Hertener Schiedsmann Hartmut Spanka findet mit zerstrittenen Parteien eine Lösung

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Schiedsmann Hartmut Spanka sitzt an einem Tisch mit einem Laptop  und Aktenordner.
Hartmut Spanka ist seit neun Jahren Schiedsmann und im Hertener Bezirk Nord tätig. © Meike Holz
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Hartmut Spanka ist seit neun Jahren Schiedsmann im Hertener Bezirk Nord, der Bertlich, Ebbelich, Westerholt, Langenbochum und Transvaal umfasst. Genau 200 Mal ist der 66-Jährige seitdem in dieser Funktion aktiv geworden und nur in einigen wenigen Fällen endete die Schiedsverhandlung nicht mit einem Vergleich, sondern führte später zu einer Klage vor Gericht. Schlichten statt richten, wie der Leitspruch des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS) lautet.

In gut 70 Prozent seiner Fälle gehe es um ein Zerwürfnis unter Nachbarn, erzählt er. Streit am Gartenzaun und über den Gartenzaun. Hartmut Spanka gibt ein Bespiel, mit welchen Themen er sich befasst: Einmal wollte ein Anwohner seine Privatsphäre mit einem hohen Zaun schützen, was dem Nachbarn ein Dorn im Auge gewesen ist. „Der Gesetzgeber hat eine klare Vorgabe, ein Zaun darf 1,20 Meter hoch sein“, erklärt Spanka.

Lösung finden, mit der beide Seiten leben können

Schiedspersonen suchen nun mit den Partnern eine Lösung, mit der beide Seiten leben können. Im geschilderten Fall war es eine Hecke, die schöner anzusehen ist als eine triste Holzwand.

Symbolbild eines Nachbarschaftsstreites am Gartenzaun.
Mit einem Streit am Gartenzaun befassen sich Schiedspersonen in den meisten Fällen. © dpa

Als Schiedsmann sei es seine vorrangige Aufgabe, zuzuhören, erzählt der 66-Jährige. Dem Antragsteller und auch der Gegenseite. „Ich mache mich mit dem Thema vertraut.“ Hartmut Spanka holt weitere Informationen ein, die möglicherweise dabei helfen könnten, einen Kompromiss zu finden. Beim Tierschutzverein etwa, wenn der Streit um Hund oder Katze geht. „Häufig finden beide Parteien im Laufe des Gesprächs selbst zu seiner Lösung.“ Gut drei Stunden plant der Westerholter für eine Schiedsverhandlung ein, die derzeit wegen Corona nicht in seiner Wohnung, sondern in seinem Sitzungsraum im Rathaus stattfindet.

Wenn der Westerholter erzählt, welches Ehrenamt er ausübt, reagieren viele Menschen irritiert. Nicht selten wird er gefragt: „Warum tust du dir das an?“ Die Skepsis bezüglich seiner wichtigen Aufgabe kann er nicht verstehen. „Es hat etwas Erfüllendes“, sagt Spanka. „Es ist schön, dass man Leuten aus einer Situation geholfen hat, aus der sie allein nicht gefunden haben. Im Idealfall reichen sie sich wieder die Hand.“

Schiedsperson für Bezirk Herten Süd gesucht

Auch wenn Hartmut Spanka vor elf Jahren auf eigenen Wunsch in den Vorruhestand gegangen ist, wollte er nicht untätig bleiben „und irgendwas Vernünftiges machen“. Der Westerholter hörte sich um, fand zunächst aber nichts, was ihn interessierte. Bis er in der Zeitung las, dass die Stadt Herten Schiedspersonen sucht. So wie aktuell für den Bezirk Süd (siehe Info).

Schiedsmann Hartmut Spanka zeigt auf eine Tafel mit dem Schriftzug Schiedsamt an seinem Wohnhaus
„Schiedsamt“ steht am Wohnhaus von Hartmut Spanka in Westerholt. © Meike Holz

Spankas Neugier war durch den Artikel geweckt. Er bewarb sich und wurde zum Auswahlgespräch eingeladen. Der Rat der Stadt Herten wählte den heute 66-Jährigen aus, der dann durch das Amtsgericht Recklinghausen vereidigt wurde. Seit dem 1. September 2013 ist Hartmut Spanka nun offiziell Schiedsmann, das bezeugt eine Tafel mit dem Schriftzug „Schiedsamt“ an seinem Wohnhaus.

Wer diese ehrenamtliche Tätigkeit übernehmen möchte, werde nicht allein gelassen, versichert der Westerholter, der auch Geschäftsführer der Bezirksvereinigung Recklinghausen des BDS ist. Diese hat ein Patensystem entwickelt, sodass Einsteiger einen festen Ansprechpartner haben. Zumal neue Schiedspersonen nichts sofort ins kalte Wasser geworfen werden, sondern erst geschult werden. „Es ist kein Hexenwerk“, sagt Hartmut Spanka mit Blick auf die Formulare, die in einer Schiedsverhandlung ausgefüllt werden müssen.

Nicht nur die Arbeit als Schiedsmann stimmt den Westerholter zufrieden. Er hebt auch die gute Kameradschaft in der Schiedsmannschaft mit regelmäßigen Treffen hervor, die er nicht mehr missen möchte.