Arbeitsmarkt

NGG: 43 Prozent aller Neueinstellungen im Kreis RE haben „Verfallsdatum“

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kritisiert die hohe Zahl befristeter Jobs im Kreis Recklinghausen. Sie sieht darin eine „Karrierefalle“ gerade für Berufsstarter.
Eine Frau unterschreibt einen Arbeitsvertrag
Neue Arbeitsverträge sind nach Ansicht der NGG zu oft befristet. © picture alliance/dpa

Ein Großteil der Neueinstellungen im Kreis Recklinghausen hat ein Verfallsdatum: 5.365 von insgesamt 12.471 neu abgeschlossenen Arbeitsverträgen im Kreis waren im zweiten Quartal des vergangenen Jahres befristet. Das entspricht einer Quote von 43 Prozent, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt. Die NGG-Region Ruhrgebiet beruft sich hierbei auf eine aktuelle Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung.

„Wackelige Jobs“

„Befristete Stellen sind in der Lebensmittelbranche und im Gastgewerbe besonders verbreitet. Und das, obwohl Bäckereien, Metzgereien, Hotels und Restaurants dringend neues Personal suchen. Das gewinnt man aber nicht, indem man wackelige Jobs bietet. Beschäftigte suchen keine Arbeit mit Ablaufdatum, sondern eine langfristige Perspektive“, betont NGG-Geschäftsführer Martin Mura.

Nach Beobachtung der Gewerkschaft werden Befristungen häufig zur „Karrierefalle“ – gerade für Berufsstarter. „Die Betroffenen haben größere Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden oder einen Kredit zu bekommen. Manchmal muss wegen unklarer Job-Aussichten sogar der eigene Kinderwunsch hinten angestellt werden“, so Mura.

Gerade junge Beschäftigte sind betroffen

Jeder Arbeitsvertrag habe eine Probezeit. Diese reiche in der Regel, um sich ein Bild vom Beschäftigten zu machen. Trotzdem argumentierten Wirte oder Bäckermeister häufig damit, sie wollten „auf Nummer sicher gehen“, was die Eignung des Mitarbeiters angehe. „Dass es sich dabei um ein vorgeschobenes Argument handelt, liegt auf der Hand. Befristungen sorgen vielmehr dafür, dass bewährte Fachleute zu anderen Firmen wechseln“, so Mura.

Befristungen brächten für die Betroffenen gleich mehrere Nachteile, so der Gewerkschafter. Er verweist auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken. Danach arbeite fast ein Drittel aller befristet Beschäftigten in NRW zu Niedriglöhnen (31,8 Prozent) – unter allen Arbeitnehmern liege die Quote bei 21,2 Prozent. Für knapp 60 Prozent aller Befristungen gebe es laut Bundesregierung in NRW keinen „Sachgrund“ wie etwa eine Elternzeitvertretung oder eine Probezeit. Und junge Beschäftigte seien weit überdurchschnittlich oft auf Zeit angestellt.

Der Abend in Waltrop

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.