Afrikanische Schweinepest

Müssen alle Schweine bald in den Stall?

Landwirte sind unzufrieden mit dem Krisen-Management in Brandenburg. Denn die Folgen könnten auch die Bauern im Kreis Recklinghausen treffen.
Schweine in Freilandhaltung: „Tierschutz und Tierseuchenrecht kommen sich hier leider in die Quere.“ © picture alliance/dpa

Nachdem die Afrikanische Schweinepest (ASP) jetzt in Brandenburg erstmals bei Hausschweinen nachgewiesen worden ist, sind die Landwirte im Kreis Recklinghausen alarmiert – und verärgert. „Ich mutmaße, dass da nicht alle Spielregeln eingehalten worden sind“, sagt Friedrich Steinmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Recklinghausen. Und er fordert eine Stallpflicht für alle Hausschweine, solange Brandenburg die ASP nicht im Griff habe. Der Politik in dem ostdeutschen Bundesland wirft Steinmann eine „nachlässige Haltung“ vor.

Stichwort

Afrikanische Schweinepest

  • Für den Menschen ist die Afrikanische Schweinepest nicht gefährlich. Selbst der Verzehr infizierten Schweinefleisches birgt kein gesundheitliches Risiko.
  • Für Haus- und Wildschweine ist der Erreger jedoch in den meisten Fällen tödlich.
  • ASP-Viren sind besonders robust und damit tückisch. Sie können in Schinken 60 Tage überleben, in gefrorenem Schweinefleisch sogar Jahre.
  • Einen Impfstoff gegen die ASP gibt es noch nicht.

Den Bauern im Vest kann nicht egal sein, was im fernen Brandenburg passiert. Dort ist das Virus der Afrikanischen Schweinepest in einen Bio-Betrieb mit 200 Tieren und in zwei Kleinstbestände eingedrungen. Wie es zu der Ansteckung kam, soll nun untersucht werden. Vermutlich war die Fütterung der Tiere unter freiem Himmel die Ursache.

Internationale Märkte reagieren sehr empfindlich

Schon als der Erreger bei Wildschweinen in Ostdeutschland nachgewiesen wurde, reagierten die internationalen Märkte sehr empfindlich. China, Südkorea und Japan zum Beispiel stoppten die Einfuhr von Schweinefleisch aus ganz Deutschland. Sollte die Tierseuche vermehrt bei Hausschweinen auftreten, rechnen Fachleute damit, dass sich weitere Staaten in Asien, Amerika und Afrika der Exportsperre für Schweinefleischerzeugnisse aus Deutschland anschließen. „Dabei ist die Marktsituation für Schweine haltende Betriebe auch heute schon äußerst schwierig“, erklärt Friedrich Steinmann.

Friedrich Steinmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Recklinghausen. © WLV © WLV

Auch im Kreis Recklinghausen stehen nicht alle Borstenviecher im Stall. Nach Angaben des Veterinäramtes des Kreises Recklinghausen gibt es etwa eine Handvoll gewerblicher Freilandhalter und rund zwei Dutzend private Halter, die einige wenige Tiere als Hobby besitzen.

Leute werfen Lebensmittelreste über die Zäune

„Freilandhaltungen müssen vom Kreis genehmigt werden“, sagt Kreisveterinärdirektor Dr. Markus Nieters. Auch gebe es klare Vorschriften. Eine davon ist die doppelte Einfriedung. Zwischen dem inneren und dem äußeren Zaun muss ein Abstand von 1,80 Meter liegen, sodass kein Wildschwein eine Chance hat, sich dem domestizierten Artgenossen zu nähern. Schilder weisen Außenstehende darauf hin, dass Betreten und Füttern verboten ist. Trotzdem, so Markus Nieters, kommt es vor, dass Leute Lebensmittelreste über die Zäune werfen. In der Freilandhaltung, sagt der Kreisveterinärdirektor, „kommen sich Tierschutz und Tierseuchenrecht leider in die Quere“.

Kreisveterinärdirektor Dr. Markus Nieters. © Michael Wallkötter © Michael Wallkötter

Dass ein infiziertes Wildschwein aus Brandenburg den Weg weit in den Westen schaffen könnte, ist ausgeschlossen. Es ist vielmehr der Mensch, der das Problem verursacht. Ein von einem Fernfahrer aus Osteuropa weggeworfenes Wurstbrot zum Beispiel könnte die Infektionskette in Gang setzen. Auch in der Nähe der Autobahnraststätte Hohe Mark an der A 43 bei Haltern gibt es, das dokumentieren Videos, reichlich Wildschweine.

Behörden bereiten sich auf den Tag X vor

In mehreren Übungen haben sich Behörden und Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk (THW) – auch Kreisgrenzen überschreitend – auf den Tag X vorbereitet. Trainiert wurde zum Beispiel die Bergung von Wildschwein-Kadavern in unwegsamem Gelände. „Wir sind vorbereitet und wissen genau, was getan werden muss“, versichert der Kreisveterinär.

Wird eines Tages tatsächlich im Vest bei einem toten Wildschwein das ASP-Virus nachgewiesen, wird rund um den Fundort eine Zone eingerichtet, die eingezäunt wird und durchaus 20 bis 30 Quadratkilometer groß sein kann. So soll verhindert werden, dass die infizierte Rotte weiterzieht und das Virus verbreitet. „Mittlerweile werden Suchhunde ausgebildet, die ganz gezielt nach Wildschwein-Kadavern suchen“, berichtet Markus Nieters.

Der Schock von 2006 sitzt noch tief

Wie Landwirte ihre Ställe vor dem ASP-Virus schützen

  • Das Risiko, dass das ASP-Virus auch auf Ställe mit Hausschweinen überspringt, hält das Veterinäramt des Kreises Recklinghausen für nicht sehr ausgeprägt. Im Vest gibt es mehr als 200 Schweine haltende Betriebe mit über 200.000 Tieren.
  • Die Landwirte haben in der Regel alle Vorkehrungen getroffen, um die eigenen Bestände vor der Afrikanischen Schweinepest zu schützen. Ein Wildschwein kommt dort nicht rein. Auch Mäuse und Ratten als potenzielle Überträger werden massiv bekämpft. Und Menschen, die den Stall betreten wollen, müssen eine Hygieneschleuse passieren.
  • Der Schock von 2006, als in Haltern-Lavesum die klassische Schweinepest ausgebrochen war, sitzt noch tief. Damals mussten Tausende von Tieren gekeult werden.
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