Chemiepark Marl

Gaskraftwerk und grüner Wassserstoff: Chemiepark Marl im Wandel

Nachhaltigkeit spielt eine immer größere Rolle bei den Investitionen im Chemiepark Marl. Gleich mehrere Großprojekte weisen in diese Richtung.
Standortleiter Dr. Jörg Harren (r.) und Werkleiter Sven Fritsch vor der konventuionellen Wasserstoffanlage von Evonik. © Jürgen Wolter

Im Chemiepark Marl wurden gleich mehrere große Investitionsprojekte auf den Weg gebracht. Vom neuen Gas-Kraftwerk über die erweiterte Rückstandsverbrennungsanlage bis zur neuen Pipeline-Anbindung, die den Marler Chemiestandort in absehbarer Zukunft unter anderem mit grünem Wasserstoff versorgen wird.

Zum Auftakt ihrer Sommertour durch Marler Unternehmen ließen sich Politiker der Marler Ratsfraktionen gemeinsam mit Michael Bach, dem amtierenden Stellvertreter von Bürgermeister Werner Arndt, vor Ort auf den neuesten Stand bringen. Gleich zwei Standortleiter begrüßten sie und leiteten die Bustour durch den 6,5 Quadratkilometer großen Chemiepark, in dem 10.000 Menschen beschäftigt sind und zusätzlich noch 2000 externe Mitarbeiter sowie 2000 Mitarbeiter der aktuellen Bauprojekte tätig sind.

Neues Kraftwerk spart eine Million Tonnen C02 im Jahr

Dr. Jörg Harren und sein designierter Nachfolger Bernd Vendt erläuterten zunächst den Kraftwerksneubau mitten im Chemiepark, der bis zum Frühjahr 2022 fertig gestellt sein wird und die alten Kohlekraftwerksblöcke ersetzt. Um rund eine Million Tonnen wird sich der jährliche CO2-Ausstoß des Kraftwerks reduzieren. Es erzeugt nicht nur Strom, sondern vor allem auch bis zu 1000 Tonnen Dampf pro Stunde, der zum Betrieb zahlreicher Anlagen im Chemiepark benötigt wird.

Daniela Kampmann erläuterte die Pipeline-Anbindung des Chemieparks.
Daniela Kampmann erläuterte die Pipeline-Anbindung des Chemieparks. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Kehrseite der Medaille: Im alten Kohlekraftwerk konnten Produktionsrückstände mit verbrannt werden, in der neuen Gasturbine ist das nicht mehr möglich. Deshalb hat der Chemiepark die Erweiterung der Verbrennungsanlage für Produktionsrückstände beantragt. Mit dem Änderungsantrag soll die Gesamtbehandlungskapazität durch den Bau einer zweiten Verbrennungslinie abhängig vom Energieinhalt der Rückstände von 45.000 auf maximal 195.000 Tonnen pro Jahr steigen. Das Abfallportfolio bleibt dabei unverändert.

Neue Verbrennungsanlage für Produktionsrückstände

Die Anlage wird von der SARPI Deutschland GmbH, einer Tochter des französischen Entsorgungsspezialisten Veolia, errichtet. Darüber hinaus wird SARPI die bereits bestehende Anklage optimieren und modernisieren. Ein bereits im Bau befindliches Tanklager und eine Verladestation, die schon in der Übergangsphase der Entsorgungssicherheit des Chemieparks dienen, sollen logistisch in die Gesamtanlage integriert werden.

Wachsende Bedeutung kommt dem Thema Wasserstoff in Zukunft zu. Werksleiter Sven Fritsch erläuterte zunächst die konventionelle Wasserstofferzeugung, des sogenannten grauen Wasserstoffs. Er findet ihn weiteren Produktionszweigen Verwendung.

Grüner Wasserstoff aus dem Emsland

Zurzeit wird der Chemiepark aber an neue Pipeline-Systeme angeschlossen, die nicht nur den Austausch von Stoffen, wie Erdgas, Stickstoff oder Sauerstoff ermöglichen, sondern den Standort auch an die zukünftige grüne Wasserstofferzeugung in Lingen an der Ems anschließen werden. Dort wird Wasserstoff CO2 neutral hergestellt. Die Energie liefern unter anderem Windkraftanlagen aus Norddeutschland.

Die Marler Politiker besichtigten die wichtigsten Projekte im Chemiepark.
Die Marler Politiker besichtigten die wichtigsten Projekte im Chemiepark. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

„Der Transport per Pipeline ist die emissionsärmste Transportmöglichkeit überhaupt“, machte Daniela Kampmann deutlich, die das Evonik-Pipeline-Projekt leitet. An den neuen Projekt beteiligen sich 40 Firmen, das gab es noch nie und zeigt schon seine Bedeutung.“

Der Chemiepark sei außerdem auf dem Weg zum „trockenen Standort“ erläuterte Dr. Jörg Harren. Es wird kaum noch Frischwasser aus Flüssen oder Kanal entnommen. Ein Wiederaufbereitungssystem innerhalb der Anlagen reduziert den Wasserverbrauch inzwischen auf ein absolutes Minimum.

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