Wohnberatung

Wenn das Alter zum Problem wird

Im Alter möglichst lange in der eigenen Wohnung bleiben – den Wunsch haben viele. Aber Alter und Krankheit bereiten oft Probleme. Und dann kommt Peter Pagel ins Spiel.
Berät Menschen im ganzen Ostvest: Peter Pagel von der Wohnberatung der Lebenshilfe. © Uwe Wallkötter

Der 55-Jährige arbeitet bei der Wohnberatung der Lebenshilfe, die in solchen Fällen im gesamten Ostvest als Ansprechpartner zur Seite steht. Und es ist ein kostenloses Angebot, das sich an ältere Menschen, an Personen mit Pflegebedarf, Behinderung oder Demenz sowie an deren Angehörige richtet. Ziel der Arbeit ist es, eine selbstständige Lebensführung in der eigenen Wohnung zu ermöglichen und die Pflege zu erleichtern.

250 bis 300 Personen werden pro Jahr betreut

250 bis 300 Personen betreut die Wohnberatung der Lebenshilfe ostvestweit pro Jahr. „Die Zahl hat sich wegen Corona nicht wesentlich reduziert“, sagt Pagel. Zusammen mit den Betroffenen und den Angehörigen schaut er sich die Wohnsituation vor Ort an und bespricht Lösungsmöglichkeiten. Ein Klassiker bei der Beratung: Jemand kommt nach einer Krankheit als Pflegefall nach Hause und stellt fest, dass er dort nicht mehr zu Recht kommt. Die Treppe wird zum Hindernis, oder es ist ein Badumbau notwendig, zum Beispiel der Einbau einer bodentiefen Dusche, weil der bisherige Einstieg zur gefährlichen Stolperkante werden kann.

Pflegekasse gibt Zuschuss von 4000 Euro

Die Pflegekasse gibt in solchen Fällen einen einmaligen Zuschuss von 4000 Euro für sogenannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, informiert Peter Pagel. Dort hat man erkannt, dass der Umzug in ein Pflegeheim für die Pflegekasse wesentlich kostspieliger wird als ein einmaliger Zuschuss. „Der Pflegekasse kostet ein Aufenthalt im Pflegeheim monatlich 1000 bis 1500 Euro“, sagt Pagel.

Klar ist auch, dass ein aufwendiger Umbau des Bades für 4000 Euro nicht zu haben ist. „Wir suchen dann nach einer individuellen Lösung und ob es zum Beispiel Fördermittel gibt.“ Im Falle eines Umbaus vermittelt die Wohnberatung auch Kontakte zu einer Tages- oder Kurzzeitpflege. „Viele empfinden den Baustellenlärm und -dreck als zu belastend.“

Natürlich ist auch ein Umzug in eine barrierefreie Wohnung eine Möglichkeit. Aber davon gebe es laut Pagel nicht sehr viele. Und neue, barrierefreie Wohnungen sind auch nicht für jeden bezahlbar. Gelegentlich kann Peter Pagel auch einen Vermieter davon überzeugen, in Barrierefreiheit zu investieren. „Das ist ja keine Investition für den Mieter, sondern Geld, was in die Verbesserung der Immobilie gesteckt wird. Aber die Bereitschaft bei den Vermietern ist nicht sehr ausgeprägt.“

Der Wohnberater hat aber auch preiswertere Alternativen für jene, die sich einem teuren Umbau nicht leisten können. Es gebe eine Vielzahl von Hilfsmöglichkeiten, zum Beispiel einen Wannenlift.

Drei bis vier Vor-Ort-Besuche sind nach Angaben Pagels die Regel bei seiner Beratung. Aber es können auch deutlich mehr werden. Mit einem Rolli-Fahrer aus Waltrop habe es mehr als 50 Termine gegeben. Je aufwendiger die Maßnahme, desto mehr Gespräche. Dabei koordiniert Peter Pagel auch die Abläufe mit den Handwerkern.

Vorausschauende Planung kann preiswerter sein

Die Wohnberatung steht auch für Menschen als Ansprechpartner zur Verfügung, die neu bauen. „Eine vorausschauende Planung im Neubau ist preiswerter als eine spätere Anpassung“, weiß Pagel. Aber er hat die Erfahrung gemacht, dass sich Häuslebauer bei regionalen Baumessen, auf denen die Wohnberatung der Lebenshilfe vor Corona auch mit einem Infostand vertreten war, mehr für Fliesendesign und Duschtüren interessieren als für einen Blick auf das, was in 30 oder 40 Jahren akut werden könnte.

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