Bundestagswahl

Schwabe schleift CDU-Hochburgen im Norden

Speckhorn und Bocholt galten bei Bundestagswahlen bisher als als sichere CDU-Bastionen. Das hat sich geändert. Insgesamt offenbart die Statistik ein Nord-Süd-Gefälle in Recklinghausen.
Recklinghausen hat gewählt. Dabei gibt es manche Überraschung und ein Nord-Süd-Gefälle. © Alexander Spieß

Frank Schwabe ist der strahlende Wahlsieger der Bundestagswahl in Recklinghausen. Der Sozialdemokrat vereint 39,07 Prozent der Erststimmen auf sich – gut zwei Prozentpunkte mehr als bei der Bundestagswahl vor vier Jahren. Am hellsten leuchtet Schwabes Stern in Hochlarmark. 45,22 Prozent der Wählerinnen und Wähler gaben ihm dort ihre Stimme – die Briefwähler des Stadtteils nicht eingerechnet. Damit festigte der Mann aus Castrop-Rauxel den Ruf Hochlarmarks als traditionelle SPD-Hochburg. Selbst im ländlich-konservativ geprägten Bereich Speckhorn/Bockholt setzte sich Frank Schwabe mit 33,62 Prozent gegen Breilmann (28,63 Prozent) durch. Vor vier Jahren hatte Breilmann im Wahllokal Don-Bosco-Schule in Speckhorn noch mit 50,29 Prozent der Erststimmen um Längen vor Frank Schwabe. Der brachte es dort 2017 auf gerade einmal 19,18 Prozent. Diesmal behielt Breilmann zwar immer noch eine deutliche Mehrheit in Speckhorn, musste aber rund acht Prozentpunkte abgeben. Er landete bei 42,22 Prozent – sein absoluter Spitzenwert in Recklinghausen. Im Wahllokal der Grundschule Im Romberg brachte es der Christdemokrat hingegen auf nur auf 17,10 Prozent der Stimmen. Weniger erhielt der Castrop-Rauxeler in keinem anderen Wahllokal.

Auf Stadtteilebene konnte Breilmann sein Duell gegen Frank Schwabe (ohne Berücksichtigung der Briefwähler) nur in einem von 17 Vergleichen gewinnen: in der Innenstadt. Dort erzielte Frank Schwabe mit 28,55 Prozent der Erststimmen sein schlechtestes Ergebnis. CDU-Mann Breilmann liegt im Zentrum Recklinghausens mit 28,70 Prozent hauchdünn vorn.

AfD fährt im Süden ihre stärksten Ergebnisse ein

Noch einmal zurück zu Hochlarmark. Dort feierte nicht nur SPD-Kandidat Frank Schwabe sein bestes Ergebnis. Auch AfD-Mann Lutz Wagner fuhr zwischen Trainingsbergwerk und A2 seine höchsten Prozente ein: 16,81. Nebenan in Süd waren es 15,22, in Grullbad 15,51 und in König Ludwig 14,87 Prozent. In einigen Wahllokalen, wie etwa an der Hochlarmarkstraße, erzielte die AfD sogar mehr als 20 Prozent. Im Nord- und Westviertel hingegen landete Lutz Wagner bei unter acht Prozent. Auch die Briefwähler trugen maßgeblich dazu bei, dass die Alternative für Deutschland am Ende bei nur 9,38 Prozent der Erststimmen und 9,1 Prozent der Zweitstimmen landete. Ein Verlust von 3,5 Prozentpunkten im Vergleich zu 2017. In vielen Briefwahlbezirken landete die AfD bei gerade einmal etwas über drei Prozent.

Die Wahlergebnisse auf Stadt- und Stadtteilebene sind online einzusehen.

Und das sagen Bürger in Recklinghausen:

Johann Schwinem mit Angelika Freydorfer: „Ich finde gut, dass die SPD so viel Zuspruch bekommen hat. Nach dem guten Ergebnis sollte Olaf Scholz auch Bundeskanzler werden. Ich hoffe nicht, dass es doch noch zu einer Koalition ohne Beteiligung der SPD kommt.“ © Oliver Kleine © Oliver Kleine
Meike Leufke: „Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass der Ausschlag der Veränderung geringer als erwartet ausfiel. Ich hätte mir noch mehr Richtung Klima gewünscht. Und dass es für Rot-Grün zu einer Koalition gereicht hätte. Ich bin für Olaf Scholz als Kanzler, der ist authentischer.“ © Oliver Kleine © Oliver Kleine
Annike Reiß: „Ich bin gar nicht überrascht vom Ausgang der Wahl. Die Ergebnisse der Parteien hatte ich so erwartet, wenn man mal von der FDP absieht. Ich hoffe nun auf eine grüne Regierungsbeteiligung. Olaf Scholz wäre mir als Kanzler lieber als Armin Laschet.“ © Oliver Kleine © Oliver Kleine
Rebecca Walpuski: „Es hätte schlimmer kommen können. Ich hoffe, es gibt nun eine Koalition unter Führung der SPD. Ich glaube nicht, dass Armin Laschet der Richtige wäre, das Land zu führen. Er war ja schon in NRW nicht überzeugend. Und ganz Deutschland, das ist ja doch eine ganze Nummer größer.“ © Oliver Kleine © Oliver Kleine

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