Fahrradtag in Recklinghausen

Viel Potenzial auf zwei Rädern

Von Historie bis Zukunftsmusik war alles dabei beim großen Fahrradtag auf dem Rathausplatz. Die Radverkehrsförderung ist offensichtlich auf einem guten Weg, doch es gibt noch viel zu tun.
Flitzen gemeinsam über den Kinder-Fahrradparcours am Fahrradtag auf dem Rathausplatz: Anna und David Tourgmann mit Sohn Marley (2.) © Alina Meyer

Es war die beste Begleitung, die die Besucher am Sonntag an ihrer Seite haben konnten und ein gern gesehener Gast auf dem Rathausplatz: das Fahrrad. Um E-Bikes, Stadträder, Lastenräder, Leasingräder, Einräder, Hochräder und Pukys drehte es sich am Sonntag (18.9.) beim großen Fahrradtag in Recklinghausen. Sein Motto: „Recklinghausen dreht das Rad“.

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Fahrradtag

Die Veranstalter verfolgten mit ihren Aktionen ein konkretes Ziel: „Wir werben dafür, dass der Radfahrer als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer neben Autofahrern und Fußgängern im Straßenverkehr ernst genommen wird“, sagt Peter Brautmeier, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Diese Botschaft zum Anlass nahm eine vom ADFC organisierte Fahrrad-Demo und startete mit 150 Teilnehmern am Campus Vest, um nach elf Kilometern Strecke durchs Stadtgebiet das Rathaus über den Pop-up-Radweg zu erreichen. Die eigens für den Radverkehr ausgewiesene Fahrspur sollte einen Ausblick geben, wie der Radverkehr künftig organisiert werden könnte.

Weniger Rücksichtnahme im Straßenverkehr

„Meinem Gefühl nach hat die Rücksichtnahme der Autofahrer gegenüber Radfahrern in letzter Zeit wieder abgenommen, die Aggressivität ist wieder angewachsen“, sagt Michael Zurhausen, Radrennfahrer und Mitorganisator des Fahrradtags. Diese Einschätzung teilt auch Besucher Michael Wolf, der gemeinsam mit Birgit Böhnke aus dem 19 Kilometer entfernten Castrop-Rauxel auf dem E-Bike hergeradelt ist. „Autofahrer nehmen noch immer zu wenig Rücksicht im Straßenverkehr. Durchgezogene Linien für ausgewiesene Fahrradwege werden überfahren, Radwege zugeparkt, der Mindestabstand ignoriert.“

150 Teilnehmer demonstrierten für mehr Sicherheit im Radverkehr. © Alina Meyer © Alina Meyer

Die Polizei weiß um die mangelhafte Sicherheit vieler Radfahrer, die aber nicht selten ihr eigenes Verschulden sei, wie Polizeihauptkommissar Karsten Quante von der Polizeidienststelle Herten erklärt: „Eine helle, auffällige Kleidung im Straßenverkehr, zum Beispiel eine gelbe Warnweste oder ein Fahrradhelm mit gelben Reflektoren kann Leben retten. Genauso ein Fahrradhelm, der eine entsprechende DIN-Norm hat und nicht älter ist als fünf Jahre.“ Gerade Senioren auf E-Bikes im Straßenverkehr seien eine nicht zu unterschätzende Gefahr. „Deshalb bieten wir künftig E-Bike-Kurse in Zusammenarbeit mit den Volkshochschulen im gesamten Kreisgebiet an.“ Auch der ADFC bietet ein Pedelec-Training an.

Letzte Kilometer für das Stadtradeln

Die angekündigte Fahrradbörse mit anschließender Versteigerung fiel aus. Dafür fanden das Deutsche Fahrradmuseum mit Rädern aus drei Jahrhunderten, zwei Fahrradparcours, die Fahrradwaschanlage und die abschließende Einradshow besonderen Anklang. Die Firma Green City Hub aus Gelsenkirchen stellte ihre Lastenräder vor, die Firma „rebeq“ informierte zum aktuellen Stand der Radstation, die derzeit neben dem Hauptbahnhof entsteht.

Der Fahrradtag lockte viele Besucher aus Recklinghausen und Umgebung auf den Rathausplatz. © Alina Meyer © Alina Meyer

Dirk Petersohn von der DEKRA erläutert Radfahrern, wie wichtig ein Schadensgutachten im Falle eines Unfalls sein kann, Bürgermeister Christoph Tesche (CDU), Landrat Bodo Klimpel (CDU) und Ulrich Syberg, Bundesvorsitzender des ADFC (SPD), meldeten sich auf der Bühne zu Wort. Sportliche Radfahrer sammelten auf dem Wallring letzte Kilometer für das diesjährige Stadtradeln, dessen vorläufiges Ergebnis am Sonntag bei 235.563 Kilometern von 1513 aktiven Radlern lag. „Zwei Wochen lang können Radfahrer noch gefahrene Kilometer in der App nachtragen. Danach wird abgerechnet“, sagt der städtische Nahmobilitätskoordinator David Herz am Sonntag.

Priorisierung von E-Mobilität, Rad- und Fußverkehr

Die Radverkehrsförderung soll künftig einen weitaus größeren Stellenwert als bisher in Recklinghausen bekommen. „Wir werden in den nächsten Jahren sukzessive eine Veränderung im Straßenverkehr spüren. Dazu wollen wir einen neuen Mix schaffen und den Schwerpunkt auf E-Mobilität, Rad- und Fußverkehr legen, ohne den Autofahrer aus dem Verkehr zu drängen“, sagt Bürgermeister Christoph Tesche.

Der Abend in Waltrop

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