Häuser mit Geschichte(n)

Als Kino-Filmrollen noch durch den Geheimgang transportiert wurden

Drei Kinos hatte Waltrop einst - heute kaum noch vorstellbar. Auch das „Scala“ an der Riphausstraße überlebte das Kinosterben in den 60ern nicht. Doch heute ist dort „jede Menge Theater“.
Das Majestic-Theater an der Riphausstraße beherbergt auch das Restaurant Majesstico. © Elena Schulze Langenhorst

Wer es nicht selbst miterlebt hat, den mag diese Tatsache wahrlich wundern: „Waltrop hatte drei Kinos!“, sagt Norbert Frey, Vorsitzender des Waltroper Heimatsvereins. Eins der besagten drei Kinos war das Scala-Theater an der Riphausstraße. Das Lichtspielhaus Scala wurde, so der heutige Inhaber des Gebäudes, 1951 gebaut. Die Premiere fand am 4. Dezember 1952 statt. Der erste Film war, das kann man alten Zeitungsannoncen entnehmen: „Das singende Hotel. Ein musikalisches Lustspiel“. In umfangreichen Zeitungsartikeln wird das Scala in höchsten Tönen gelobt: Bei seiner Eröffnung galt das Lichtspieltheater „als eines der modernsten in unserem Raum“, mit rund 500 Plätzen, einer Bühne mit versenkbarem Orchesterraum „und allen notwendigen technischen Einrichtungen eines modernen Theaters“. Die Inneneinrichtung habe den damaligen Pächter rund 90.000 DM gekostet.

Dem neuen Kino wurde seinerzeit entgegengefiebert. © Heimatverein Waltrop © Heimatverein Waltrop

„Pächter Heinz Hüls aus Castrop-Rauxel, der in Habinghorst ein weiteres Kino hatte, betrieb das Scala von 1951 bis Mitte 1967“, weiß Norbert Frey. „Das waren ‚selige Kinozeiten‘ für die Waltroper: Eine Wochenschau und das Neueste aus aller Welt. Das deutsche Fernsehen steckte damals noch in den Kinderschuhen.“

Alten Bauplänen konnte der jetzige Inhaber, Andy Schickling, entnehmen, dass es früher im Kino einen „Geheimgang“ gegeben haben muss, der wohl dem Transport der Filmrollen diente: „Der Gang ging vom Keller aus über eine schmale Wendeltreppe direkt in den Projektor-Raum. So konnten die Filmrollen sicher und ,top secret‘ an ihren Platz gelangen.“

Kinosterben setzte dem „Scala“ ein Ende

Nach knapp 15 Jahren war jedoch bereits ein Ende in Sicht. Ein Zeitungsartikel von 1967 trägt den Titel: „Kinosterben jetzt auch in Waltrop – ‚Scala‘ steht seit drei Monaten leer“. Als das Kino eröffnet wurde, habe es noch kein Fernsehen gegeben, und vor allem die Bergleute „kannten kein größeres Vergnügen als einen Kinobesuch“. Doch: „Die Einnahmen gingen immer mehr zurück. Ich führe das auf den Einfluss des Fernsehens und die Kohlekrise zurück. Immerhin liegt das Kino in einem reinen Bergarbeiterviertel“, so der damalige Pächter Hüls.

Diskothek sollte ins ehemalige Kino kommen

Er war noch für einige Jahre an den Pachtvertrag gebunden, hatte aber nun keine Einnahmen mehr durch das Kino. Stattdessen zog er in Betracht, eine Tanz-Diskothek zu eröffnen. Dagegen protestierten aber Anwohner, die Lärm befürchteten. Andere Stimmen sprachen sich dafür aus, das Gebäude als eine Art Stadthalle oder „Saal für kulturelle Veranstaltungen“ zu nutzen. Man könne Theater-Ensembles nach Waltrop holen und ihnen hier eine Bühne bieten, sodass „Waltroper Theaterfreunde nicht mehr nach Dortmund, Lünen und Marl fahren müssen“.

Andy und Lea Schickling © Elena Schulze Langenhorst © Elena Schulze Langenhorst

Heute wird das Gebäude tatsächlich in diesem Sinne genutzt. Zunächst beherbergte es viele Jahre einen Lebensmittelmarkt, dann einen Getränkemarkt und zuletzt eine Videothek, so Schickling. Seit 2016 (Eröffnung 2017) befindet sich dort Restaurant „Majesstico“ – und vor allem das Majestic-Theater. „Kein Lichtspieltheater, sondern ein richtiges Theater“, betont Frey. Andy Schickling und seine Frau Lea leiten den Betrieb: „Wir haben bei den Umbauarbeiten versucht, vieles möglichst originalgetreu wiederherzustellen.“ Noch immer sind die alten Aus- und Eingangstüren vorhanden. Dazwischen habe sich damals das Kassenhäuschen befunden. Die Bühne biete heutzutage Platz für namhafte Künstler wie Atze Schröder und Torsten Sträter sowie für Nachwuchskünstler; auch das eigene Majestic-Ensemble steht gelegentlich auf der Bühne. Andy und Lea Schickling sind Teil des Ensembles. Ein Highlight der heutigen Zeit seien Dinner-Shows, bei denen im Theatersaal Tische eingedeckt werden. Persönliche Highlights, sagt Andy Schickling hingegen seien für ihn neben der Arbeit in der Küche das tolle Personal und seine Frau, die allesamt mit Herzblut dabei seien, sowie die tollen Gäste.

Der Abend in Waltrop

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