Comeback im Theater Marl

Die Musikgemeinschaft ist wieder zurück auf der Bühne

Liegt es wirklich ein Jahr zurück, dass die Musikgemeinschaft Marl zum letzten Mal auf der Bühne stand? Das letzte sinfonische Konzert war am 3. Oktober 2020 - jetzt ist sie wieder da.
István Karácsonyi brillierte im Theater Marl. © Stefan Pieper

„Es ist so schön, wieder hier auf der Bühne zu stehen“, freute sich Wolfgang Endrös in seiner Ansprache ans Publikum. Umso mehr äußerte der Orchesterleiter seine Freude, dass sich nun wieder alle gemeinsam der Musik verschreiben können und dies auch vor Publikum.

Das Orchester zeigte sich beim ersten Sinfoniekonzert der Saison bestens aufgelegt – ebenso wie ein Solist, der aus der Region stammt, aber als Konzertmeister der Neuen Philharmonie Westfalen (NPW) auf professionellem Parkett zuhause ist. Und es gab – was den nach wie vor geltenden Abstandsregeln im TM geschuldet ist – gleich zwei jeweils gut besuchte Aufführungen!

Den Anforderungen souverän gewachsen

Aber dafür fehlte eine „Aufwärmphase“. Dvoraks Violinkonzert geht sofort für alle Beteiligten aufs Ganze. Das Orchester unter Leitung von Wolfgang Endrös zeigten sich dieser Anforderung souverän gewachsen und reagierten hellwach auf die Bravourparts ihres hochmotivierten Solisten auf der Violine.

In Dvoraks berühmtem Meisterwerk zieht die Solovioline kontinuierlich den sinfonischen roten Faden. István Karácsonyi ließ sich mit extrovertierter Spiellust auf dieses Abenteuer ein, bei dem alle virtuosen Läufe, Doppelgriffartistik und virtuose Bogentechnik kein Selbstzweck sind. Aber es leuchtet auch in lyrischen Klanglandschaften ein ausgeprägtes böhmisches Kolorit auf.

Ungewöhnlich ist außerdem, dass ein Scherzo-Satz im Sechsachtel das Finale bildet. Zwischen Orchester und Solist entwickelte sich ein verspielter, treibender Schwung – Herausforderungen und Spaßfaktor wurden eins.

Wunderbar melodiös eingestimmt

Wolfgang Endrös denkt langfristig bei der Auswahl und Einstudierung seines Repertoires. Für die vorige Aufführung im Oktober 2020 unter den herrschenden Corona-Bedingungen bot sich Antonin Dvoraks Streicherserenade an, da wegen der Abstandsgebote der Einsatz einer großen Besetzung mit Bläsern nicht möglich war. Am Wochenende freute sich die Musikgemeinschaft, dass nun wieder genug Normalität für ein regelrechtes „Schwesterwerk“ aus der Feder von Johannes Brahms herrschte – die Serenade D-Dur. Vor allem im ersten Satz stimmten die Instrumentengruppen wunderbar melodiös ins große Ganze ein, offenbarten die Soloinstrumente viele klangschöne Momente, so dass schließlich ein optimistischer Gesamteindruck jene Worte von Endrös bekräftigen, die er seinem Publikum mit auf den Weg gab: „Wir wollen hoffen, dass jetzt alles so bleibt und wir nicht nochmal so lange auf Kultur und so vieles andere verzichten müssen.“

Der Abend in Waltrop

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