Vierbeiner soll helfen

MS-kranke Recklinghäuserin hofft auf Assistenzhund

Für Menschen, die im Rollstuhl sitzen, können Assistenzhunde eine große Hilfe und Erleichterung sein. Christel Fuhrmann (38) hat einen solchen Vierbeiner beantragt – bislang ohne Erfolg.
Christel Fuhrmanns (r.) ganze Hoffnung liegt auf einem Assistenzhund. Dessen zweijährige Ausbildung würde Filiz Erfurt vom Essener Verein „filiz-rollidogs“ übernehmen. © Meike Holz

Dass sie an Multipler Sklerose erkrankt ist, weiß Christel Fuhrmann seit Oktober 2019. „Da habe ich die endgültige Bestätigung bekommen“, sagt die 38-Jährige. Im letzten Jahr habe sie dann gleich drei Krankheitsschübe gehabt. „Die gingen alle auf die Beine, davon habe ich mich nicht erholt.“ Seit über einem halben Jahr ist Christel Fuhrmann durchgehend auf einen Rollstuhl angewiesen. Ihre große Hoffnung liegt jetzt auf einem Assistenzhund, der ihr bei der Bewältigung ihres Alltags helfen soll.

Zweijährige Ausbildung eines Assistenzhundes kostet 20.000 Euro

So einen speziell ausgebildeten Vierbeiner hat die 38-Jährige, die gemeinsam mit ihrem Mann Markus und den beiden Kindern Eva und Pascal in Ost lebt, bereits bei ihrer Krankenkasse, der Knappschaft-Bahn-See, beantragt. Die Übernahme der Kosten in Höhe von in diesem Fall 20.000 Euro für die zweijährige Ausbildung eines solchen Assistenzhundes hat die Kasse aber abgelehnt. Das zuständige Fachzentrum für Hilfsmittel in Herne führte als Begründung an, dass der therapeutische Nutzen eines solchen Vierbeiners „wissenschaftlich nicht nachgewiesen ist“. Das Gleiche gelte für die Unbedenklichkeit „für den häuslichen Bereich“. Ein Assistenzhund sei daher „kein Hilfsmittel im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen und Richtlinien“.

Dabei haben Assistenzhunde eine Menge auf dem Kasten. Sie können etwa Türen und Schubladen, sogar Reißverschlüsse öffnen und schließen. Sie können Gegenstände apportieren, Lichtschalter bedienen, Kleidungsstücke ausziehen und unterstützend einen Rollstuhl schieben oder ziehen – Dienstleistungen, die Christel Fuhrmann das Leben ungemein erleichtern würden. Und nicht nur ihr: „Ich kann von meiner Familie nicht verlangen, dass sie die ganze Zeit an mir klebt und sich um mich kümmert“, sagt sie.

Widerspruch gegen abschlägigen Bescheid eingelegt

Ihre ganze Hoffnung hatte sie deshalb in die Novellierung des Gesetzes zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung (BGG) gesetzt. Aus dem Paragrafen „Blindenführhunde und andere Assistenzhunde“ leitete sie eine Gleichstellung und somit ihren berechtigten Anspruch auf einen Assistenzhund ab. Deshalb legte die 38-Jährige auch Widerspruch gegen den abschlägigen Bescheid ihrer Krankenkasse ein.

Die Knappschaft klärt auf RZ-Anfrage auf, dass sie als gesetzliche Krankenkasse vom Gesetzgeber nicht dazu verpflichtet ist, die 20.000 Euro für die Ausbildung eines Assistenzhundes zu gewähren. Es gebe aber noch Hoffnung für Christel Fuhrmann, gibt Knappschafts-Sprecherin Dr. Angelika Krüger zu verstehen: „Assistenzhunde können als Assistenzleistung im Rahmen der sozialen Teilhabe auch direkt bei den Sozialhilfeträgern beantragt werden.“

Knappschaft will Sozialhilfeträger um Amtshilfe bitten

Die Krankenkasse nehme den Widerspruch nun zum Anlass, „den Antrag auch unter Gesichtspunkten der Teilhabe zu prüfen“. Dabei werde man den Landschaftsverband um Amtshilfe bitten. Den Gesamtbescheid, so die Sprecherin, werde die Knappschaft erteilen und – „sofern ein Teilhabeanspruch besteht bzw. bestätigt wird“ – die Leistung gewähren.

Sollte Christel Fuhrmann doch noch einen Assistenzhund bewilligt bekommen, weiß sie schon genau, an wen sie sich wenden würde. Filiz Erfurt aus Essen und ihren Verein „filiz-rollidogs“ kennt die Recklinghäuserin bereits seit knapp sieben Jahren. Erfurt, die selbst im Rollstuhl sitzt, bildet Assistenzhunde aus. Bekanntschaft haben sie und Christel Fuhrmann auf einer Hunde-Messe gemacht. „Mein Mann und ich haben damals Straßenhunde aus Rumänien und Bulgarien aufgepäppelt und in Deutschland vermittelt“, sagt Fuhrmann. Und ihr Mann sei es auch gewesen, der die Idee gehabt habe, Kontakt zu Filiz Erfurt aufzunehmen. Gemeinsam hoffen sie nun auf einen positiven Bescheid.

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