Wirtschaftsförderung

Wirtschaft will klare Verhältnisse bei Gewerbe- und Industriegebieten

RVR-Regionalparlament soll im Juni alle „Kooperationsstandorte“ beschließen - auch die umstrittenen im Kreis Recklinghausen. Das fordern IHK und Handwerkskammer.
Die Emmelkämper Brauk an der A 31 in Dorsten soll laut RVR zum Gewerbegebiet werden. Politik und Verwaltung in Dorsten sind strikt dagegen. © Guido Bludau

Am 25. Juni soll die Verbandsversammlung des Regionalverbandes Ruhr (RVR) über die „Regionalen Kooperationsstandorte“ für Industrie- und Gewerbeansiedlungen entscheiden. Obwohl mehrere der geplanten Gebiete umstritten sind – darunter auch zwei aus dem Kreis Recklinghausen –, appellieren die Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammern des Ruhrgebiets an das Regionalparlament, das Gesamtpaket zu beschließen und keine Standorte zu streichen.

Datteln und Dorsten lehnen Gewerbegebiete ab

Im Kreis Recklinghausen sind die Gewerbestandorte „Dillenburg“ (Datteln/Oer-Erkenschwick, 64 Hektar) und „Emmelkamp“ (Dorsten, 53 Hektar) umstritten. In Datteln und Dorsten hatten sich die Stadträte gegen die Ansiedlung von Unternehmen auf diesen landwirtschaftlich genutzten Flächen ausgesprochen. Deshalb hat auch der Kreis Recklinghausen sich von diesen Standorten distanziert. Unterstützt werden vom Kreis hingegen die Flächen „Südlich Schwatten Jans“ in Marl/Dorsten (26 Hektar), Auguste Victoria 3/7 in Marl („gate.ruhr“, 71 Hektar) und die ehemalige Kohlelagerfläche im Grenzbereich von Recklinghausen/Herten (24 Hektar).

Im gesamten Ruhrgebiet geht es um 24 Kooperationsstandorte (1300 Hektar), die in einem vorgezogenen Teilplan zum neuen Regionalplan abgesichert werden sollen. „Vor dem Hintergrund des gravierenden Mangels an großflächigen Gewerbestandorten im Ruhrgebiet ist die schnellstmögliche Mobilisierung gewerblich-industriell nutzbarer Flächen von größter Bedeutung“, betont Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen, die auch für den Kreis Recklinghausen zuständig ist. „Ein Verzicht auf einen vorgezogenen Teilplan würde zu unabsehbaren Verzögerungen führen, da völlig unklar ist, wann der Gesamtplan Rechtskraft erlangt“, warnt Jaeckel. An einigen Standorten sei bereits die baurechtliche Planung und die Vermarktung im Gange. Der Teilplan müsse wie geplant im Juni beschlossen werden, damit Kommunen und Investoren endlich Planungssicherheit erhielten.

Wirtschaft hält nichts von „virtuellen Konten“

Die Wirtschaftskammern im Ruhrgebiet sprechen sich zudem gegen den Vorschlag aus, umstrittene Kooperationsstandorte zu streichen und deren nicht verortete Flächen zunächst in einem „virtuellen Konto“ zu speichern. „Für Wirtschaft und Kommunen ist es zunächst wichtig, industriell-gewerbliche Potenzialflächen planerisch zu sichern. Umstrittene Standorte können in einem späteren Änderungsverfahren durch neue Alternativstandorte ersetzt werden“, meint IHK-Chef Jaeckel.

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