläufige Tendenz zu erkennen – sowohl seitens der Händler, als auch seitens der Kundschaft. Hauptgrund hierfür ist laut Ordnungsamt eine Überalterung des Publikums sowie eine rapide abnehmende Zahl der „Selbstkocher“. Ziel des neuen Konzeptes ist es daher, den Markt moderat zu vergrößern sowie um komplementäre Angebote zu erweitern und für ein jüngeres Publikum attraktiver zu gestalten. „Wir wollen die Aufenthaltsqualität und den Wohlfühlfaktor verbessern“, sagt Stefan Huxel. Folgende Maßnahmen sind geplant: Saisonale Angebote wie Gartenbedarf im Frühling, selbst gemachtes Eis im Sommer oder Eintopf- und Suppenständen im Herbst; Events zur Stärkung der vorhandenen Angebote, zum Beispiel mit Köchen aus der Region mit einer mobilen Küche unter Verwendung der auf dem Markt angebotenen Waren oder auch Kochkurse mit anschließendem gemeinsamen Mittagessen; kulturelles Rahmenprogramm wie Kleinkunst, Mitmachaktionen, Straßenmusiker; monatliche Kursangebote wie Garten-, Koch- und Nähkurse.

Gut 22.000 Euro an Fördermittel hat die Stadt dafür beantragt. Die mittel- und langfristige Finanzierung des neuen Konzeptes könnte über eine gemeinsame Umlage der Markthändler, der Werbegemeinschaft, der Wirtschaftsförderung sowie über Spenden gesichert werden.

Der Abend in Waltrop

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt