Immer mehr Ältere sind in NRW auf Sozialhilfe angewiesen

Rentner sitzen in Pillnitz nahe Dresden auf einer Parkbank
Nach früheren Angaben des Landesamtes erhielten Ende 2020 in NRW rund 84.100 Personen Hilfe zur Pflege. © picture-alliance/ ZB
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Immer mehr ältere Menschen in Nordrhein-Westfalen sind auf Sozialhilfe angewiesen. Die Ausgaben für Hilfe zur Pflege seien im vergangenen Jahr stark um 14,1 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Statistische Landesamt am Dienstag in Düsseldorf mit.

Die Sozialhilfeausgaben für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nahmen um 7,8 Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Euro zu, wie das Landesamt unter Verweis auf Daten des NRW-Gesundheitsministerium außerdem mitteilte.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sprach von einer fatalen Entwicklung und mahnte gegenüber der Bundesregierung dringenden Handlungsbedarf an, der weiterhin bestehe. „Die Pflege macht erst arm und dann macht sie die Menschen zu Sozialhilfeempfängern. Das ist eine unwürdige Perspektive für den Lebensabend von Millionen Menschen“, sagte der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, am Dienstag der dpa.

Fast 300.000 Menschen in NRW auf Grundsicherung angewiesen

Es gehe nicht um eine Vollfinanzierung, aber die reinen Pflegekosten sollten zu hundert Prozent von der Pflegeversicherung getragen werden, forderte er. Brysch warf Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vor, bisher diese Herausforderung seit seinem Amtsantritt nicht anzugehen. „Die steigende Inflation wird ganz besonders die Pflegebedürftigen treffen“, prophezeite Brysch und verwies auf steigende Kosten für Löhne, Unterbringung, Investitionen und Verpflegung.

Nach früheren Angaben des Landesamtes erhielten Ende 2020 in NRW rund 84.100 Personen Hilfe zur Pflege. Das waren 4400 (5,5 Prozent) mehr als Ende 2019. Fast 90 Prozent der Empfänger lebte in Einrichtungen. Die Empfänger der Leistung waren im Durchschnitt 79,3 Jahre alt. Grundsicherungsleistungen erhielten in NRW Ende vergangenen Jahres fast 292.000 Menschen. Mehr als die Hälfte von ihnen hatte die Altersgrenze erreicht und erhielt Grundsicherung im Alter – das waren 4,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Durchschnittsalter lag bei 74,4 Jahren.

dpa