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Whatsapp ändert Nutzungsbedingungen: Was Sie darüber wissen sollten

Facebook und Whatsapp tauschen zukünftig Daten aus. Eine Möglichkeit, dem zu widersprechen und die App trotzdem weiter zu nutzen, gibt es nicht. Was Whatsapp-Nutzer jetzt wissen sollten.
Bis zum 8. Februar 2021 sollten Nutzer ursprünglich zustimmen, um die App weiter nutzen zu können. Nach heftiger Gegenwehr verschob das Unternehmen die Deadline auf den 15. Mai. © picture alliance/dpa/dpa-tmn

Bei vielen Whatsapp-Nutzern war die Verunsicherung groß: „WhatsApp aktualisiert seine Nutzungsbedingungen und seine Datenschutzrichtlinie“ war auf vielen Smartphone-Displays Anfang Januar zu lesen. Bis zum 8. Februar 2021 sollten Nutzer ursprünglich zustimmen, um die App weiter nutzen zu können. Wer das nicht wollte, dem blieb nur eines: deinstallieren.

Nach heftiger Gegenwehr verschob das Unternehmen die Deadline auf den 15. Mai. Doch was passiert dann, und was will Whatsapp mit den neuen Nutzungsbedingungen überhaupt erzwecken? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Was ändert sich bei Whatsapp?

Schon seit 2014 gehört Whatsapp zu Facebook. Wenn nun ein Pop-up in der App eine geänderte Datenschutzrichtlinie ankündigt, gehen bei vielen Nutzerinnen und Nutzern vielleicht die Alarmleuchten an. Allerdings soll es in der für die EU und Großbritannien geltenden, überarbeiteten Richtlinie keine Änderungen geben, die das Teilen von Daten mit anderen Facebook-Unternehmen betreffen, wie ein Whatsapp-Sprecher erklärt.

Anders sieht es global aus. Denn für den Rest der Welt gilt eine andere Datenschutzrichtlinie. Außerhalb der EU fließen Whatsapp-Nutzerdaten an Facebook zu Werbezwecken oder zur Verbesserung von Produkten – allerdings bereits seit dem Jahr 2016.

Doch welche Änderungen bringt dann die neue EU-Datenschutzrichtlinie? Als „wesentliche“ Änderungen stellt Facebook „klarer formulierte, detailliertere Nutzer-Informationen, wie und warum Daten verarbeitet werden“ heraus, sowie Informationen darüber, wie Firmen, die über Whatsapp mit ihren Kundinnen und Kunden kommunizieren, Chats speichern und verwalten können. Demnach betreffen die neuen Richtlinien nur Nutzerinnen und Nutzer, die Unternehmen via Whatsapp kontaktieren.

Welche Daten speichert Whatsapp generell?

Erst einmal: Chatnachrichten speichert der Messenger in der Regel nur auf dem Gerät, nicht auf den Servern des Unternehmens. Facebook sichert zudem zu, nicht mitzulesen, wenn wir uns online unterhalten.

Ausnahmen sind: Nachrichten, die nicht zugestellt werden können. Sie bleiben bis zu 30 Tage in verschlüsselter Form auf den Servern gespeichert. Außerdem werden weitergeleitete Medien „temporär in verschlüsselter Form“ auf den Servern gespeichert.

Unter anderem diese Daten erhebt und nutzt Whatsapp wie folgt:

Automatisch erhobene Informationen:

  • Aktivität der Nutzer: Dazu zählt, wie, wann und wie lange jemand Whatsapp nutzt oder wie mit einem Unternehmen kommuniziert wird.
  • Daten zum Gerät: Whatsapp erhebt zum Beispiel das Smartphonemodell, den Batteriestand, Signalstärke und IP-Adresse.
  • Standortinformationen: Wer zugestimmt hat, dass Whatsapp auf den eigenen Standort zugreifen darf, erlaubt dem Unternehmen, auch für Diagnosezwecke auf den Standort via IP-Adresse und Anrufvorwahlen zuzugreifen.

Wie Whatsapp mit anderen Facebook-Unternehmen zusammenarbeitet:

  • „Als Teil der Facebook-Unternehmen erhält Whatsapp Informationen von anderen Facebook-Unternehmen und teilt auch Informationen mit anderen Facebook-Unternehmen“, schreibt der Messenger in seinen Richtlinien. Whatsapp begründet diese Maßnahme mit Sicherheit, aber auch damit, so die eigenen Dienste besser vermarkten zu können.

So verarbeitet Whatsapp unter anderem Daten:

  • Zunächst ist das Unternehmen auf die Einwilligung der Nutzer angewiesen. Ohne Einwilligung keine Datenverarbeitung.
  • Ordnet eine Strafverfolgungs- oder Vollstreckungsbehörde das Herausgeben der Daten in Zusammenhang mit einer Untersuchung an, kommt Whatsapp dieser Verpflichtung nach.
  • Um Messungen und Analysen bereitzustellen. Zum Beispiel, um Werbekunden zu zeigen, welche Leistungen sie zu welchem Preis erwarten können oder welche Reichweite sie erzielen.
  • Stichwort Marketingkommunikation: Whatsapp räumt sich das Recht ein, personenbezogene Daten „zur Förderung der Produkte von Facebook-Unternehmen und zum Versenden von Direktwerbung“ zu verarbeiten.

Warum ändert Whatsapp die Nutzungsbedingungen und die Datenschutzrichtlinien?

Whatsapp zu nutzen ist bisher für Nutzer kostenfrei. Geld verdienen will Facebook mit dem Messenger aber trotzdem. „Im harmlosesten Fall blendet euch Whatsapp kontextbezogen Vorschläge ein“, mutmaßt das Magazin „t3n“.

Den Zweck der Metadatensammlung legt Whatsapp in der neuen EU-Datenschutzrichtlinie wie folgt dar: Gemeinsam wolle man „gegen Spam, Drohungen, Missbrauch oder Rechteverletzungen“ vorgehen, heißt es. „Whatsapp arbeitet auch mit den anderen Facebook-Unternehmen zusammen und teilt Informationen mit diesen, damit sie uns dabei helfen können, unsere Dienste zu betreiben, bereitzustellen, zu verbessern, zu verstehen, anzupassen, zu unterstützen und zu vermarkten.“

Dann wird aber eingeschränkt: „Keine der Informationen, die Whatsapp auf dieser Grundlage weitergibt, dürfen für die eigenen Zwecke der Facebook-Unternehmen verwendet werden.“ Soll laut der Nachrichtenagentur dpa heißen: keine Produktverbesserungen und keine personalisierte Anzeigen bei Facebook und seinen Diensten mithilfe dieser Daten.

Was passiert, wenn ich den neuen Nutzungsbedingungen nicht zustimme?

Wer bis zum 15. Mai noch nicht zugestimmt hat, behält seinen Account laut Whatsapp zwar. Die App funktioniert dann aber nur noch eingeschränkt. Zwar erhalten Nutzerinnen und Nutzer laut Whatsapp noch „für kurze Zeit“ Anrufe und Benachrichtigungen. Das Verschicken oder Lesen von Nachrichten ist dann aber nicht mehr möglich.

Daher haben App-Userinnen und -User noch bis zum 15. Mai die Chance, ihren Chatverlauf auf einem Android-Gerät oder einem iPhone zu exportieren und einen Bericht zu ihrem Account herunterzuladen.

Immerhin: Auch nach dem Stichtag bleibt die Option, den neuen Nutzungsbedingungen zuzustimmen und so die volle Funktionalität der App zurückzuerlangen.

Kann ich den neuen Whatsapp-Nutzungsbedingungen (später) widersprechen?

Ja. „Gemäß den geltenden Datenschutzgesetzen hast du das Recht auf Auskunft, Berichtigung und Übertragbarkeit beziehungsweise Löschung deiner Informationen sowie das Recht, bestimmte Verarbeitungen deiner Informationen einzuschränken beziehungsweise ihnen zu widersprechen“, steht in der Datenschutzrichtlinie des Messengers und an anderer Stelle: „Wenn wir von dir bereitgestellte Daten auf Grundlage deiner Einwilligung verarbeiten, hast du das Recht, diese Einwilligung jederzeit zu widerrufen.“ Allerdings: Wer den Bedingungen widerspricht, darf die App nicht mehr in vollem Umfang nutzen.

RND

Der Artikel "Whatsapp ändert Nutzungsbedingungen: Was Sie darüber wissen sollten" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland
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