Neubau

Von der Leitstelle bis zum Gewahrsam: ein neuer Bau für die Polizeiarbeit

Innenminister Herbert Reul und Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen weihen den Anbau am Recklinghäuser Präsidium ein. Der soll der Polizei die Arbeit erleichtern, aber auch „ein Gewinn für die Sicherheit der Menschen“ sein.
Schlüsselübergabe mit Innenminister Herbert Reul, Recklinghausens Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen und Markus Vieth, Leiter der Münsteraner Niederlassung des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW (v.l.). © Meike Holz

Die Jazz-Rock-Pop-Band des Landespolizeiorchesters NRW spielt im weißen Festzelt Johannes Oerdings Song von den guten Tagen. Und anschließend macht Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen deutlich, dass dieser Montag für die Kreispolizeibehörde Recklinghausen genau so ein guter Tag ist: Weil im Beisein von Innenminister Herbert Reul der moderne Anbau des Polizeipräsidiums am Westerholter Weg eingeweiht wird.

Auf einer Nutzfläche von 1000 Quadratmetern befinden sich dort jetzt unter anderem eine mit neuester Technik ausgestattete Leitstelle, ein neuer und moderner Führungs- und Lageraum zur Bewältigung von besonderen polizeilichen Einsatzlagen – und ein neues Gewahrsam. Für Zurhausen ist der Neubau so denn auch „ein Gewinn für die Kolleginnen und Kollegen und ein Gewinn für die Sicherheit der Menschen in unseren Städten“.

Drei Jahre Bauzeit

Der Neubau wurde innerhalb von drei Jahren errichtet. Eine besondere städtebauliche Herausforderung habe darin bestanden, so Markus Vieth, dass sich der Erweiterungsbau möglichst harmonisch an das denkmalgeschützte Polizeipräsidium anpassen sollte: „Jetzt steht er für sich, grenzt sich vom alten Gebäude aber trotzdem nicht wirklich ab“, so der Leiter der verantwortlichen Niederlassung Münster des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW.

Alt- und Neubau werden nun über einen zweigeschossigen, gläsernen Gang miteinander verbunden. Das findet Reul auch mit Blick auf die Symbolik „in besonderem Maße gelungen“. Stehe der Gang so doch für Transparenz – beispielsweise auch was die Rolle betrifft, die das 1927 im Stil des Backsteinexpressionismus errichtete Gebäude in der Zeit des Nationalsozialismus gespielt habe.

Der Neubau des Recklinghäuser Polizeipräsidiums ist über einen zweigeschossigen Gang mit dem denkmalgeschützten Bestandsbau verbunden. © Meike Holz © Meike Holz

Eine weitere Herausforderung habe darin bestanden, so Vieth, auf möglichst wenig Fläche möglichst viel Raum zu schaffen mit höchsten Standards bei der Kommunikationstechnik und der Sicherheit. Und das alles natürlich, ohne die laufende Arbeit der Polizei zu behindern.

„Wir müssen hier 24 Stunden auf Scheibe sein“

Herzstück des Anbaus ist die neue Leitstelle. Hier gibt es jetzt 13 statt sieben Arbeitsplätze sowie eine neue Technik, die schnelleres Arbeiten ermöglicht und weniger störanfällig ist. „Außerdem haben wir hier jetzt ganze neue Visualisierungsmöglichkeiten“, erzählt Einsatzbearbeiterin Anja Valentin den Einweihungsgästen bei Rundgängen in Kleingruppen. In den hellen, erstaunlich ruhigen Räumen sei das Arbeiten „angenehm“. Was banal klingt, hat eine große Bedeutung. Denn: „Wir müssen hier 24 Stunden auf Scheibe sein.“ Aus den zehn Städten des Kreises und Bottrop gehen die Notrufe ein – „und wenn es klingelt, wissen wir nie, was uns als nächstes erwartet“.

Ein Blick ins neue Gewahrsam im Erdgeschoss des Anbaus. © Polizei Recklinghausen © Polizei Recklinghausen

Größerer Raum, mehr Arbeitsplätze, neue Funk- und Visualisierungs-Technik, gute Licht- und Luftqualität: Das ist auch für die Beamten im Führungs- und Lageraum wichtig. Denn: „Wenn hier besondere Aufbauorganisationen zusammenkommen, dann geht es um etwas“, sagt Thomas Meinker (Führungsstelle der Direktion Gefahrenabwehr/Einsatz). „Etwa um Zugriffsentscheidungen gegenüber bewaffneten Tätern. Da müssen viele Menschen über etliche Stunden konzentriert zusammenarbeiten können.“

2022 wird die Wache in Oer-Erkenschwick eingeweiht

Im Erdgeschoss des Neubaus ist das neue Gewahrsam mit den sieben Einzel-, Beobachtungs- und Sammelzellen untergebracht. Eine gesicherte Zufahrt mit Umwehrung und eine kameraüberwachte Schleuse sorgen hier für mehr Sicherheit – nicht nur für die Beamten. „Es ist so wie Minister Reul sagt“, denkt der hier arbeitende Marcel Elsen. „Wir möchten für den Bürger da sein, für ihn arbeiten, aber auch heil wieder nach Hause.“ Und das Gewahrsam, so Pressesprecher Andreas Lesch, sei einfach ein Ort, an dem man es mit Menschen in Extremsituationen zu tun habe.

Derweil würde sich Friederike Zurhausen freuen, Reul bald wieder zu sehen. Anfang kommenden Jahres soll die neue Wache in Oer-Erkenschwick eingeweiht werden. Auch die Wachen in Bottrop und Gladbeck seien sanierungsbedürftig, führt sie aus. Und dann gäbe es ja noch den Plan, ein regionales Trainingszentrum zu errichten und dieses mit einem Neubau zu kombinieren, in dem unter anderem die Hundertschaft vom Beisinger Weg unterkommen könnte. Sollte dafür das Geld fließen, wäre das wohl wieder einer von diesen guten Tagen.

Info

Keine Angaben zu den Kosten

Wie teuer der Neubau am Polizeipräsidium Recklinghausen geworden ist, konnte der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW am Montag nicht mitteilen. „Aktuell wird die Schlussrechnung für das Bauprojekt erstellt, danach können wir die Baukosten genau beziffern“, hieß es vonseiten der zuständigen Niederlassung in Münster auf Anfrage dieser Redaktion.