Ergebnisse stehen fest

Wo sind die Schmetterlinge im Ostvest – Nabu beendet Zählaktion

Im Ostvest haben sich Naturfreunde an der Schmetterlings-Zählaktion des Nabu NRW beteiligt. Die Ergebnisse stehen fest, „und überraschen nicht“, wie Ulrich Kamp vom Nabu Ostvest feststellt.
Ein Schmetterling der Sorte „Admiral“ hat es sich auf einer Sommerflieder-Blüte bequem gemacht, er landet auf Platz 3. © Tamina Forytta

Regen und Wind der vergangenen Wochen machten es nicht nur den Beobachtern schwer, sondern auch den Schmetterlingen. Der Naturschutzbund (Nabu) hatte zur Schmetterlingszählung aufgerufen. Einen Monat lang sollten die filigranen Falter gezählt werden. Das Ergebnis ist ernüchternd: Es wurden wesentlich weniger Schmetterlinge gezählt und gemeldet.

„Es war vorauszusehen, dass der Nabu mitteilen würde, dass aufgrund diverser Gründe – unter anderem die Wetterlage im Frühjahr – die Anzahl der Schmetterlinge wohl abgenommen hat. Die Frage, wo sie denn aktuell sind, kann wohl niemand so richtig beantworten, vielleicht bzw. wahrscheinlich tauchen viele schmerzlich vermisste Exemplare noch auf… hoffentlich“, sagt Naturexperte und Mitglied des für Oer-Erkenschwick, Datteln und Waltrop zuständigen Nabu Ostvest, Ulrich Kamp.

Alter Bekannter landet auf Platz 1

Fleißig haben Hobby-Lepidopterologen (Schmetterlingskundler) und Naturliebhaber auch in diesem Jahr wieder gezählt. Ein alter Bekannter landete wie bereits in den Vorjahren auf Platz 1: der Kohlweißling.

Der Kohlweißling wurde bei der Schmetterlingszählung am häufigsten gesichtet. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Rund 1300 Mal wurde er gezählt. „Natürlich ist er auch leichter sichtbar durch seine helle Farbe, aber er scheint deutlich zahlreicher zu sein, als das Tagpfauenauge auf Platz zwei der Liste“, heißt es vom Naturschutzbund NRW. Er wurde 879 Mal beobachtet.

Unsere Leserin Stefanie Schmedinghoff aus Oer-Erkenschwick hat dieses Tagpfauenauge auf einem Schmetterlingsflieder fotografiert. Diese Schmetterlingsart landete bei der Nabu-Zählung auf Platz 3. © privat © privat

Auf Platz drei fliegt der Admiral. Dicht gefolgt vom großen Ochsenauge. Häufiger als im Vorjahr wurde der kleine Fuchs gemeldet, er flattert auf Platz 5.

Wie auch in den Vorjahren konnten die Gruppe der Dickkopffalter und der Zitronenfalter regelmäßig gesichtet werden.

C-Falter und Schornsteinfeger liegen bei der diesjährigen Zählung dicht vor der Gruppe der Bläulinge. Das Landkärtchen liegt abgeschlagen auf dem 12. und damit letzten Platz.

Vom Nabu heißt es: „Vermutlich wurde seine Zahl durch das frühe Vertrocknen der Brennnesseln im trockenen Sommer 2018 beeinflusst. Es kann Jahre dauern, bis die Landkärtchen sich davon erholen.“

Auch Nachtfalter wurden gezählt

Zum ersten Mal gezählt wurden Nachtfalter. Hierbei wurden vor allem die tagaktiven Nachtfalter beobachtet. Der ockergelbe Blattspanner belegt hier mit den ersten Platz, gefolgt von Gammaeule, Taubenschwänzchen, Ampferspanner und Sechsfleck-Widderchen.

„Da die Nachtfalter rund 95 Prozent aller Falter ausmachen, sollten sie deutlich häufiger gezählt werden können. Allerdings sind sie in der Regel nicht so bunt und auffällig wie andere, vielen Menschen bekannte Tagfalterarten“, heißt es vom Nabu NRW.

„Aber ich denke, es gibt Hoffnung“

„Es ist richtig, dass bisher außer den immer aktiven Weißlingen und den schier unverwüstlichen Admiralen aktuell die üblichen herausragenden bunten Schmetterlinge noch fehlen, als da wären der Distelfalter, der kleine Fuchs, der Schwalbenschwanz, das Landkärtchen, das Tagpfauenauge“, bewertet Ulrich Kamp die Schmetterlings-Situation im Ostvest. „Aber ich denke, es gibt Hoffnung. Dass zum Beispiel der Hauhechel-Bläuling und der Aurorafalter oft früh im Jahr, aber dann nicht mehr in Erscheinung tritt, daran musste man sich schon in den Vorjahren gewöhnen.“

Auch einen rostroten Dickkopffalter hat Ulrich Kamp im Ostvest entdeckt, die Schmetterlingsart landet bei der Zählung auf Platz 6. © privat © privat

Und Ulrich Kamp kann von Schmetterlingssichtungen in der Haard, im Haardvorland und weiteren Bereichen im Ostvest berichten – andere Arten, die schon ewig bei uns leben, aber unauffälliger und kleiner sind. „Sie werden weder oft beachtet noch wahrgenommen, natürlich vor allen Dingen dann, wenn genug ‚Hingucker‘ da sind. Aber zum Trost, noch haben wir Schmetterlinge, und zwar keine seltenen Exoten und wir haben ansehnliche Stückzahlen, wenn auch keineswegs flächendeckend, sondern dort, wo sie unter den gegebenen Voraussetzungen gern leben und sich vermehren“, erzählt Ulrich Kamp.

Drei besondere Arten im Ostvest

Ihm sind im Ostvest insbesondere drei Arten aufgefallen: der rostfarbene Dickkopffalter (Ochlodes venatus). Ein kleiner Falter mit 25 bis 30 mm Spannweite. Der ganze Körper des kräftigen Insekts ist dicht bräunlich behaart, auffällig sind auch die großen Augen. Er gilt als schneller Flieger. „Viel gesehen habe ich auch das Ochsenauge (Maniola jurtina) – Spannweite 45 bis 60 mm.“ Männchen sind graubraun, Weibchen haben die Vorderflügel braungelb gefärbt. In der Spitze des Vorderflügels haben beide Geschlechter einen kleinen Augenfleck, der namensgebend ist.

Das große Ochsenauge, hier fotografiert von Ulrich Kamp, landet bei der Zählung auf Platz 4. © privat © privat

„Und dann kam ein Falter, klein, bunt, vital, den ich vielleicht bereits gesehen, aber nie registriert hatte, ein kleiner Feuerfalter (Lycaena phlaeas).“ Die Hinterflügel des Feuerfalters sind im Zentrum leicht schwarz, die Restflügel sind orange mit Punkten. Es ist mit einer Größe von 4,5 cm ein eher kleiner Falter.

Der kleine Feuerfalter hat es gar nicht unter die ersten zwölf Plätze geschafft, dabei ist er im Ostvest durchaus heimisch – wie Ulrich Kamp mit seinem Foto beweist. © privat © privat

Ulrich Kamp stellt für das Ostvest fest: „Wenn diese Falter da sind und mit ihrem Umfeld klarkommen, dann stellt sich mir eigentlich nur die Frage, ob die Lokalmatadoren wie Distelfalter und Co. vielleicht doch noch auftauchen. Na ja, die Hoffnung stirbt zuletzt und ein bisschen Optimismus schadet nicht.“

Nabu ruft zur weiteren Zählaktion auf

Insekten beobachten, an einer bundesweiten Aktion teilnehmen und dabei noch die Natur vor der eigenen Haustür besser kennenlernen – all das vereint der „Insektensommer“ des Naturschutzbundes. Der erste Zählzeitraum 2021 ist vorbei. Vom 6. bis 15. August geht es aber in die nächste Runde und alle Natur-Interessierten können erneut das Summen und Brummen in ihrer Umgebung entdecken und melden. Der Insektensommer ist eine Gemeinschaftsaktion von NABU und LBV und ihres gemeinsamen Partners naturgucker.de.

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