12. Kirchliches Filmfestival

Ein Appell, sein Verhalten zu verändern – „Now!“

Der Dokumentarfilm „Now!“ porträtiert junge Klima-Aktivisten der „Generation Greta“. Die Idee dazu hatte Claudia Rinke. Die Autorin kommt am kommenden Mittwoch zur Eröffnung des Kirchlichen Filmfestivals nach Marl.
Szene aus „Now!“. Mit dem Dokumentarfilm wird am kommenden Mittwoch das 12. Kirchliche Filmfestival in der Marler Pauluskirche eröffnet. Los geht es mit einem „Get together“ um 18.30 Uhr, anschließend ist der Film zu sehen. © w-film

Es ist noch nicht zu spät, sagt Claudia Rinke mit Blick auf den Klimawandel. „Wir können das Ruder noch herumreißen“, so die Autorin. Aber: Nur dann, wenn wir jetzt damit anfangen. Sofort. „Now!“ heißt denn auch der Dokumentarfilm, zu dem sie die Idee hatte. Die Hamburgerin schrieb auch das Buch dafür – und konnte den großen Fotografen Jim Rakete als Regisseur gewinnen.

Porträtiert werden junge Klima-Aktivisten der „Generation Greta“, aus Deutschland etwa Luisa Neubauer (Fridays for Future), Felix Finkbeiner (Plant for the Planet) oder Nike Mahlhaus (Ende Gelände). Außerdem kommen „Veteranen der ökologischen Bewegung“ wie Patti Smith (Punk-Legende) oder Wim Wenders (Autorenfilmer) zu Wort. „Sie versuchen zu erklären“, so Rinke, „warum viele der Gedanken, die es ja etwa bei den 68ern schon mal gab, dann doch nicht weiter verfolgt wurden.“

Claudia Rinke © Mel Bollag © Mel Bollag

Mit „Now!“ eröffnet der „Arbeitskreis Kirche & Kino“ des evangelischen Kirchenkreises und des katholischen Kreisdekanats am kommenden Mittwoch das 12. Kirchliche Filmfestival. Vom 29. September bis zum 3. Oktober werden in Recklinghausen und Marl insgesamt 15 „unbequeme“ Dokumentar- und Spielfilme zu sehen sein.

„In diesem Herbst beschäftigen sich viele Filme mit dem Klimawandel“, sagt der künstlerische Leiter des Festivals, Michael M. Kleinschmidt. „‚Now!‘ ist wohl derjenige, der den Zuschauer am eindringlichsten auffordert, sein Verhalten zu verändern und sich gegen die Zerstörung unserer Umwelt einzusetzen.“ Und deshalb sei diese Doku mit ihrem sehr politischen Anspruch auch hervorragend geeignet, das bundesweit einzige ökumenische Festival in der Marler Pauluskirche zu eröffnen: „Die Bewahrung der Schöpfung ist schließlich eine der Hauptaufgaben der Kirche bei ihrem Engagement in der Gesellschaft.“

Claudia Rinke wird zur Eröffnung kommen. Die Autorin („Kinder sprechen mit dem Dalai Lama: Wie wir eine bessere Welt erschaffen“, „Die Braut. Radikal verliebt“) gilt als „Grenzgängerin“. Als promovierte Juristin arbeitete sie für internationale Großkanzleien und die Vereinten Nationen. „Dabei ist mir klar geworden, wie groß die globalen Probleme sind, die auf die junge Generation zukommen.“ Auch aus dieser Erkenntnis heraus sei die Idee zu „Now!“ entstanden.

Jim Rakete konnte sie als Regisseur gewinnen

Den Starfotografen Jim Rakete sprach Rinke an, weil er aus ihrer Sicht „Jugendkultur Zeit seines Lebens begleitet und mitgeprägt hat“. Deshalb hatte sie die Intuition, er könnte der Richtige für die Regie sein: „Und das hat sich auch so bestätigt.“

Mit ihm verfolgte sie 2019 Klimademonstrationen in Berlin, begleitete die jungen Aktivisten aber auch bis vor das Weiße Haus in Washington oder zu den Vereinten Nationen in New York.

Mit dem Film wolle sie auffordern, sich für eine lebenswerte Zukunft zu engagieren, sagt Rinke. Das könne bedeuten, demonstrieren zu gehen, müsse es aber nicht. „Genauso gut ist es, sein persönliches Verhalten zu überdenken: das Auto häufiger stehen zu lassen, weniger Fleisch zu essen, keine Fast Fashion mehr zu kaufen und zu tragen.“ Viele hätten Angst vor Veränderungen. Rinke glaubt aber, dass diese sogar dazu führen könnten, sich besser zu fühlen.

Sie hat noch Hoffnung

Überhaupt ist sie überzeugt davon, dass die innere Einstellung entscheidend ist, um äußere Veränderungen zu erzielen.

Rinke hat noch Hoffnung, deshalb macht sie ja auch so einen Film. Sie setzt darauf, dass der Mensch kreativ und intelligent und sein Überlebenswille groß genug ist, um die entscheidenden Probleme jetzt anzugehen: die CO2-Emissionen zu reduzieren, weniger fossile Brennstoffe einzusetzen, überhaupt Energie einzusparen.

Gleichzeitig befürchtet sie aber, dass die Menschen unterschätzen, wie komplex die Zusammenhänge beim Klima sind, wie schnell sich Entwicklungen potenzieren – und verselbstständigen.

Machtungleichgewicht gegenüber den Älteren

Bei den Dreharbeiten sei sie zunächst fast überrascht gewesen, wie ruhig und friedlich die jungen Aktivisten auftreten, sagt Rinke. Aber angesichts des krassen Machtungleichgewichts gegenüber den Älteren sei es wohl einfach nur klug, auf Einvernehmen und Akzeptanz zu setzen.

Wie unterstützenswert die Festival-Besucher das Engagement der jungen Leute für ihre und unsere Zukunft finden, wird der Mittwoch zeigen. Der Film beginnt um 19.30 Uhr, anschließend steht die Diskussion auf dem Programm: „Ich freue mich darauf“, sagt Rinke. Und ergänzt mit Blick auf Corona: „Gut, dass so etwas wieder möglich ist.“

Infos zum 12. Kirchlichen Filmfestival, zu allen Filmen und Veranstaltungsorten sowie den Tickets unter: www.kirchliches-filmfestival.de

Daten und Fakten

Das Programm des 12. Kirchlichen Filmfestivals

  • Now!, Mi., 29.9., 19.30 Uhr, Pauluskirche, Marl
  • Woman, Do., 30.9., 16.30 Uhr, Pauluskirche, Marl
  • Je suis Karl, Do., 30.9., 19.30 Uhr, Pauluskirche, Marl
  • Ein bisschen bleiben wir noch, Fr., 1.10., 17 Uhr, Cineworld, RE
  • Vater – Otac, Fr., 1.10., 20 Uhr, Cineworld, RE
  • Kippa und Masel Tov Cocktail, Kurzfilme, Sa., 2.10, 14 Uhr, Cineworld, RE
  • Sommer-Rebellen, Sa., 2.10, 14.30 Uhr, Cineworld, RE
  • Die jungen Kadyas, Sa., 2.10., 17 Uhr, Cineworld, RE
  • Nowhere Special, Preisträgerfilm, Samstag, 2.10., 19.45 Uhr, Cineworld, RE
  • Die Falken, So., 3.10., 11 Uhr, Stadtbibliothek, RE
  • Mary Bauermeister und Drei Fotografinnen, So., 3.10., 12 bzw. 16 Uhr, Kunsthalle, RE
  • Gloria Mundi, So., 3.10., 14 Uhr, Cineworld, RE
  • Wanda, mein Wunder, So., 3.10., 17 Uhr, Cineworld, RE
  • Das neue Evangelium, So., 3.10., 20 Uhr, Cineworld, RE