Stadtbibliothek

Kopfkino an: Bibliotheks-Leiterin gibt Buchtipps für den Herbst

Die Stadtbücherei hat längst wieder geöffnet, doch viele Leser haben den Weg noch nicht wieder in den Buchtempel gefunden. Das soll sich ändern, auch mit Lesetipps der Büchereichefin.
Stadtbücherei-Leiterin Renate Schröder hofft darauf, dass bald wieder mehr Lesefreunde den Weg in den Buchtempel finden. © Regine Klein

Lange Zeit blieben wegen der Coronakrise auch die Türen der Stadtbücherei in der Neuen Mitte in Oer-Erkenschwick für Lesehungrige verschlossen. Als die ersten Lockerungen kamen, konnten Bürgerinnen und Bürger im Büchertempel Lesepakete bestellen und coronakonform abholen. Jetzt ist die Stadtbücherei zwar wieder regulär geöffnet, und bis auf die obligatorische Maske, Abstände und Handdesinfektion müssen auch keine weiteren Coronamaßnahmen beachtet werden, doch die Coronakrise hat ihre Spuren hinterlassen.

„Wir verzeichnen ein gutes Drittel weniger an Ausleihen“, berichtet Büchereichefin Renate Schröder. Allerdings, die E-Ausleihe laufe gut, auch Hörbücher seien beliebt. „Es kommen aber sehr wenig Kinder und Jugendliche zu uns“, sagt Schröder. Eineinhalb Jahre konnten auch keine Klassenführungen mehr stattfinden, „doch jetzt geht es endlich wieder los. Wir hoffen, dass dann auch wieder mehr Kinder den Weg zu uns finden.“

„Wir hoffen jetzt sehr auf das kommende Jahr“

Bislang kommen eher die Eltern alleine, und suchen etwas für ihre Sprösslinge aus. Demnächst soll auch das Bilderbuchkino wieder starten, und der Förderverein hat ebenfalls wieder sein Kulturprogramm aufgenommen. „Wir hoffen jetzt sehr auf das kommende Jahr“, sagt Schröder. Denn die Zahlen sprechen für sich: Zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2020 – ebenfalls ein Coronajahr – verzeichnete die Stadtbücherei bereits 57.000 Ausleihen und 950 aktive Leser. In diesem Jahr sind es 52.000 Ausleihen und 800 aktive Leser. Renate Schröder: „Viele Altleser sind noch nicht wieder aufgetaucht.“

Ob Altkunden oder neue Lesehungrige, alle sind in der Stadtbücherei stets gerne gesehen. Langsam zieht der Herbst herauf, die Tage werden kürzer und das Wetter ungemütlicher: Da ziehen sich Groß und Klein gerne auf die Couch zurück – natürlich mit einem guten Buch. Lesetipps hat dafür natürlich Renate Schröder parat – wenn auch die Auswahl in der Stadtbücherei bei der Menge schwerfällt.

Tipps für Romane für Erwachsene

Sie zählt zu den Meisterinnen des Thrillers: Tess Gerritsen. Ihren Roman „Die Studentin“, bei dem es um eine Studentin geht, die angeblich Selbstmord begangen haben soll, kann die Buchexpertin allen Thriller-Fans ans Herz legen: „Interessant geschrieben und sehr spannend“, ist ihr Urteil.

„Das Spiel“ von Jan Beck ist „nichts für Zartbesaitete“. Im Thriller geht es um ein grausames Internetspiel um Menschenleben im Darknet. „Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen“, verrät Schröder.

Auch Gesellschaftsromane stehen in den Regalen der Stadtbücherei. „Hier möchte ich ‚Die Unverhofften‘ von Christoph Nußbaumeder empfehlen.“ Eine Familiengeschichte, die sich über vier Generationen erstreckt. „Man braucht vielleicht etwas Geduld, aber es lohnt sich wirklich. Es ist ein Roman zum Nachdenken“, meint Schröder.

Um Rassenkonflikte in den 60er-Jahren dreht sich der Roman „Harlem Shuffle“ von Pulitzer-Preisträger Colson Whitehead. Die Geschichte dreht sich um einen Mann aus einfachen Verhältnissen, dem seine Lebensumstände zum Verhängnis werden. Die Buchexpertin lobt hier vor allem auch den sehr guten Schreibstil.

Wer Leselust auf zeitkritische Themen hat, dem empfiehlt Renate Schröder die Ruhrpott-Saga von Eva Völler: „Ein Traum von Glück“, „Ein Gefühl von Hoffnung“ und „Eine Sehnsucht nach morgen“ erzählt die Geschichte von Geschwistern. „Diese Bücher laufen bei uns sehr gut. Genauso wie die Trilogie ‚Die Frauen vom Jungfernstieg‘ von Lena Johannson, die im Jahre 1889 beginnt.“

Eine „echte Wohlfühlkrimireihe aus Kanada um den Inspektor Gamache“ hat die Büchereileiterin ebenfalls noch auf der Liste. „Autorin Louise Penny beschreibt die Charaktere wirklich sehr toll, und das in einer sehr schönen Sprache.“

„Sehr berührend“ sei „Das wirkliche Leben“ aus der Feder von Adeline Dieudonné. Eine Reihenhaussiedlung am Waldrand, wie es viele gibt. Im hellsten der Häuser wohnt ein zehnjähriges Mädchen mit seiner Familie. Alles normal. Wären da nicht die Leidenschaften des Vaters, der neben TV und Whisky vor allem den Rausch der Jagd liebt. Es geht um Brutalität in der Familie, erzählt aus der Sicht der jungen Protagonistin. „Sehr berührend“, meint Schröder.

Tipps für Bücher für Jugendliche und Kinder

Die Schattenseiten des Modelllebens beleuchtet das Buch „Meat Market“ von Juno Dawson. „Es richtet sich an Jugendliche ab ca. 13 Jahren und wurde mit den deutschen Literaturpreis ausgezeichnet.“

„The Cousins“ von Karen McManus „ist ein anspruchsvoller Thriller, der sehr gut geschrieben ist.“ Ebenfalls sehr beliebt ist die „Animox“-Reihe von Aimee Carter, in der es um einen Jungen geht, der nicht nur mit Tieren kommunizieren kann, sondern sich auch in eines verwandeln kann. Es gilt, einen Krieg zwischen den fünf Tierreichen zu verhindern.

Über Generationen geliebt ist die „Drei???-Reihe“. Die Geschichten um Justus Jonas, Bob Andrews und Peter Shaw ziehen noch immer in ihren Bann. Neben den Büchern für ältere Kinder, gibt es auch die „Drei???“-Kids, und ganz neu auch eine Ausgabe für Erstleser.

Eine besondere Empfehlung spricht Renate Schröder für „Da sein: Was fühlst du“ von Kathrin Schärer aus. Wunderschöne Tierbilder und nur wenig Text illustrieren die Welt der Gefühle. „Toll, um mit Kindern über dieses komplexe Thema zu sprechen.“

Wer mehr Tipps möchte – auch zu Bilderbüchern, DVDs, eBooks oder Sachbüchern – der schaut am besten einfach selbst mal in der Stadtbücherei vorbei.

Die Stadtbücherei
  • Die Stadtbücherei bietet Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eine große Auswahl an Medien zur Information und Unterhaltung an:
  • ca. 17.000 Sachbücher, ca. 10.000 Romane, ca. 12.000 Kinder- und Jugendromane, ca. 4.000 AV-Medien, ca. 30 Zeitschriften sowie digitale Medien über E-Ausleihe
  • Für die Ausleihe der Medien wird ein Büchereiausweis benötigt. Den erhalten Interessierte bei der Anmeldung nach Vorlage des gültigen Personalausweises und Zahlung einer Gebühr. Bei der Anmeldung von Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren ist die Unterschrift und der gültige Personalausweis eines Erziehungsberechtigten erforderlich.
  • Stadtbücherei, Berliner Platz 14a, Telefon 02368 / 691 – 320
  • Öffnungszeiten: montags geschlossen, dienstags 9.30 bis 12.30 Uhr und 14.30 bis18 Uhr, mittwochs 9.30 bis 12.30 Uhr, donnerstags 9.30 bis 12.30 Uhr und 14.30 bis 18 Uhr, freitags geschlossen, samstags 9.30 bis 13 Uhr.

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