Urlaub

Mit dem Bulli durch Deutschland: Teil 3

5000 Kilometer später ist der Roadtrip durch die Republik vorbei. Auf den letzten Metern hat Anna noch tolle Stationen mitgenommen: Gurken im Spreewald, Klettern in Sachsen und den Darß.
Nach 1,5 Monaten Reise auf vier Rädern sind Anna und ihr Freund zurück im Norden Deutschlands angekommen. © pixabay.de

Rund vier Wochen nach dem Start unseres Trips haben wir die Grenze zwischen Bayern und Thüringen im Bereich des Schiefergebirges überquert. Das erste Dorf, durch das wir gefahren sind, bestand komplett aus Schiefer und hat uns mit seiner Dunkelheit ehrlich gesagt ein bisschen schockiert. Dieser erste Eindruck wurde jedoch schon 15 Minuten später durch das Erreichen Deutschlands größter Stauseenplatte wettgemacht.

Weimar ist nicht nur für Dichter-Fans eine Reise wert

Die traumhafte Seenlandschaft erinnerte mich fast schon an Kanada. Für Wildcamper ist die Seenlandschaft außerdem ein absolutes Paradies, weil man in den zahlreichen Einbuchtungen entlang des Ufers unbehelligt stehen, übernachten und die Aussicht genießen kann.

Neben der Seenlandschaft waren wir ziemlich begeistert von Weimar. Die Stadt hat die perfekte Größe, um an einem Tag erkundet zu werden. Wer sich für Goethe und Schiller interessiert, kommt hier genauso auf seine Kosten wie Liebhaber von kleinen Cafés, hübschen Häusern und kleinen Läden.

Halte in Großstädten sind mit dem Bulli kompliziert

Sachsen-Anhalt haben wir nur durchquert, weil wir noch einige Ziele in Sachsen geplant hatten. Grundsätzlich haben uns Leipzig und Dresden gut gefallen. Weil die Städte jedoch relativ groß sind, bietet sich ein Wochenendtrip besser an als ein Zwischenstopp auf einem Roadtrip. Mit unserem Bus konnten wir nicht bis in die Städte hinein, sodass durch S-Bahn-Fahrten wieder einiges an Zeit draufging. Außerdem ist es in Großstädten schwieriger, einen schönen Schlafplatz zu finden, weshalb man abends oft noch relativ weit fahren muss.

Nach diesen etwas komplizierteren Stadttagen sind wir in die Sächsische Schweiz gefahren. Relativ uninformiert und eigentlich ohne große Erwartungen sind wir losgewandert – und sind Stunden später absolut begeistert von einer unserer allerschönsten Wanderungen zurückgekehrt. Nirgendwo habe ich jemals so bizarre Felsformationen gesehen.

Bei ihrer Wanderung durch die Sächsische Schweiz musste Anna auch über den ein oder anderen Felsen klettern. Für den Ausblick hat es sich aber gelohnt! © Privat © Privat

Weil wir relativ früh losgewandert sind, kamen wir an der Schrammsteinaussicht an, als der Nebel sich gerade verzogen hat und die Sonne rauskam. Sicher eine unserer schönsten Frühstücksaussichten! Über den Reitsteig sind wir Richtung Carola Felsen gelaufen. Die Wanderung war super abwechslungsreich und mit traumhaften Aussichten übersäht. Wer gerne wandert und nichts gegen kleine Kletterpartien hat, sollte unbedingt mal Deutschlands Osten auschecken.

Spreewaldgurken und mit dem Kajak zu Wasser unterwegs

Im Spreewald haben wir uns das klassische Touri-Programm gegönnt: Gurken direkt aus dem Fass und eine Kajaktour auf der Spree. Highlight des Paddelns war definitiv die Schleuse, die man selber bedienen konnte, in der wir uns mindestens eine halbe Stunde lang hin und her geschleust haben.

Nach dem Wandern und Paddeln hatten wir beide wieder Lust auf ein bisschen Stadt und weil Berlin zu der Zeit noch eine hohe Inzidenzzahl hatte, sind wir nach Potsdam gefahren.

Mit seinen vielen Schlössern, teuren Italienern und den Villen am See fällt Potsdam zwar definitiv im die Kategorie schick und teuer, hat aber trotzdem Charme. Das Holländerviertel mit seinen kleinen Läden und Cafés ist sehr gemütlich und auch die Innenstadt war richtig schön.

Naturschauspiel aus Wäldern und Stränden auf Rügen

Als es uns langsam wieder ans Meer gezogen hat, haben wir beschlossen, uns die Kreidefelsen von Rügen anzuschauen. Besonders schön fand ich das Kap Arkona. Wer sich zwischen Wald und Strand nicht gut entscheiden kann, der muss unbedingt mal auf den Darß. Hier geht der Nadelwald direkt in den Strand über und bietet eine tolle Kulisse für Strandspaziergänge. Von dort aus sind wir ein bisschen mit dem Wind gereist, um kiten zu gehen. Wir waren auf Fehmarn und in Dahme – gute Spots findet man aber natürlich auch woanders.

So gemütlich konnte Anna morgens ihren Kaffee genießen. © Privat © Privat

Ein letztes kleines Überraschungshighlight war die kleinste Stadt Deutschlands. Arnis liegt direkt an der Schlei, punktet mit süßen alten Häuschen und kann in weniger als einer Stunde umrundet werden. Falls man nach dieser grenzenlosen Verausgabung Hunger verspürt, bietet sich die Strandhalle an. Hier gibt es nicht nur richtig gutes Essen, sondern auch einen wirklich schönen Blick über die Schlei.

Deutschland war die Rundreise wert

Nach unserem Besuch in Arnis sind wir bis zum Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog gefahren. Von unserem Schlafplatz hinterm Deich konnten wir nicht nur Schafe, sondern auch den Sylt-Shuttle beobachten. Und so standen wir ein bisschen wehmütig auf dem Deich und haben wieder auf dasselbe Meer geguckt wie 1,5 Monate und 5000 km vorher. Und obwohl ich vorher so gerne ins Ausland wollte: Unsere Reise durch Deutschland war wunder-, wunderschön.