Tag des Hundes

Wie aus tierischer Angst Liebe wird

Entweder man liebt sie oder man mag sie gar nicht: Hunde. Patrick Musial kennt beide Standpunkte. Anlässlich des „Tags des Hundes“ erzählt er, wie aus seiner Phobie eine Leidenschaft wurde.
Den süßen Hundeblick beherrscht der elf Monate alte Labrador-Welpe „Karl“ schon perfekt. © Meike Holz

Patrick Musial und Ariane Giesen haben Familienzuwachs bekommen. Seit drei Wochen schenken sie einem elf Wochen jungen Wesen namens „Karl“ einen Großteil ihrer Aufmerksamkeit. Insbesondere Patrick Musial und der Labrador-Welpe sind seit Tag eins ein Herz und eine Seele. Dass Karl sein Leben derart bereichert, damit hätte der Buchhändler aus Recklinghausen nicht gerechnet.

Denn noch vor etwa sechs Jahren hätten ihn keine zehn Pferde dazu bringen können, sich einem Hund zu nähern, geschweige denn, ihn zu streicheln. Patrick Musial litt unter einer Phobie. „Meine Angst vor Hunden war so ausgeprägt, dass sie mich in meinem Alltag einschränkte. Wenn ein Hund in der Nähe war, bin ich regelrecht erstarrt und war innerlich wie eingefroren. Ich konnte nichts tun. Es war eine unterbewusste Reaktion, die mich lähmte.“

Schlüsselerlebnis ist bis heute in Erinnerung

Wie es dazu kam, weiß Patrick Musial genau. Es gab ein Schlüsselerlebnis. „Als ich klein war, vielleicht drei, vier Jahre alt, bin ich mal von einem großen schwarzen Hund umgerannt worden. Der Hund beugte sich damals über mich und ich weiß noch, dass ich große Angst hatte und in einen Pool gefallen bin, der leider nicht mit Wasser gefüllt war.“

Seit diesem Erlebnis wandte sich der Recklinghäuser von Hunden ab. „Das war nicht leicht“, erinnert sich seine Lebensgefährtin Ariane Giesen. „Meine Schwester hat zum Beispiel zwei große Hunde. Wenn die bei uns waren, war die Situation immer extrem angespannt, gerade für Patrick. Auch im Urlaub haben wir immer einen großen Bogen um Hunde gemacht.“

Katzen- statt Hundenarr

Patrick Musial lebte mit seiner Angst und freundete sich stattdessen mit Katzen an. „Katzen mochte ich schon immer gern, genau wie Schimpansen. Nur eignen sich Letztere weniger als Haustiere“, sagt der 50-Jährige und grinst. Also zogen zwei Katzen – Emma und Paula – im Hause Musial-Giesen ein. Und nach spätestens drei Wochen war auch Patrick Musials anfängliches Unwohlgefühl verschwunden. „Irgendwie schaffe ich es, das gute Gefühl, dass ich mit den Katzen entwickelte, auch auf Hunde zu übertragen. Plötzlich konnte ich mich ihnen wieder nähern. Sonst hätte ich irgendwann definitiv eine Verhaltenstherapie machen müssen.“ „Eines Tages lag mal ein wirklich großer Golden-Retriever in unserer Buchhandlung und Patrick hat ihn gestreichelt. Das war ein großer Schritt“, weiß seine Lebensgefährtin.

Frischgebackene Hunde-Eltern: Ariane Giesen und Patrick Musial. © Meike Holz © Meike Holz

Seitdem ist die Phobie wie weggeblasen. „Ein Leben ohne Hund könnte ich mir schon jetzt nicht mehr vorstellen“, sagt der Recklinghäuser mit Blick auf den Vierbeiner zu seinen Füßen. „Karl ist schon jetzt ein festes Familienmitglied geworden. Ich empfehle auch anderen Bürgern mit Tierphobien, die Nähe zu Tieren zu suchen, die keine Angst bereiten. Das Gefühl überträgt sich vielleicht wie bei mir.“

Weil der Labrador noch so jung ist, begleitet er sein Herrchen nur stundenweise in die Buchhandlung. „Uns ist es wichtig, dass er nicht wild ist. Er muss lernen, dass er nicht immer Mittelpunkt des Geschehens ist und nicht jeden Kunden anspringt oder beschnuppert. Wir wissen genau, dass das nicht jeder mag und dass einige eben auch Angst haben“, sagt Ariane Gießen.

Ruhig, entspannt und menschenfreundlich

Dass der Vierbeiner mit seinen dicken Kulleraugen einem Kunden Angst einjagen könnte, kann man sich allerdings kaum vorstellen. „Karl ist vom Charakter her ruhig, entspannt, menschen- und tierfreundlich. Er passt perfekt zu uns“, sagt die Recklinghäuserin. „Für uns stand schon lange fest, dass wir uns einen Labrador zulegen wollen.“ Trotzdem: Erziehung sei das A und O. Ariane Giese ist Familienhebamme und hat sich die nächsten sechs Wochen Überstunden freigenommen, danach folgen noch drei Wochen Sommerferien. Zeit genug, um mit Karl im Alltag anzukommen.

Den Hundeblick beherrscht er

Die Kommandos „Sitz“ und „Platz“ beherrsche er schon. Den süßen Hundeblick aber auch. Hinter der Theke steht ein Korb, in den er sich zurückziehen kann. Doch Karl scheint seinen Lieblingsplatz in der Buchhandlung schon gefunden zu haben: Unter einem Büchertisch im Eingangsbereich fläzt er sich hin und knabbert ganz unbeeindruckt vom Geschehen um ihn herum an einem Rinderohr. Eine Kundin ist sich sicher: „Karl wird sicherlich ein Frauenmagnet.“

Der Abend in Waltrop

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