Kreisveterinäramt

Schon 50 Fälle von illegalem Welpenhandel in diesem Jahr

Die jungen Hunde kommen auf Ladeflächen von Lastwagen oder im Pkw-Kofferraum über die Grenze und befinden sich häufig in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Im Kreis RE wird das zunehmend zum Problem.
Auch diese Welpen stammen aus einem illegalen Transport. © picture alliance

Erst vor wenigen Tagen hat die Polizei in Marl fünf junge Mischlingshunde aus einem Lkw mit ausländischem Kennzeichen befreit. Die Tiere, die verletzt und sehr geschwächt waren, wurden beschlagnahmt und zu einem Tierarzt gebracht. Auch das Veterinäramt der Kreisverwaltung Recklinghausen wurde eingeschaltet. „Das war leider kein Einzelfall“, sagt Dr. Siegfried Gerwert, Leiter der Behörde. Mit illegalem Welpenhandel lasse sich offensichtlich sehr viel Geld verdienen.

Im Kreis Recklinghausen sind in diesem Jahr tatsächlich bereits knapp 50 Fälle aufgedeckt worden. Das sind in den gut acht Monaten deutlich mehr als 2020 und 2019, als im ganzen Jahr jeweils 32 Vorgänge aktenkundig wurden. Teilweise sind pro Fall bis zu fünf Tiere betroffen. Über die Dunkelziffer kann der Veterinär nur spekulieren. Siegfried Gerwert glaubt, dass sie sehr hoch ist und dass viele dieser jungen Hunde elendig zugrunde gehen. Die Entwicklung der Zahlen zeige, dass der illegale Handel mit diesen Tieren zunehmend zum Problem werde, meint der Amtstierarzt.

Welpen werden über soziale Medien vermarktet

Die Welpen kommen in der Regel aus dem Ausland, werden auf Lkw-Ladeflächen oder im Pkw-Kofferraum über die Grenze gebracht und in Deutschland vermarktet; sehr häufig über soziale Medien, vielfach aber auch über Mundpropaganda. Aufgerufen würden Preise bis zu 3000 Euro pro Tier, wie der Leiter des Veterinäramtes berichtet. Die Käufer erhielten dafür Welpen, die sich in einem gesundheitlich schlechten Zustand befänden, nicht geimpft und nicht entwurmt seien.

„Viele dieser jungen Hunde gehen elendig zugrunde“: Dr. Siegfried Gerwert, Leiter des Kreisveterinäramtes Recklinghausen. © Michael Wallkötter © Michael Wallkötter

Nicht immer wird der illegale Welpenhandel – wie in dem jüngsten Fall in Marl – schon auf dem Transportweg gestoppt. In vielen Fällen fallen die Machenschaften erst auf, wenn der neue Besitzer mit seinem kranken Hund beim Tierarzt vorstellig wird und in der Praxis festgestellt wird, dass das Tier überhaupt keine Tollwutimpfung hat. Dann wird auch das für Tierseuchenbekämpfung zuständige Kreisveterinäramt eingeschaltet. „Wir versuchen in solchen Fällen herauszufinden, woher das Tier kommt, und recherchieren, wie dort die Tollwutsituation ist“, erläutert Siegfried Gerwert. Bulgarien und Rumänien seien häufig die Herkunftsländer. Touristen bringen nach seinen Aussagen nicht selten aber auch aus Spanien, Portugal oder Italien als Urlaubsandenken einen Welpen mit nach Hause.

Hunde müssen einen implantierten Mikrochip tragen

Dass ein solches Handeln an strenge Bedingungen geknüpft ist, wissen viele von ihnen allerdings nicht. So benötigen die Tiere, die aus dem Ausland eingeführt werden, einen Heimtierausweis, müssen einen unter der Haut implantierten Mikrochip tragen, über den sie identifiziert werden können. Vor allem müssen sie gegen Tollwut geimpft und dürfen nicht jünger als 15 Wochen sein.

Die Anschaffung eines Hundes sollte grundsätzlich gut überlegt sein. Wer sich dazu entschließt, sollte sich unbedingt an einen vertrauenswürdigen Züchter wenden, rät Siegfried Gerwert. Es gebe im Internet genügend Veröffentlichungen darüber, wie man einen solchen erkennt. Während es illegalen Welpenhändlern vor allem um den finanzielle Gewinn gehe, habe der seriöse Züchter ein Interesse daran, dass seine Tiere in gute Hände kämen. Der Preis, den der Käufer dort zu entrichten hat, liegt nach Einschätzung von Dr. Gerwert eher unter den Forderungen, die ein illegaler Welpenhändler durchzusetzen versucht. Aber das Wichtigste sei, dass der Hundefreund ein gesundes Tier erhalte, an dem er noch viel Freude habe.

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