Corona

Entspannte Klinik-Lage im Kreis RE ist mit Vorsicht zu genießen

Der Anstieg bei den Infektionen wirkt sich erst mit Zeitverzögerung auf die Krankenhaus-Einweisungen aus. Aber immerhin: Jetzt sind viele Menschen geimpft.
Fast jede vierte Infektion geht im Kreis Recklinghausen auf einen Reiserückkehrer zurück. © picture alliance/dpa

Die Corona-Lage in den Krankenhäusern wirkt im Moment recht entspannt. Die Zahl der Patienten, die wegen eines schweren Verlaufs von Covid-19 in den Kliniken im Kreis Recklinghausen behandelt werden, bewegt sich im August täglich um die zehn. Patienten auf der Intensivstation sind Einzelfälle. Ein Vergleich: Zu Jahresbeginn wurden mehr als 250 Menschen auf den Corona-Stationen der Krankenhäuser betreut, mehr als 30 befanden sich in intensivmedizinischer Behandlung.

Doch die aktuelle Situation ist nach Einschätzung der Kreisverwaltung mit Vorsicht zu genießen. Denn die Infektionszahlen sind im August gestiegen. Die Auswirkungen kämen in den Kliniken immer erst mit zweiwöchiger Verspätung an, gibt Kreis-Sprecherin Svenja Küchmeister zu bedenken.

Der Unterschied zum Jahresbeginn: Mittlerweile sind rund 58 Prozent der Menschen in NRW vollständig geimpft und damit vor schweren Krankheitsverläufen weitgehend geschützt. Bei den über 60-Jährigen liegt die Impfquote sogar bei 84,8 Prozent.

Senioren leben mittlerweile risikofreier

Dass die Senioren mittlerweile risikofreier leben, zeigt sich auch in der Sieben-Tage-Inzidenz. Der Wert liegt in der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen bei 3,5, bei den über 80-Jährigen bei 9,0. Zum Vergleich: Der vom Kreis Recklinghausen erhobene Inzidenzwert über alle Bevölkerungsgruppen rangierte am Donnerstag bei 33,4.

Die Treiber der Pandemie sind aktuell im Vest die Zehn- bis 19-Jährigen (Inzidenz 73,8) und junge Leute im Alter zwischen 20 und 29 Jahren (83,2).

Wenn die Infektion einen älteren, vor allem ungeimpften Menschen erwischt, sind die Konsequenzen jedoch erheblich. Denn von zehn Senioren über 80, die sich angesteckt haben, müssen neun stationär behandelt werden. In der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen sind es immerhin 67 Prozent. Diese Zahlen geben den Stand aus dem Juni wieder. Allerdings enden die Krankenhausaufenthalte nur noch selten mit dem Tode. Im August ist bislang nur ein Mensch im Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorben.

Zurzeit gibt im Kreis Recklinghausen bei den Inzidenzen wieder ein Süd-Nord-Gefälle. Gladbeck und Herten weisen die höchsten Werte auf, in Städten wie Haltern, Dorsten, Marl, Datteln und Waltrop ist die Zahl der Neuinfektionen in den zurückliegenden sieben Tagen eher moderat.

Reisende aus der Türkei bringen das Virus mit

Reiserückkehrer sind nach Angaben der Kreisverwaltung eine wesentliche Quelle des Ansteckungsgeschehens. Fast jede vierte Infektion im Kreis geht auf einen Reisenden zurück. 59 Prozent von ihnen bringen das Virus aus der Türkei mit, mit einigem Abstand folgen Spanien und Griechenland.

In Gladbeck und Herten, wo die Pandemie aktuell besondere Sorgen bereitet, gibt es – ebenso wie in allen anderen kreisangehörigen Städten – keine Hotspots, die für die ansteigenden Infektionszahlen verantwortlich gemacht werden können. Aus Gladbeck, wo am Donnerstag sechs neue Fälle gemeldet wurden, heißt es, die Infektionen seien über alle Stadtteile und Altersklassen verteilt. Hertens Bürgermeister Matthias Müller erklärt, die Zahlen seien nicht auf örtliche Hotspots oder Veranstaltungen zurückzuführen. In Herten wurden am Donnerstag sogar 13 Neuinfektionen registriert.

Das Gesundheitsamt des Kreises Recklinghausen hat die Beobachtung gemacht, dass sich zunehmend ganze Haushalte mit dem Virus anstecken. Und dabei handele es sich teilweise um Großfamilien, wie Kreis-Sprecherin Svenja Küchmeister berichtet.

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