Justiz

Kegelbrüder wieder zu Hause: Mallorca-Alptraum nicht vorbei

Die acht Kegelbrüder aus NRW, die nach einem Brand auf Mallorca zwei Monate in U-Haft gesessen haben, sind wieder in ihrer Heimat angekommen. Völlig aus dem Schneider sind sie aber nicht.
Ein Restaurant wurde durch den Brand auf Mallorca stark beschädigt.
Die Touristen aus Deutschland werden beschuldigt, bei einer Party auf ihrem Hotel-Zimmer in unmittelbarer Nähe des Ballermanns Zigarettenkippen auf das Terrassendach der Gaststätte geworfen und so einen Brand ausgelöst zu haben. © picture alliance/dpa

Es war kurz vor Mitternacht, als auch der letzte draußen war: Die acht Deutschen, die auf Mallorca seit knapp zwei Monaten unter dem Vorwurf der Brandstiftung in Untersuchungshaft saßen, sind alle wieder auf freien Fuß.

Die Hobbykegler aus dem Münsterland verließen am späten Freitagabend (15.7.) nacheinander das Gefängnis und wurden draußen von Verwandten, Freunden und Anwälten nach über siebenstündiger Wartezeit emotional in Empfang genommen.

Kurz vor Mitternacht habe der letzte Deutsche das Centro Penitenciario verlassen, bestätigte ein Mitarbeiter der Haftanstalt nördlich der Inselhauptstadt der Deutschen Presse-Agentur. Eine Richterin hatte zuvor auf Antrag der Verteidigung die Freilassung auf Kaution in Höhe von je 12.000 Euro gewährt. Alle Überweisungen trafen pünktlich vor dem Wochenende ein, so dass den Deutschen eine zweitägige „Verlängerung“ hinter Gittern erspart blieb.

Der deutsche Konsul auf der Urlauberinsel, Wolfgang Engstler, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass alle acht Urlauber am Samstagmorgen nach Deutschland zurückgeflogen sind. „Bild“ berichtete, die Linienmaschine mit den Hobbykeglern sei in Münster gelandet.

Als weiterhin Beschuldigte müssen sie allerdings zukünftigen Ersuchen der mallorquinischen Justizbehörden Folge leisten und zum Beispiel auch den Wechsel des gewöhnlichen Wohnsitzes umgehend melden, wie die Justiz der spanischen Urlaubsinsel der dpa auf Anfrage mitteilte.

Alle sehr „aufgeregt“ und „glücklich“

Den Medienvertretern, die in der unwirtlichen Gegend Palmas bis zum Schluss ausgeharrt hatten, sagten die Deutschen, die fast alle unter 30 sind, kein einziges Wort. Vor dem Vollzug der Freilassung hatte ein Anwalt des Verteidigungsteams aber verraten, dass die „Jungs“ alle sehr „aufgeregt“ und „glücklich“ seien. „Sie kommen erhobenen Hauptes raus“, hatte er angekündigt.

Den Deutschen wird vorgeworfen, am 20. Mai kurz nach ihrer Ankunft auf der Insel einen Brand in der Nähe des Ballermanns an der Playa de Palma ausgelöst zu haben. Sie sollen vom Balkon ihrer Hotel-Zimmer brennende Kippen und Alkohol auf das Schilfdach der Terrasse einer darunterliegenden Gaststätte geworfen haben. Das Dach fing Feuer. Zwei Gaststätten, eine Wohnung und Teile des Restaurants wurden beschädigt. Mehrere Menschen erlitten leichte Verletzungen.

Die Touristen bestreiten seit dem ersten Tag, das Feuer gelegt zu haben. Der Ermittlungsrichter sah sie trotzdem als dringend tatverdächtig an und hatte ihnen bisher eine Freilassung auf Kaution verweigert – auch, weil er Fluchtgefahr sah. Doch der Mann konnte am Freitag nicht über den neuen Antrag der Verteidigung entscheiden. Der mallorquinischen Justiz zufolge stand er nicht zur Verfügung.

Laut Insel-Medien ist er im Urlaub. Er wurde von einer Richterin ersetzt, die dem Antrag stattgab. Inselkenner Ciro Krauthausen, der sich als langjähriger Chefredakteur der „Mallorca Zeitung“ bestens auskennt, deutet einen gekonnten Schachzug der Anwälte an: Sie „wussten die Abwesenheit des Ermittlungsrichters zu nutzen.“

Foto entlastete die Männer

Eine wichtige Rolle spielte bei der überraschenden Wende die spanische Anwältin Maria Barbancho Saborit, die erst kürzlich zur Verstärkung des deutsch-spanischen Verteidigungsteams verpflichtet worden war. In den vergangen Tagen hatte sie unter anderem ein Foto als entlastendes Beweismittel herangeschafft, auf dem ein rauchender Unbekannter auf dem Balkon des Nachbarzimmers der Gruppe zu sehen ist, der als Täter ebenfalls in Frage käme.

Dieses Foto habe mit dazu beigetragen, dass die Staatsanwaltschaft in Palma am vergangenen Dienstag sich erstmals für die Freilassung der von deutschen Medien als „Kegelbrüder“ getauften jungen Männer ausgesprochen habe, erklärte Barbancho Saborit. Sie sagte am Freitag vor Journalisten mit zufriedener Miene, man habe gewusst, dass man die Freilassung erreiche. „Wir haben alles gegeben, damit die Jungs endlich freigelassen werden“, betonte die 31-Jährige, die während des Studiums drei Jahre in Heidelberg war. Die Deutschen dürfen sich glücklich schätzen, denn Ermittlungen und U-Haft-Zeiten können in Spanien unter Umständen mehrere Jahre dauern.

Der Gruppe gehörten ursprünglich 13 Urlauber an. Einer von ihnen war bereits am Tag nach dem Brand ohne Auflagen auf freien Fuß gesetzt worden. Er hatte nachweisen können, dass er zum Zeitpunkt des Ausbruchs des Feuers unter der Dusche war. Vier weitere Verdächtige hatten das Gefängnis in Palma nach Kautionszahlungen von jeweils 12.000 Euro nach rund zweieinhalb Wochen ebenfalls unter Auflagen verlassen dürfen.

Völlig aus dem Schneider sind die zwölf Kegelbrüder, die der Tat verdächtigt werden, noch nicht. Die Ermittlungen gehen weiter. Wenn sie angeklagt und der fahrlässigen Brandstiftung für schuldig befunden werden, können sie zu einem Freiheitsentzug zwischen einem und drei Jahren verurteilt werden, wie Anwälte auf dpa-Anfrage erklärten. Bei vorsätzlicher Brandstiftung seien Haftstrafen von bis zu sechs Jahren vorgesehen. Bei Vorsatz und der Gefährdung von Menschenleben könne das Urteil auch deutlich schärfer ausfallen.

dpa

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