Auto kaputt - mit Video

Wenn Helfer Hilfe brauchen

Als hilfsbereiter Marler steht Rüdiger Johannsen gerne bedürftigen Mitbürgern zur Seite. Eine Tätigkeit, die er jetzt unfreiwillig einstellen musste.
Rüdiger Johannsen war auch Jennifer Wendland zuletzt immer behilflich. Sie fuhr er bis zu dreimal wöchentlich zu Arztterminen. © Patrick Köllner

Wenn man seine Freunde und Bekannten fragt, hat Rüdiger Johannsen das, was man ein gutes Herz nennt. Der Grund dafür sei die große Hilfsbereitschaft des 61-jährigen Marlers. Die hätte sich in den letzten Jahren herumgesprochen. Sowohl im Internet, aber auch von Mund zu Mund. „Wenn ich Menschen helfen kann, mache ich das. Das ist für mich keine Frage“, sagt Rüdiger Johannsen. Dabei könne es vorkommen, dass er eine ihm wildfremde Frau von einem Supermarktparkplatz nach Hause bringt. „Die Frau wollte sich mit schweren Taschen zu Fuß auf den Weg nach Hause machen, da habe ich sie gefahren.“

Einkaufen und Arztbesuche

Zu den Hilfen, die er anbietet, gehören unter anderem kleinere Erledigungen wie Einkaufen, aber vor allem Fahrten zu Ärzten. Davon profitierte zuletzt Jennifer Wendland. Sie bestätigt Rüdiger Johannsens Hilfsbereitschaft. „Er fährt nicht nur mich zum Arzt, sondern auch meinen Freund und viele meiner Verwandten und Bekannten“, sagt Jennifer Wendland. Die beiden lernten sich durch eine gemeinsame Bekannte kennen, beide sind Hartz-IV-Empfänger. Die 32-jährige Marlerin ist durch eine in ihrer Kindheit ausgebrochene Krankheit auf einen Rollstuhl angewiesen. An Arbeit sei für sie aus gesundheitlichen Gründen derzeit nicht zu denken.

Auto gibt den Geist auf

„In manchen Wochen fährt mich Rüdiger dreimal zum Arzt“, sagt die junge Frau. Aus solchen Fahrten wird in naher Zukunft aber nichts. Denn: Rüdiger Johannsens 18 Jahre altes Auto hat den Geist aufgegeben. „Der Wagen müsste über den TÜV, aber nach 233.000 Kilometern ist der leider durch“, sagt der Marler. Eine Reparatur würde etwa 3000 Euro kosten. Die kann sich Rüdiger Johannsen weder leisten, noch würde sie in seinen Augen Sinn machen.

Den Wagen, einen Mercedes Vaneo, übernahm Rüdiger Johannsen erst im Oktober letzten Jahres. Seitdem ist er 15.000 Kilometer damit gefahren – fast ausschließlich für bedürftige Mitmenschen. Geld wollte er dafür nie haben. „Wenn mir jemand mal einen Fünfer oder Zehner als Spritgeld gab, habe ich das angenommen, aber verlangt habe ich das nie.“ Seine Belohnung war stets die Dankbarkeit der Menschen, denen er helfen konnte.

Hilfe für finanziell Schwache

Wäre er noch berufstätig, könnte er sich vielleicht einen neuen Wagen kaufen. Seine Gesundheit macht ihm da aber einen Strich durch die Rechnung.

Mit diesem Auto war Rüdiger Johannsen oft für seine Mitmenschen unterwegs. Jetzt streikt das Fahrzeug. © Patrick Köllner © Patrick Köllner

Viele Krankheiten

Rüdiger Johannsen leidet an Diabetes. Wie er mitteilt, erlitt er in den letzten Jahren außerdem einen Hörsturz, einen Bauchnabelbruch und einen Herzinfarkt. Eine Rückkehr in seinen alten Beruf als Kraftfahrer ist deshalb ausgeschlossen. „Mein Führerschein ist offiziell stillgelegt. Um ihn wieder nutzen zu dürfen, müsste ich die Vorgaben für den Beruf erfüllen“, erklärt er.

Nun hofft Rüdiger Johannsen, dass er irgendwie an ein altes Auto kommt und es für den guten Zweck einsetzen kann. Marke oder Farbe sind ihm egal. Wichtig wäre nur, dass der Wagen fährt und eine Heckklappe mit Laderaum hat. Sein alter Mercedes erfüllte dieses Voraussetzungen. „Die Ladefläche war groß genug, um zwei Rollstühle nebeneinander transportieren zu können“, sagt Rüdiger Johannsen. Das wäre durchaus vorgekommen.

Bleibt die Frage, wie vielen Menschen er mit seiner HIlfe zur Seite stand. Rüdiger Johannsen überlegt: „Das waren bestimmt 40 bis 50 Leute.“ Für die habe er die Zeit investiert, die er aufgrund seiner Arbeitslosigkeit hatte: „Dafür war ich an manchen Tagen bis zu fünf Stunden unterwegs.“

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