Geldanlage

Sparkasse Vest Recklinghausen verlangt Strafzinsen ab 60.000 Euro

„Verwahrentgelt“ wird zum 1. September eingeführt, aber nur fünf Prozent der 250.000 Privatkunden sind von der Neuregelung betroffen. Mit allen soll zunächst ein Beratungsgespräch geführt werden.
Die Sparkasse Vest ist das größte Geldinstitut im Kreis Recklinghausen. © Jörg Gutzeit

Die Sparkasse Vest Recklinghausen führt zum 1. September dieses Jahres auf Spar-Einlagen von Privatkunden Strafzinsen ein. Das sogenannte „Verwahrentgelt“ in Höhe von 0,5 Prozent entspricht dem Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Sparkasse räumt ihren Kunden allerdings einen Freibetrag von 60.000 Euro pro Person ein. Dabei, so das Geldinstitut, würden klassische Girokonten, Tagesgeldkonten und Sparkonten berücksichtigt. 10.000 Euro des Freibetrags seien für das Girokonto reserviert.

Allerdings sind nach Angaben von Sparkassen-Chef Dr. Michael Schulte weniger als fünf Prozent der 250.000 Kunden von der neuen Regelung betroffen. Mit jedem von ihnen solle ein persönliches Beratungsgespräch geführt und eine individuelle Vereinbarung getroffen werden. Dabei gehe es auch um mögliche Umschichtungen der Guthaben in Wertpapiere, Versicherungen oder Bausparverträge, um Minuszinsen zu vermeiden.

Für 10.000 werden pro Jahr 50 Euro Verwahrentgelt fällig

Für 10.000 Euro jenseits des Freibetrags würden pro Jahr 50 Euro Verwahrentgelt anfallen. Die Sparkasse bietet allerdings auch an, 50.000 Euro in einem Sparkassenbrief mit Null-Verzinsung (ohne Verwahrentgelt) zu parken. Dann liegt das Geld jedoch zunächst für fünf Jahre fest.

Kunden, die sich einer Vereinbarung verweigern, drohe erst einmal keine Kündigung der Geschäftsbeziehung, so Schulte. „Allerdings werden wir dann keine weiteren Einlagen mehr entgegennehmen.“

Auslöser für die Entscheidung, ein Verwahrentgelt zu erheben, ist der Spar-Eifer der Kunden. Hintergrund: Mit deren Einlagen finanziert das Geldinstitut sein Kreditgeschäft. Der daraus resultierende Zinsüberschuss ist das wichtigste Einnahme-Standbein der Sparkasse.

Im Corona-Jahr 2020 explodierte das Einlagen-Volumen

2019 war das Verhältnis für die Sparkasse noch akzeptabel: 199 Mio. Euro Spar-Einlagen standen 227 Mio. Euro an ausgegebenen Krediten gegenüber. Im Corona-Jahr 2020 explodierte das Einlagen-Volumen jedoch. Die Sparer legten insgesamt 507 Mio. Euro auf die hohe Kante. Das Kreditgeschäft hingegen wuchs lediglich moderat auf 232 Mio. Euro.

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Vest Recklinghausen, Dr. Michael Schulte, erläutert die Hintergründe für die Erhebung von Minuszinsen auf Guthaben von Privatkunden. © Sparkasse Vest © Sparkasse Vest

Für 2021 zeichne sich eine ähnliche Entwicklung ab, heißt es aus dem Vorstand. Um das viele Geld bei der Bundesbank zu parken, müsse die Sparkasse Vest in diesem Jahr – nach Abzug von Freibeträgen – selbst eine Millionen Euro Strafzinsen bezahlen. „Die Weitergabe der Negativzinsen an unsere Kunden ist nicht einmal kostendeckend“, betont Michael Schulte.

Auch Volksbanken in der Region erheben Minuszins

Die Sparkasse Vest hat bereits 2017 mit Firmenkunden Vereinbarungen zu Verwahrentgelten geschlossen. Laut dem Finanzportal Biallo erheben mittlerweile rund 470 Banken und Sparkassen, also etwa ein Drittel aller Institute, Strafzinsen. Anfangs wurden die Negativzinsen erst ab 100.000 Euro fällig, jetzt verlangt sie schon ein Drittel der Banken ab 25.000 Euro oder weniger. Die Sparkasse Vest liegt mit ihrer Regelung also im guten Mittelfeld.

Auch andere Geldinstitute in der Region erheben Negativzinsen: Die Vereinte Volksbank in Dorsten zum Beispiel laut Preisaushang seit Januar 2021 für Guthaben ab 100.000 Euro (bei Neukunden). Die Volksbank Ruhr-Mitte, die auch Filialen in Herten und Gladbeck unterhält, berechnet allen Kunden ab März einen Minuszins für Einlagen ab 125.000 Euro. Die Volksbank Dortmund mit Geschäftsstellen im Ostvest sowie in Castrop-Rauxel kündigte für 2021 ebenfalls Strafzinsen an.

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