Ausbildungsmarkt

Ein deutliches Plus bei den Ausbildungsverträgen

Aber bis zum Niveau aus der Vor-Corona-Zeit ist es noch ein weiter Weg, vermuten die Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer.
Fast zwei Drittel der Handwerksbetriebe konnten ihre angebotenen Lehrstellen nicht komplett besetzen. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist sowohl im Handwerk als auch in den IHK-Berufen im Vergleich zum Vorjahr deutlich angestiegen. Die Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen spricht von einer „leichten Erholung“ auf dem Ausbildungsmarkt, die Handwerkskammer Münster von einer „Stabilisierung“. Das Niveau aus der Vor-Corona-Zeit ist allerdings noch nicht wieder erreicht.

Beide Wirtschaftskammern sind auch für den Kreis Recklinghausen zuständig. Die IHK meldet für ihren Bezirk, der mit dem Regierungsbezirk Münster identisch ist, ein Plus gegenüber dem Vorjahr von fünf Prozent (Stand 1. August). Die Handwerkskammer, deren Bereich ebenfalls das Münsterland und die Emscher-Lippe-Region umfasst, verzeichnet sogar eine Zunahme bei den Ausbildungsverträgen um 13,1 Prozent.

Täglich werden weitere Verträge abgeschlossen

Diese Zahlen sind jedoch nur Momentaufnahmen, weil täglich weitere Verträge zwischen Arbeitgebern und Bewerbern abgeschlossen werden. Beide Kammern erwarten noch viel Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt. Ein Einstieg in die Ausbildung sei noch bis Ende des Jahres möglich, heißt es.

Für den Kreis Recklinghausen meldete die IHK zum Stichtag 1114 Ausbildungsverträge – 11,6 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Das Handwerk kommt bei 648 unterzeichneten Verträgen sogar auf ein Plus von 22,7 Prozent gegenüber 2020.

Betriebe finden keine geeigneten Bewerber

„Es wird wohl noch einige Zeit brauchen, bis wir das Vor-Corona-Niveau wieder erreicht haben“, erwartet Dr. Jochen Grütters, Standortleiter der IHK Emscher-Lippe. Es sei für Unternehmen nach wie vor schwierig, geeignete Bewerberinnen und Bewerber für ihre Ausbildungsplätze zu finden. „Den jungen Menschen, die im Sommer 2021 die Schulen verlassen haben, fehlt insbesondere die systematische Berufsorientierung.“

Nach einer Umfrage der Handwerkskammer Münster unter 452 Handwerksbetrieben im Juli konnten fast zwei Drittel (64 Prozent) ihre angebotenen Lehrstellen nicht komplett besetzen. 71 Prozent gaben an, sie hätten keine Bewerber gehabt.

Im Kreis Recklinghausen gibt es noch 1300 offene Stellen

Die Arbeitsagentur Recklinghausen hatte Ende Juli noch mehr als 1300 offene Ausbildungsplätze im Bestand. Rund 1400 Jugendliche befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch auf Ausbildungsplatzsuche.

Lesen Sie jetzt