Stadtteilführung

Stadtführung in Sinsen: ein spannender Stadtteil rund um den Bahnhof

Warum hatten die Sinsener Angst vor einem weißen „P“? Auf der Stadtführung mit Sylvia und Reiner Eggers wurden am Samstag rätselhafte Fragen beantwortet.
Erste Station der Stadtteilführung mit Sylvia und Reiner Eggers war der Bahnhof Sinsen. © Jürgen Wolter

Sie verstehen es immer wieder, Marler Stadtteile und ihre Geschichte lebendig werden zu lassen: Die Marler Stadtführer und Regio-Guides Sylvia und Reiner Eggers hatten am Samstag zur ersten Stadtteil-Tour nach der coronabedingten Pause eingeladen: „Sinsen – mehr als ein Bahnhof“ lautete das Thema.

12 Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedlicher Altersgruppen machten sich am Samstagnachmittag auf den Weg vom Sinsener Bahnhof zu den Eisenbahnwaggons an der Wallstraße, in denen der Marler Fotograf Marco Stepniak lebt, weiter zur ehemaligen Müllhalde und der benachbarten Sprengstoffproduktion der WASAG und zum Fortshaus Heidberg. Zum Abschluss der Tour gab es bei der Pension Kühler am Rand der Haard eine kleine Stärkung.

Die Bedeutung des Bergbaus für Sinsen

„Sinsen ist ein weitläufiger Stadtteil, deshalb können wir nicht jeden interessanten Punkt besichtigen“, so Sylvia Eggers bei der Begrüßung. Deshalb lieferte das Ehepaar an jeder Station noch zusätzliche Informationen zu umliegenden Gebäuden und Ereignissen.

Sylvia Eggers zeigte Fotos von historischen Gebäuden, hier das alte Bahnhofsgebäude.
Sylvia Eggers zeigte Fotos von historischen Gebäuden, hier das alte Bahnhofsgebäude. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Dass am Sinsener Bahnhof erst 1883 erste Personenzüge hielten und dort nach 1904 ein großer Rangier- und Verschiebebahnhof entstand, war nur den wenigsten Teilnehmern bekannt. „Mit dem Wachsen des Bergbaus wurde mehr Material benötigt, zum Beispiel Holz für den Strebausbau. Deshalb wurde der Bahnhof ausgebaut“, erläuterte Rainer Eggers.

Sylvia Eggers zeigte Fotos der alten, inzwischen abgerissenen Bahnhofsgebäude, einschließlich der Bahnhofsgaststätte. Und sie erinnerte an ein tragisches Ereignis in unmittelbarer Nachbarschaft: Im Jahr 1973 kamen sieben Menschen ums Leben und 40 wurden verletzt, als es zu einem Zugunglück an der Bahnhofsbrücke über die Recklinghäuser Straße kam.

Warum fürchteten sich die Sinsener zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wenn Pferdefuhrwerke mit einem weißen „P“ durch die Straßen des Stadtteils fuhren? Auch das erklärte Sylvia Eggers. Bis 1906 produzierte die WASAG am Standort in Sinsen Sprengstoffe vor allem für den Bergbau. „Das weiße ‚P‘ bedeutete ‚Pulver‘ und davor hatten alle gehörigen Respekt“, so Sylvia Eggers.

Sprengstoffproduktion in Sinsen

Die Sprengstoffproduktion wurde 1906 nach Haltern-Sythen verlagert. Das dortige WASAG-Gelände soll einer neuen Nutzung zugeführt werden, die Rückstände aus der Sprengstoffproduktion haben in Sythen für eine Vergiftung des Grundwassers gesorgt.

Drei Generationen der Familie Tewes/Beier nahmen an der Stadtteilführung teil: Tocher Merle Tewes, Mutter Antje Tewes und Großmutter Elke Beier.
Drei Generationen der Familie Tewes/Beier nahmen an der Stadtteilführung teil: Tocher Merle Tewes, Mutter Antje Tewes und Großmutter Elke Beier. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Dass es zwischen Sinsen und Oer-Erkenschwick bis in die fünfziger Jahre ein Ausflugslokal mit Teich gab, ist heute auch weitgehend unbekannt: „Von der Tögings-Mühle sind heute kaum noch Spuren zu finden“, so Sylvia Eggers.

Für Gerti Baumann war der Rundgang eine Möglichkeit, neue Aktivitäten zu entwickeln. „Ich bin jetzt alleine und will nicht versauern“, so die Sinsenerin. „Und ich möchte mehr über den Stadtteil erfahren.“ Das wollte auch Antje Tewes: „Ich stamme aus Drewer, wohne jetzt in Sinsen und weiß eigentlich darüber nicht viel.“ Sie machte einen Drei-Generationen-Ausflug gemeinsam mit ihrer Tochter Merle und Mutter Elke Beier.

Zweite Stadtion der Tour  waren die Waggons, in denen der Marler Fotograf Marco Stepniak wohnt.
Zweite Stadtion der Tour waren die Waggons, in denen der Marler Fotograf Marco Stepniak wohnt. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Die nächsten Führungen mit Sylvia und Reiner Eggers finden am 14. August (Brassert im Wandel der Zeit) und am 11. September (Spurensuche in Hüls) statt. Anmeldung: im i-Punkt im Marler Stern, unter Tel. (02365) 99-4310 oder auf der Internetseite des i-Punkt unter www.marl.de/i-punkt.

Der Abend in Waltrop

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