Beitrag zur Klimaanpassung

Blumenwiese statt Schotter: 500 Euro für entsiegelte Steingärten

Man mag sie schön finden oder hässlich: Steingärten sind aus klimatechnischer Sicht eine Katastrophe. Die Stadt belohnt jetzt Bürger, die ihren Schottergarten zurück bauen.
Klimatechnisch eine Katastrophe ist dieser Steingarten in einer Neubausiedlung. © Andreas Kalthoff

Es soll ein Beitrag zur Klimaanpassung im Stadtgebiet sein: Wer seinen Steingarten entsiegelt und in einen blühenden, insektenfreundlichen und naturnahen Vorgarten verwandelt, hat Aussicht auf eine Prämie von 500 Euro. Die Fraktion der Grünen im Rat der Stadt hatte einen entsprechenden Antrag gestellt, der jetzt bei der ersten Debatte im Westerholter Bezirksausschuss des Rates von allen Fraktionen als Beitrag zur ökologischen Vielfalt und zur Klimaanpassung befürwortet wurde.

Naturnahe Vorgärten verbessern das Mikroklima und lindern Hitze

Insbesondere in stark versiegelten Bereichen können naturnahe Vorgärten das Mikroklima verbessern, der Entstehung von Hitzeinseln entgegenwirken und die Lebensbedingungen für Flora und Fauna verbessern. Gerade in Neubaugebieten, wo die Grundstücke eher klein sind, überwiegen versiegelte Flächen in Form von Einfahrten, Gehwegen, Straßen. Ein besonders abschreckendes Beispiel für Flächenversiegelung ist die noch gar nicht so alte Mühlenhof-Siedlung der Stadtwerke zwischen Schützen- und Hospitalstraße. Hier gibt es im Straßenbereich so gut wie kein Grün – von einigen Straßenbäumen mal abgesehen.

Grauer Schotter statt Gras und Blumen: Dieser Steingarten ist nicht gut für das Klima.
Grauer Schotter statt Gras und Blumen: Dieser Steingarten ist nicht gut für das Klima. © Andreas Kalthoff © Andreas Kalthoff

Die natürliche Bodenfunktion wiederherzustellen, hat übrigens auch positive Auswirkungen für das Grundwasser: Unter anderem wird durch die Versickerung und Regenrückhaltung der Kanal entlastet, die Hochwassergefahr gemindert und so die Grundwasserneubildung gefördert.

Stadt will mit Eigentümern ins Gespräch kommen

Das ist der Plan: Die Stadt Herten fördert in 2022 die Entsiegelung von zehn Schottergärten. Wer seine Steinwüste in eine blühende Grünfläche verwandelt, erhält einen Zuschuss von 500 Euro. Wer aber seinen Steingarten rechtswidrig angelegt hat – etwa in einer Neubausiedlung, wo grüne Vorgärten vorgeschrieben sind – erhält keine Förderung.

Ohnehin sei der Zuschuss zur Umgestaltung eher ein Mittel, um für die Entsiegelung zu werben. „Wir wollen mit den Leuten ins Gespräch kommen“, sagt Janine Feldmann. Die Stadträtin spricht von einem Glaubenskampf. Sie fürchtet: „Wer seinen Vorgarten so verunstaltet und das schön findet, ist wohl nicht zu überzeugen.“

Die insgesamt 5.000 Euro muss die Stadt selbst berappen. Eine Förderung über das Sofortprogramm „Klimaresilienz in Kommunen“ im Rahmen der Corona-Hilfe des Landes NRW ist nicht möglich, da die Stadt dort bereits einen Förderantrag zur Entsiegelung der ehemaligen Rollschuhbahn am Paschenberg gestellt hat. Dort soll, wie berichtet, eine Hundewiese entstehen. Mit den beantragten 250.000 Euro ist die maximale Summe ausgeschöpft. Die Stadtverwaltung prüft weitere Fördermöglichkeiten. Auch ein Sponsoring wäre denkbar.

Das letzte Wort in dieser Angelegenheit hat der Rat der Stadt Herten. Er tagt am 29. September ab 17 Uhr in der Rosa-Parks-Schule.

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