Shitstorm gegen „Fridays for Future“-Aktivistin Wieso regt ihr euch eigentlich so auf?

Eine „Fridays for Future“-Aktivistin hält ein Plakat mit einer brennenden Erde und der Aufschrift „Cool it“.
In ganz Deutschland protestieren „Fridays for Future“ für den Klimaschutz. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
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Dass der Ton bei Facebook auch mal rauer ist, dürfte mittlerweile jedem bekannt sein. Beleidigungen, Hass-Kommentare, Beschimpfungen und Falschinformationen sind in dem sozialen Netzwerk leider Alltag.

Trotzdem bin ich immer wieder fassungslos, bei welch harmlosen und unscheinbaren Themen die Leute auf einmal durchdrehen. Zoe Reining hat in einer Halterner Gruppe nur gefragt, ob es in der Seestadt eine „Fridays for Future“-Gruppe (FFF) gibt. Wenn nicht, wolle sie eventuell eine gründen.

Sie hat niemanden aufgefordert, mitzumachen, hat niemanden kritisiert, diffamiert, bevormundet oder bedrängt. Erst recht hat sie niemanden beleidigt oder beschimpft. Und trotzdem haben diese zwei Sätze auf Facebook einen heftigen Shitstorm ausgelöst.

Vorwürfe sind halt einfacher

Um die Sache ging es dabei nicht. Wer einer 24-Jährigen nahelegt, sich auf einem Bahngleis festzukleben, kann aber auch an einer sachlichen Diskussion nicht wirklich interessiert sein. (Übrigens: Die Festklebe-Aktionen kommen von der Gruppe „Die letzte Generation“, nicht von „Fridays for Future“.)

Natürlich ist es einfacher, den jungen Aktivisten zu raten, besser in die Schule zu gehen oder sich um wichtigere Probleme zu kümmern, als sich ernsthaft mit dem Thema Klimaschutz oder der Bewegung FFF auseinander zu setzen. Wenn man das tun würde, gäbe es durchaus kritische Nachfragen, die sich aufdrängen.

Warum erst jetzt? Warum gibt es in Haltern bislang keine FFF-Gruppe? Reicht es nicht, wenn die Aktivisten in die Nachbarstädte fahren? Welche Aktionen genau plant Zoe Reining? Auf welche Aspekte des Klimaschutzes will die Gruppe den Fokus legen? Was will sie bewirken?

Wertschätzung für alle Engagierten

Man muss nicht einer Meinung sein mit Klima-Aktivisten. Doch jeder sollte ihr Engagement anerkennen. Es ist gut, dass sich junge Menschen um das Thema Klimaschutz kümmern. Genauso gut ist es, dass sich Ehrenamtliche in Sachen Altersarmut engagieren, sich um vernachlässigte Kinder kümmern, todkranke Menschen auf dem letzten Weg begleiten oder im Verein die Jugendgruppen betreuen.

Jedes soziale Engagement hat Wertschätzung verdient. Denn ohne Menschen, die sich für eine Sache, die ihnen wichtig ist, einsetzen, hätten wir ein verdammt großes Problem.