Das sind die Risikogebiete in unserer Stadt

Hochwasserschutz in Herten: Ohne Eigeninitiative geht es nicht

Vor drei Wochen herrschte in Süd „Land unter“. Jetzt steht am Wochenende in NRW schon das nächste Unwetter bevor. Was sagen Stadt und Emschergenossenschaft zum Hochwasserrisiko in Herten?
Auf dieser Karte sind die Risikogebiete für Überschwemmungen in Herten blau markiert. Von Nord nach Süd sind dies: Backumer Bach (Disteln) sowie Resser Bach, Schellenbruchgraben und Emscher in Herten-Süd.
Auf dieser Karte sind die Risikogebiete für Überschwemmungen in Herten blau markiert. Von Nord nach Süd sind dies: Backumer Bach (Disteln) sowie Resser Bach, Schellenbruchgraben und Emscher in Herten-Süd. © Grafik: NRW-Umweltministerium

Die Bilder aus den Flutgebieten mit zerstörten Häusern und meterhoch mit Schlamm bedeckten Straßen lassen auch die Bürgerinnen und Bürger in Herten nicht los. So schlimm war es bei uns am 4. Juli zwar nicht. Wer aber in der Nähe des Resser Bachs wohnt, den treibt ab Samstag wohl erneut die Sorge ums eigene Haus oder die eigene Wohnung um. Denn es kündigt sich die nächste Gewitterfront an. Tief Dirk könnte Starkregen, Hagel und heftige Windböen bringen. Heißt es dann wieder „Land unter“ in Herten-Süd?

Erneute Überflutungsgefahr in Herten-Süd?

Wir erinnern uns: Vor nicht einmal drei Wochen sind die Anwohnerinnen und Anwohner am Danziger Ring und der Hohewardstraße regelrecht abgesoffen. Straßen waren überflutet, Gullydeckel sprangen unter dem Wasserdruck aus den Verankerungen, reihenweise liefen Keller voll und die Betroffenen mussten anschließend ihr Hab und Gut entsorgen.

Die Stadt Herten erklärt auf Nachfrage dieser Zeitung, dass ihr Kanalnetz vor Extremwetter – wie es statistisch alle 50 bis 100 Jahre nur einmal vorkommt – kapitulieren muss. Um die dabei anfallende Niederschlagsmenge zu verkraften, müssten die Kanäle um ein Vielfaches größer sein, was weder technisch noch wirtschaftlich umsetzbar sei. Der Abfluss des Oberflächenwassers fände bei solchen Wassermassen nicht mehr über die Kanäle, sondern überwiegend auf der Geländeoberfläche statt, so die Stadtverwaltung, die daraus die Schlussfolgerung zieht: „Ein überdimensionierter Kanal ist keine Garantie dafür, dass Überflutung nicht stattfindet.“

So sah es am Sonntag, 4. Juli, auf dem Danziger Ring aus. Die Kanäle waren den Wassermassen nicht gewachsen – eine überflutete Fahrbahn und vollgelaufene Keller waren die Folge.
So sah es am Sonntag, 4. Juli auf dem Danziger Ring aus. Die Kanäle waren den Wassermassen nicht gewachsen – eine überflutete Fahrbahn und vollgelaufene Keller waren die Folge. © Feuerwehr Herten © Feuerwehr Herten

Hochwasser-Risiken: Anwohner sollen selbst aktiv werden

Bürgerinnen und Bürger könnten aber selbst aktiv werden, um Risiken zu minimieren. Neben dem vorgeschriebenen Rückstauschutz im Kanal reichten dazu oftmals weitere einfache Maßnahmen aus.

Bereits im Jahr 2018 startete das Projekt „Prävention Starkregen“ der Stadt Herten mit der Beratung von Anwohnerinnen und Anwohnern. In einer Computersimulation wurde die Stadt-Oberfläche modelliert und mithilfe einer Software abgeschätzt, wo aufgrund der Geländesituation sehr viel Wasser fließen könnte, wenn starker Regen fällt. Kritische Bereiche wurden in Ortsbegehungen angeschaut und bewertet. Diese Erkenntnisse flossen in die Beratungen ein, um die Menschen bei der Prävention zu unterstützen.

Stadt Herten steht beratend zur Seite

Auch wenn letztendlich Starkregen-Ereignisse weder vorhersehbar noch zu verhindern seien, könne die Wirkung gemeinsam gemildert werden, meint die Stadt. Sie steht dafür mit diesen Angeboten beratend zur Seite:

  • Begehung des Grundstückes mit Risiko-Check für das Haus
  • Hinweis auf potenzielle Schwachstellen für Wassereintritte ins Gebäude
  • Hinweise zu möglichen Schutzmaßnahmen

Weil Extremwetterlagen nach Ansicht von Wetterexperten in Europa künftig häufiger zu erwarten sind, existiert außerdem eine Richtlinie der EU. Demnach müssen alle Mitgliedsstaaten ein Hochwasserrisiko-Management betreiben. In ganz NRW wurden deshalb Hochwassergefahren- und Risikokarten erarbeitet. Für jede Stadt gibt es eine Hochwasserrisiko- und Maßnahmenplanung.

Teile von Herten-Süd und Disteln besonders gefährdet

Danach gilt in Herten das „Emscher-System“ als Risikogewässer. Es beinhaltet Resser Bach, Schellenbruchgraben und Emscher in Süd sowie Backumer Bach in Disteln. Anwohner, die in unmittelbarer Nähe wohnen, müssen mit Überflutungen rechnen.

Am Ende der Aktion der Stadt Herten am Danziger Ring kam einiges an Sperrmüll zusammen.
Am Ende der Aktion der Stadt Herten am Danziger Ring kam einiges an Sperrmüll zusammen. © Stadt Herten © Stadt Herten

Immerhin: Neben Eigenschutz durch bauliche Maßnahmen könnte auch die Inbetriebnahme des neuen Pumpwerks der Emschergenossenschaft helfen, die Hochwassergefahr zu senken. An der Hohewardstraße bzw. am Danziger Ring solle der städtische Anteil am Großprojekt voraussichtlich zum Jahreswechsel abgeschlossen sein, erklärte die Stadt.

Hintergrund: Nach ähnlichen Starkregen-Ereignissen im Jahr 2010 und 2014 hatten Stadt und Emschergenossenschaft Maßnahmen am Resser Bach umgesetzt, welche Bestandteil des Emscherumbaus sind. Dazu zählt neben Schachtbauwerken für einen neuen Abwasserkanal auch der Neubau des Pumpwerks.

Pumpwerk lief bei Starkregen-Ereignis problemlos

Dessen offizielle Inbetriebnahme soll zwar erst zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden, zurzeit befindet sich das sogenannte „Pumpwerk Resser Bach B“ aber schon im Probebetrieb. Und seine Nenn-Leistung von 3000 Litern in der Sekunde (das entspricht 25 Badewannen) habe es beim Starkregen-Ereignis am 4. Juli – genau wie das alte „Pumpwerk Resser Bach A“ (Leistung 14.000 Liter/Sek. = 133 Badewannen) – ohne Störungen erledigt, berichtet die Emschergenossenschaft. Den Anwohnern, die trotzdem knietief in den Wassermassen standen, dürfte diese Erkenntnis freilich wenig helfen.

INFO:

– Karte zum Hochwasserrisiko in den Kommunen unter:
https://www.flussgebiete.nrw.de/node/5741

– Aktuelle Pegelstände der Flüsse und anderer Gewässer in NRW:

https://luadb.it.nrw.de/LUA/hygon/pegel.php?karte=nrw

– Informationen, wie sich Hausbesitzer vor Hochwasser schützen, hat das Institut für Unterirdische Infrastruktur (IKT) für die Stadt Herten auf einer Webseite veröffentlicht: https://herten.buergerinfo-abwasser.de

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