Interview

Kevin Köhler: „Es ist für mich, wie in eine neue Show zu kommen“

Der „Starlight Express“ rollt wieder durch Bochum. Auf den Zug der Träume aufgesprungen ist ein alter Bekannter: Kevin Köhler, der schon einmal den Rusty gab.
Am 3. Oktober startet der Starlight Express wieder in Bochum. © Jens Hauer

Elf Jahre alt war Kevin Köhler, als ihn das Musical „Starlight Express“ mitten ins Herz traf. Fortan wollte der Recklinghäuser selbst auf den Brettern, die die Welt bedeuten, stehen – oder besser: skaten. Und er hat es geschafft. Als „Rusty“ lebte er seine Träume genauso, wie es die Dampflok im Stück macht. Rollen in „Der Glöckner von Notre Dame“, „Thrill me“ oder „Tarzan“ folgten ebenso, wie Auftritte etwa in der „Helene Fischer-Show“ oder auch das Schreiben und Produzieren eigener Song-Texte. Aber eben auch der Corona-Lockdown. Jetzt ist Kevin Köhler wieder in seine Recklinghäuser Heimat zurückgekehrt und spielt ab 3. Oktober in Bochum den Rusty, wenn auch als Cover, sowie den „Brexit“. Und er liebt den Perspektivwechsel.

Wie ist es so, nach anderthalb Jahren Shutdown wieder auf der Bühne vor Publikum stehen zu dürfen?

Das ist der Hammer, supertoll, ich kann gar nichts anderes sagen. A dream comes true. Vor allem nach dieser langen harten Zeit ohne Auftritte.

Wie haben Sie diese Zeit – beruflich und privat – überstanden?

Ich habe mit meiner Mutter ein altes Ferienhaus gekauft, das mein Urgroßvater gebaut hatte, und es komplett selbst renoviert, eigenhändig Wände verputzt und Baumärkte gestürmt, solange sie noch geöffnet waren. Auch beruflich war die Zeit neu für mich: Ich habe eigene Musik geschrieben und online Gesangsunterricht gegeben, um mich über Wasser zu halten. Ich war schon immer jemand, der Eigeninitiative besaß und habe es zum Glück ohne Corona-Hilfe allein geschafft.

Sie haben sich bereits vor dem ersten Lockdown entschieden, dem Tourenleben ein Ende zu setzen und nach Recklinghausen zurück zu kehren. Was war da los?

Ich war 13 Jahre lang ständig in einer anderen Stadt und wollte endlich einmal Zeit für mich haben, eigene Projekte machen, eine CD aufnehmen, Familie und Freunde wieder regelmäßig treffen. Und dann kam kurz vor Pandemie-Beginn die Anfrage von Starlight – wie gerufen. Erstens lebe ich ja immer noch in Recklinghausen, der „Starlight Express“ rollt durch Bochum, und zweitens habe ich den „Rusty“ vor fünf Jahren schon gespielt.

Für die Rolle muss man aber doch extrem fit sein – wie geht das, ohne in Lockdown-Zeiten proben zu können?

Ich bin ins Fitnessstudio gegangen, bis es schließen musste, habe Yoga und Krafttraining mit einer App auf dem Handy gemacht und bin gejoggt. Auch die Bauarbeiten am Ferienhaus waren ein gutes Training, das Steinplatten hin und her schleppen beim Terrasseverlegen zum Beispiel. Aber geskatet bin ich tatsächlich fünf Jahre lang nicht.

Aber Sie können es noch?

Naja, nach links drehen ging anfangs noch gar nicht, nach rechts war okay. Aber bei unserer Skate-School mit unserem Skate Coach bin ich immer wieder dazu gestoßen.

Und jetzt sind Sie topfit?

Jetzt bin ich topfit und roll die Rampe rückwärts runter.

Zum 30. Geburtstag wurde Starlight ja runderneuert. Wie ist das mit der Rolle des „Rusty“ – können Sie anknüpfen an die Zeit vor fünf Jahren oder hat sich etwas verändert?

Es ist für mich, wie in eine neue Show zu kommen, weil sehr viel aktualisiert wurde. Gleich am Anfang gibt es ein neues Duett, in dem „Pearl und Rusty“ sich kennenlernen – dieses Kennenlernen bekommt jetzt einen ganz anderen Bogen. Das ist sehr positiv.

Kevin Köhler spielt den „Brexit“ © SYSTEM © SYSTEM

Auch als „Brexit“ mit dem Ensemble Sachen zu machen, die ich früher nie mitgemacht habe, ist toll. Ich war damals nie im „Rolling Stock“, habe immer nur von hinten mitgesungen. Jetzt lerne ich eine neue Perspektive kennen.

Klar, „Rusty“ mit seiner Haltung, seine Träume zu verwirklichen, ist definitiv ein Vorbild. Aber wie steht es mit der Rolle des „Brexit“?

„Brexit“, das ist so ein bisschen englischer Landadel, ein ganz lustiger Charakter, der sich selbst aus dem Rennen nimmt. Das ist eine super Comedy-Rolle. Außerdem darf ich im Ensemble mal derjenige sein, der bei „Rusty“ zuhauen darf und nicht mehr derjenige, der jeden Abend verprügelt wird. Auch das ist mal ein guter Perspektivwechsel für mich.

Die Premiere steht unmittelbar bevor, wie fühlen Sie sich, und wie werden Sie von Ihrer Recklinghäuser Heimat getragen?

Ich habe seit dem Pandemie-Lockdown ein Patenkind und kann es gar nicht abwarten, ihm „Starlight Express“ nahe zu bringen.

Und danach? Gibt es schon weitere Zukunftspläne?

Davon kann ich in dem Sinne noch gar nicht sprechen, erstens, weil wir ja gerade erst wieder starten und zweitens, weil es nicht viele Shows gibt, die generell wieder geöffnet haben. Da ist „Starlight Express“ schon weit vorne und ich bin sehr dankbar dafür, zumal ich viele Kollegen kenne, die immer noch kein neues Engagement haben. Wenn ich zwischendurch Zeit habe, widme ich mich natürlich weiterhin auch eigenen Projekten…

… und leben nach einem bestimmten Motto?

„Have courage and be kind.“ Verfolge deine Ziele, ohne abzuheben und bleibe immer freundlich dabei.

Daten & Fakten

Tickets und Spieleregeln

  • Karten gibt es montags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr per Telefon unter 0211-73440.
  • Gemäß der aktuellen NRW-Corona-Schutzverordnung dürfen Gäste die Vorstellungen nur mit Nachweis einer vollständigen Impfung, Genesung oder negativem Corona-Test (3G-Regel) besuchen. Kinder bis zum Schuleintritt benötigen keinen Corona-Test. Schüler bis 16 Jahre gelten wegen der verbindlichen Schultestungen als getestete Personen. Bei älteren Schülern muss die Schule den Testnachweis bescheinigen. Zudem gilt beim Betreten des Theaters bis zum Sitzplatz Maskenpflicht.
  • Die Hygienestandards sind auf einem hohen Niveau. So gibt es im Servicebereich neben Plexiglaswänden zahlreiche Desinfektionsstationen und es geht nicht nur auf der Bühne rasant zu. Mindestens genauso schnell wird die Luft im Theatersaal dank einer leistungsfähigen Lüftungsanlage ausgetauscht. Frische Luft wird etwa direkt unter den Sitzen zugeführt und an der Decke des Saals abgesaugt, so dass Aerosole keine Chance haben, heißt es seitens der Musical-Verantwortlichen. „Wir haben die Spielpause genutzt, um das Theater gemäß den aktuellen vorgaben zu optimieren“, so Geschäftsführer Burkhard Koch.
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