Müllsünder in Herten lieben idyllische Orte

Redakteurin
Auch an Glascontainern an wenig frequentierten Orten, hier die Katzenbuschstraße, finden Sebastian Bernhardt und seine Kollegen vom Zentralen Betriebshof oft wilden Müll.
Auch an Glascontainern an wenig frequentierten Orten, hier die Katzenbuschstraße, finden Sebastian Bernhardt und seine Kollegen vom Zentralen Betriebshof oft wilden Müll. © Meike Holz
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Ortstermin am Talweg. Auf den Feldwegen in der Bauerschaft kommen uns am Mittwochmorgen nur Spaziergänger mit Hunden entgegen. Bis sich plötzlich ein großer Haufen blauer Säcke in der Idylle am Wegesrand auftürmt. Der erste Einsatzort für Sebastian Bernhardt. Der Meister der Kreislauf- und Abfallwirtschaft steuert wilde Müllkippen im Hertener Stadtgebiet an.

Direkt am idyllischen Maisfeld auf dem Talweg wurden diese Säcke mit Baumaterial und alte Dämmwolle unerlaubt geparkt.
Direkt am idyllischen Maisfeld auf dem Talweg wurden diese Säcke mit Baumaterial und alte Dämmwolle unerlaubt geparkt. © Meike Holz © Meike Holz

Der wenig frequentierte Talweg gehört zu den beliebten Abladestellen. „Ein bis zweimal pro Woche gehen Meldungen für diesen Standort bei uns ein“, berichtet Gregor Born, Bereichsleiter Abfallwirtschaft am Zentralen Betriebshof (ZBH). Die Müllfrevler kommen in der Regel nachts oder am Wochenende. Statt ihren Abfall ordnungsgemäß zum Wertstoffhof zu bringen, riskieren sie eine Anzeige. In diesem Fall hat der unbekannte Täter ordentlich gespart. Für die zehn blauen Säcke mit Baumaterial hätte er beim Wertstoffhof 50 Euro Gebühren gezahlt. Die Dämmwolle wäre als Sondermüll allein mit rund 40 bis 50 Euro zu Buche geschlagen. Aber auch Kühlschränke, die kostenlos abgegeben werden können, finden die ZBH-Mitarbeiter regelmäßig auf ihren Touren.

Viele Meldungen gehen über die Herten-App ein

Der Pritschenwagen ist gut gefüllt, als unsere Tour de Müll weiter zur zweiten Station an der Blitzkuhlenstraße führt. Hier geht es fix: Zwei Abfallsäcke und ein alter Autositz wandern auf die Ladefläche.

Zwei bis fünf Meldungen über wilde Müllkippen bekommt die Stadt täglich. Viele Bürgerinnen und Bürger nutzen die Herten-App, geben die Standortdaten ein und fügen oft auch ein Foto bei. „Das ist praktisch, weil wir so auch Zwischenstände rückmelden können“, sagt Gregor Born. Aber auch per E-Mail oder Telefon wird die Stadt informiert. Das Prozedere sehe so aus, dass die Mitarbeiter vom Ordnungsamt zunächst vor Ort nach dem Verursacher fahnden. „Im Idealfall findet man Adressen oder Kontoauszüge im Müllhaufen, dann wird die Person direkt zur Beseitigung aufgefordert.“ Die Realität sehe leider anders aus.

An der Ecke Wilhelm-/Schützenstraße taucht regelmäßig Sperrmüll auf.
An der Ecke Wilhelm-/Schützenstraße taucht regelmäßig Sperrmüll auf. © Meike Holz © Meike Holz

Der wilde Müll wird meist abseits vom Trubel an Orten mit wenig sozialer Kontrolle abgeladen. „Und dann rücken wir aus“, so Born. Auch die Glascontainer an der Katzenbuschstraße in Herten-Süd gehören zu den neuralgischen Müllsünder-Punkten. Zu den blauen Säcken und Plastikeimern gesellen sich Essensreste. Die Fliegen kreisen. Vorsichtig arbeitet sich Sebastian Bernhardt vor, immer auf der Hut vor Ratten oder anderem Getier. Nach Station drei ist sein Pritschenwagen voll.

Wilder Sperrmüll steht eher an belebten Straßen

Wilder Sperrmüll steht eher an belebten Straßen. Davon können auch die Anwohner an der Wilhelmstraße ein Lied singen. „Hier wird alle fünf bis sechs Wochen Sperrmüll, auch Farbeimer oder Reifen, entsorgt“, schreibt HA-Leser Christian Kilimann. Der Müll stehe oft wochenlang herum und verteile sich auf der ganzen Straße. Das Ordnungsamt wisse seit zwei, drei Jahren um das Problem und bleibe untätig, wettert er. „Wir werden den Standort auf jeden Fall verschärft im Blick haben“, verspricht Dr. Oliver Lind, seit Mai neuer Dezernent für Ordnung in Herten, auf Nachfrage.

„Eine rechtliche Handhabe haben wir nur, wenn der Verursacher bekannt ist. Deshalb appellieren wir an Zeugen, wenn sie Müllfrevler auf frischer Tat ertappen, uns ein Kennzeichen oder sogar Namen zu melden. Erst dann können wir Anzeige erstatten“, erklärt Gregor Born. Dazu komme es jedoch selten. Vorausgesetzt es besteht keine Gefahr und in der Hoffnung auf einen Lerneffekt, weil „die Stadt nicht sofort springt“, werde der wilde Sperrmüll in der Regel erst zehn Tage nach der eingegangenen Meldung abgeholt.

Info: 300 Tonnen wilder Müll pro Jahr

Die wilden Müllkippen verursachen rund 200.000 Euro im Jahr an Personal- und Fahrzeugkosten bei der Stadt. Dazu kommen rund 40.000 Euro für die Entsorgung. Diese Kosten werden auf die Allgemeinheit verteilt, die Gebühren für die Restmüll-Behälter steigen. Insgesamt beziffert Gregor Born den wilden Müll mit rund 300 Tonnen pro Jahr. Tendenz steigend. Während der Verpackungsmüll zunehme, sinke die Hemmschwelle, den Müll unerlaubt wegzuschmeißen. Wer keine Herten-App benutzen möchte, kann Müllfrevel unter 02366/303101 beim „Telefon Saubere Stadt“ melden.