Infrarotheizung: Welche Vor- und Nachteile gibt es?

Eine Frau liegt auf einem Sofa und tippt auf ihrem Laptop, während an der Wand ein Bild hängt.
Infrarotheizungen können wie ein Bild an die Wand gehängt werden. © Artem Podrez
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Reichen die deutschen Gasreserven für den Winter 2022/23? Mit dieser Frage beschäftigen sich viele Menschen. Aus Sorge vor einer Knappheit des Brennstoffs beschäftigen sich immer mehr von ihnen mit Alternativen zur Gasheizung. Eine mit Strom betriebene Möglichkeit ist die Infrarotheizung.

Wie funktioniert eine Infrarotheizung? Nach dem Prinzip der Sonne

Das Prinzip einer Infrarotheizung unterscheidet sich erheblich von dem klassischer Heizkörper, die in den allermeisten Wohnungen und Häusern verbaut sind. Während solche Konvektionsheizungen die Luft erwärmen, die dadurch zirkuliert und sich im ganzen Raum verteilt, strahlen Infrarotheizungen die Wärme auf Gegenstände wie Möbel, Wände oder Böden ab. Dadurch wird auch die Luft in einem Raum wärmer.

Die Sonne funktioniert übrigens ganz ähnlich: Die Sonnenstrahlen erwärmen ebenfalls Flächen und Gegenstände. Das lässt sich an einem sonnigen Wintertag am besten nachvollziehen: Auch wenn die Luft sehr kalt ist, fühlen sich Sonnenstrahlen auf der Haut oft angenehm warm an.

Diese Arten von Infrarotheizungen gibt es

Infrarotheizungen gibt es in vielen verschiedenen Arten. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, sie in Form von flachen Paneelen an der Wand oder unter der Decke zu installieren. Solche Infrarot-Wandheizungen sind meist nur wenige Zentimeter dick und lassen sich gut in die Gestaltung eines Raumes einfügen. Manche Hersteller bieten sie sogar als Spiegel oder Bild an. Zum Teil haben Kunden die Möglichkeit, ihre Infrarotheizung persönlich zu gestalten.

Um den Wirkungsgrad zu erhöhen, werden Infrarot-Heizkörper häufig unter der Decke montiert. Von dort aus trifft die Strahlungswärme ideal auf Möbel, Boden und Personen. Je nach Gestaltung fallen die Paneele kaum auf.

Drei Frauen mit Sonnenbrillen schauen in die Sonne.
Infrarotheizungen funktionieren nach dem Prinzip der Sonne: Wie Sonnenstrahlen heizen die Infrarotstrahlen Personen oder Gegenstände auf. © picture alliance/dpa/Stefan Puchner

Man muss die Infrarot-Heizkörper aber nicht zwangsläufig unter die Decke oder an die Wand hängen. Es gibt sie auch als mobile Standgeräte, die überall in Haus oder Wohnung aufgestellt werden können. Teilweise verfügen sie sogar über Rollen, sodass sie problemlos innerhalb des Raumes verschoben werden können.

Das sind die Vorteile einer Infrarotheizung

Wer ernsthaft über eine Infrarotheizung nachdenkt, sollte sich zuvor mit den Vor- und Nachteilen dieser Heiztechnik auseinandersetzen. Ein Vorteil sind die im Vergleich zu anderen Heizungsarten recht geringen Anschaffungskosten. Je nach Größe und Leistung sind Infrarot-Heizkörper schon für rund 100 Euro zu bekommen, können aber auch bis zu 1000 Euro kosten. Sie sind in der Regel einfach zu montieren und benötigen lediglich einen Stromanschluss, aber kein komplettes Leitungssystem wie Gasheizungen.

Darüber hinaus nehmen sie im Raum wenig Platz ein. Infrarot-Heizkörper können entweder unauffällig sein oder durch persönliche Gestaltung ideal an den Raum angepasst werden. In der Regel heizt eine Infrarotheizung einen Raum schneller auf als eine Konvektionsheizung und sorgt für eine behagliche Wärme. Weil es durch die Strahlungswärme keine Luftverwirbelungen gibt, fällt die Staubbelastung gering aus, was vor allem für Allergiker ein Vorteil sein dürfte.

Welche Nachteile eine Infrarotheizung hat

Es gibt aber auch einige Nachteile: So haben Infrarotheizungen einen ziemlich hohen Stromverbrauch. Die Stiftung Warentest rechnet vor: In einer 100-Quadratmeter-Wohnung kämen bei einem täglichen Betrieb von acht Stunden während der kalten Jahreshälfte Stromkosten von 4000 bis 4700 Euro zusammen – je nach dem persönlichen Strompreis. Mit dieser Formel kann man die Betriebskosten einer Infrarotheizung übrigens selbst berechnen: Wattzahl geteilt durch 1000 mal Betriebszeit (in Stunden) mal Strompreis (pro Kilowattstunde).

Der relativ hohe Stromverbrauch einer Infrarotheizung hängt auch mit ihrer geringen Effizienz zusammen: Um einen Raum auf eine bestimmte Temperatur aufzuheizen, sei mehr Energie notwendig als bei jeder anderen Heizungsform, erklärt das Portal wohnglueck.de. Zudem gibt es keine staatliche Förderung, wie sie zum Beispiel bei einer Wärmepumpe möglich ist. Infrarotheizungen sind darüber hinaus nicht in jedem Gebäude sinnvoll. Ist ein Haus zu schlecht gedämmt, sei der Wärmeverlust zu groß, erklärte Fabian Digel, Geschäftsführer des Infrarot-Heizelemente-Herstellers Digel Heat, gegenüber tagesschau.de.

Experten empfehlen Beratung durch Fachmann

Als Haupt-Heizquelle kommt eine Infrarotheizung also höchstens für gut gedämmte Neubauten infrage. Idealerweise verfügen diese noch über eine Photovoltaik-Anlage, mit der die Heizung kostengünstig betrieben werden kann. Für alle anderen Gebäude sehen Experten die Heiztechnik eher als Ergänzung zum bestehenden Heizsystem an – beispielsweise im Badezimmer.

Doch egal in welchem Umfang eine Infrarotheizung genutzt werden soll, ist eine Beratung durch einen Fachmann ratsam: „Sicher können Infrarotpaneele einfach und schnell installiert werden, wir raten aber dazu, sich vorab beraten zu lassen, um die ideale Lösung für die individuelle Anwendung zu erhalten“, erklärt Lars-Henric Voß, Vorsitzender der IG Infrarot Deutschland.